Söh­ne trau­en Frau­en­arzt ei­nen Mord zu

Land­ge­richt Lands­hut setzt Pro­zess ge­gen Osnabrücker Me­di­zin­pro­fes­sor fort

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Im neu auf­ge­roll­ten Pro­zess ge­gen ei­nen Frau­en­arzt aus Osnabrück, der sei­ne Frau um­ge­bracht ha­ben soll, ha­ben ges­tern Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge des Ehe­paa­res vor dem Land­ge­richt Lands­hut aus­ge­sagt. Der Ad­op­tiv­sohn des An­ge­klag­ten mach­te kei­nen Hehl dar­aus, dass er ihn für den Mör­der sei­ner Mut­ter hält. Auch der leib­li­che Sohn des Gy­nä­ko­lo­gen er­klär­te auf Nach­fra­ge, dass er sei­nem Va­ter die Tat zu­traue.

Der Bru­der der Ge­tö­te­ten be­stritt der­weil im Zeu­gen­stand ve­he­ment den Vor­wurf des An­ge­klag­ten, et­was mit dem Tod sei­ner Frau zu tun zu ha­ben: „Das ist ganz klar ge­lo­gen!“Er sei nie bei sei­ner Schwes­ter in Er­ding ge­we­sen, sag­te er auf die Vor­hal­tung von Staats­an­walt Chris­toph Rit­ter, man ha­be Merk­ma­le ei­ner DNA am Tat­ort si­cher­ge­stellt, die mit sei­ner DNA über­ein­stimm­ten.

Der Sohn der Ge­tö­te­ten be­zeich­ne­te den An­ge­klag­ten als „schwa­chen Men­schen“, der „ex­trem ag­gres­siv“wer­den kön­ne. Vor Ge­richt be­rich­te­te der 30-Jäh­ri­ge auch von SMS-Nach­rich­ten, die ihm sei­ne Mut­ter we­ni­ge Wo­chen vor dem Tod per SMS ge­schrie­ben ha­be. „Er ist so ko­misch“und „Ich si­che­re, was geht“soll dar­in ge­stan­den ha­ben. Per Whats­app ha­be ihm sei­ne Mut­ter mit­ge­teilt, in ei­nem Ord­ner Do­ku­men­te und Un­ter­la­gen zu sam­meln, die „im Fal­le ih­res Ab­le­bens“für sei­ne Schwes­ter und ihn be­stimmt ge­we­sen wä­ren. Ein sol­cher Ord­ner wur­de nach ih­rem Tod von der Kri­mi­nal­po­li­zei aber nicht ge­fun­den.

Für sei­ne Mut­ter sei das Ver­hält­nis zu dem An­ge­klag­ten zu­nächst ei­ne „gro­ße Lie­bes­be­zie­hung“ ge­we­sen, er­klär­te der Sohn wei­ter. Aber die frü­he­re Fa­mi­lie des Os­na­brückers ha­be sich „wie ein Schlei­er“über die zwei­te Ehe ge­legt. Sei­ne Mut­ter sei der Mei­nung ge­we­sen, ei­ne völ­li­ge Tren­nung von der al­ten Fa­mi­lie sei das Bes­te für al­le. Sie ha­be ih­ren Mann aber in die­ser Hin­sicht für schwach und wan­kel­mü­tig ge­hal­ten. Da­her ha­be sie auch Brie­fe von den leib­li­chen Kin­dern an ih­ren Va­ter „ver­schwin­den las­sen“.

Di­ckes Bank­kon­to

Der Stief­sohn des An­ge­klag­ten be­stä­tig­te vor Ge­richt, dass der Frau­en­arzt sei­ner zwei­ten Frau im Lauf der Jah­re et­wa 900 000 Eu­ro über­wie­sen hat. Noch En­de 2014 hät­ten sei­ne Schwes­ter und er von ei­nem Schwei­zer Kon­to mit 300 000 Eu­ro Gut­ha­ben er­fah­ren, das noch vor der Ehe­schlie­ßung sei­ner Mut­ter mit dem An­ge­klag­ten ein­ge­rich­tet wor­den sei. Den Grund für das Bei­sei­te­schaf­fen des Gel­des hät­ten sei­ne Mut­ter und der An­ge­klag­te ihm selbst ge­nannt: Die leib­li­chen Kin­der hät­ten nach des­sen Tod nichts von ihm be­kom­men sol­len – „das war die Idee da­hin­ter“. Wie am Mon­tag be­kannt wur­de, sind der Ad­op­tiv­sohn und sei­ne Schwes­ter, die an dem Pro­zess als Ne­ben­klä­ger teil­neh­men, Haupter­ben.

Das letz­te Le­bens­zei­chen der Ge­tö­te­ten am 4. De­zem­ber 2013, dem Tat­tag, war ein kur­zes Te­le­fon­ge­spräch ge­gen 12.35 Uhr, das sie mit ih­rem Sohn führ­te. Sei­ne Mut­ter sei ru­hig ge­we­sen, sag­te der 30-Jäh­ri­ge vor Ge­richt. Ihm sei nichts Un­ge­wöhn­li­ches auf­ge­fal­len. Sie ha­be nur ge­sagt, dass sie „Pa­pa“ge­ra­de zur Tür brin­ge und gleich zu­rück­ru­fe. Der Rück­ruf blieb al­ler­dings aus. Laut Staats­an­walt­schaft muss der Frau­en­arzt sei­ne Frau al­so mehr oder we­ni­ger un­mit­tel­bar nach dem Te­le­fo­nat an­ge­grif­fen und ge­tö­tet ha­ben.

Rät­sel­haf­te SMS

Der Sohn gab an, ab 15 Uhr wie­der­holt ver­sucht zu ha­ben, sei­ne Mut­ter zu er­rei­chen. Ge­gen 18 Uhr ha­be er sich per SMS bei dem An­ge­klag­ten nach ih­rem Ver­bleib er­kun­digt. „Ma­ma hat viel ge­lacht“, ha­be ihm die­ser zu­rück­ge­schrie­ben. „Ei­ne Ant­wort, die ich jetzt als kla­ren Hin­weis auf sei­ne Tä­ter­schaft se­he“, weil sie so ab­surd sei, so der Zeu­ge.

Der Pro­zess vor dem Land­ge­richt Lands­hut wird am Di­ens­tag fort­ge­setzt.

Wie der An­ge­klag­te auf die Kon­takt­ver­su­che sei­ner Kin­der aus ers­ter Ehe re­agier­te, le­sen Sie auf noz.de/os.

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