Frau­en als Män­ner

Beim Drag-King-Work­shop an der Uni­ver­si­tät wer­den Ge­schlech­ter­rol­len ge­tauscht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Wie fühlt sich es an, als Mann durch die Ci­ty zu lau­fen? Und was ist über­haupt ty­pisch weib­lich oder männ­lich? Zur Be­ant­wor­tung sol­cher Fra­gen sind Teil­neh­me­rin­nen ei­nes Drag-King-Work­shops an der Uni Osnabrück ver­suchs­wei­se in die Rol­le des an­de­ren Ge­schlechts ge­schlüpft.

Von Chris­ti­na Röhm

OSNABRÜCK. Aus­staf­fiert mit Her­ren­kla­mot­ten, Män­ner­fri­su­ren, fal­schen Bär­ten und selbst ge­bas­tel­ten Pe­nis­sen, stürz­ten sich die Frau­en an ei­nem Sams­tag­nach­mit­tag ins Ge­tüm­mel der In­nen­stadt. Au­ßer­dem nä­her­ten sie sich dem The­ma „Ge­schlech­ter­rol­len“auf Ein­la­dung von Gleich­stel­lungs­bü­ro und As­ta theo­re­tisch: Ge­mein­sam mit So­zi­al­päd­ago­gin Stephanie We­ber er­grün­de­ten die Teil­neh­me­rin­nen, wel­che Kli­schees und Vor­ur­tei­le über Män­ner und Frau­en es gibt, wie sie ent­ste­hen und was sol­che ge­sell­schaft­li­chen Scha­blo­nen be­wir­ken.

Hö­he­punkt des Work­shops mit dem be­deu­tungs­vol­len Ti­tel „She’ s the Man*“(Sie ist der Mann) war aber si­cher die Pro­be aufs Ex­em­pel, die Ver­wand­lung zum Drag King mit an­schlie­ßen­dem Spa­zier­gang durch die be­leb­te Fuß­gän­ger­zo­ne. Vier Frau­en wag­ten den Selbst­ver­such: Um in der Öf­fent­lich­keit wie Män­ner zu er­schei­nen, lie­ßen sie sich mit Har­te Scha­le, wei­cher Kern: Beim Drag-King-Work­shop an der Uni­ver­si­tät Osnabrück setz­ten sich die Teil­neh­me­rin­nen kri­tisch mit Ge­schlech­ter­rol­len aus­ein­an­der. Da­für zo­gen sie auch als Män­ner ver­klei­det durch die In­nen­stadt.

elas­ti­schen Ver­bän­den ih­re Brüs­te flach drü­cken, tausch­ten Rö­cke, Blu­sen und Leg­gings ge­gen Schlab­bers­hirts, Bol­ler­ho­sen und Ka­pu­zen­pul­lis ein.

Pe­nis aus Wat­te

Thea­ter­schmin­ke tat ihr Üb­ri­ges. Die Au­gen­brau­en wur­den stär­ker nach­ge­zeich­net, künst­li­che Bart­haa­re an­ge­klebt und här­te­re Kon­tu­ren in die Ge­sich­ter ge­malt. Letz­ter Schritt war die Nach­bil­dung männ­li­cher Fort­pflan­zungs­or­ga­ne aus Wat­te und Kon­do­men.

Um auch au­ßer­halb des Se­mi­nar­raums als männ­lich er­kannt zu wer­den, ab­sol­vier­ten die Teil­neh­me­rin­nen noch ein paar Übun­gen. Bei­spiels­wei­se

pro­bier­ten sie aus, sich so zu be­we­gen und so zu spre­chen, wie es dem Ste­reo­typ ei­nes Man­nes ent­spricht. Dann end­lich ging es raus auf die Stra­ße.

In Zwei­er­teams, be­ste­hend aus ei­ner als Mann ver­klei­de­ten und ei­ner un­kos­tü­mier­ten Teil­neh­me­rin, ver­such­ten die Frau­en, sich in ih­rer neu­en Rol­le zu be­haup­ten. Da­bei soll­ten sie schau­en, wie an­de­re Per­so­nen auf sie re­agier­ten. Ab­schlie­ßend wur­den die ge­sam­mel­ten Er­fah­run­gen in der Grup­pe be­spro­chen.

Mehr Fo­tos vom Dra­gKing-Work­shop fin­den Sie bei uns im In­ter­net auf noz.de/cam­pus.

(von links): So­zi­al­päd­ago­gin Stephanie We­ber so­wie die Work­shop-Teil­neh­me­rin­nen Ker­sti, La­ra und Eb­ba.

Die Drag Kings vor der Ver­wand­lung

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