Rus­ti­ka­ler Zu­griff

Opern­chor singt Brahms, Bar­tók und Gál

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Jan Kamp­mei­er

Es ist et­wa so, als wür­de man für die Gar­ten­ar­beit den schwe­ren Bag­ger ein­set­zen. Oder, um im Be­reich der Küns­te zu blei­ben, als wür­de man ein fei­nes Ge­mäl­de mit der brei­ten Ma­ler­rol­le ma­len. Die ers­te Num­mer des Kon­zerts im Orches­ter­stu­dio des Thea­ters, Brahms’ „Sehn­sucht“aus op. 112, ist ein De­sas­ter. Doch der Opern­chor Osnabrück stei­gert sich nach dem miss­ra­te­nen Be­ginn kräf­tig.

Ge­wis­se Din­ge al­ler­dings muss man wohl von vorn­her­ein hin­neh­men, wenn ein Opern­chor Chor­lie­der des 19. und 20. Jahr­hun­derts in­ter­pre­tiert, denn die sind ein­fach nicht sei­ne ei­gent­li­che Pro­fes­si­on. Viel Vi­bra­to hört man da, die Ab­spra­chen da­ge­gen sind nicht all­zu prä­zi­se, und auch die In­to­na­ti­on ist, ob­wohl durch das Kla­vier ge­stützt, zu­wei­len et­was frag­wür­dig. Von aus­ge­gli­che­nem Klang der Stimm­grup­pen schließ­lich kann schlicht kei­ne Re­de sein. Das sind so ziem­lich die zen­tra­len Ka­te­go­ri­en in die­sem Re­per­toire, nicht je­doch auf der Opern­büh­ne.

Die dy­na­mi­sche Gestal­tung al­ler­dings ist ziem­lich ein­drucks­voll, in ers­ter Li­nie na­tür­lich das Cre­scen­do und das wuch­ti­ge For­te. Das be­rühm­te „Nein, es ist nicht aus­zu­kom­men mit den Leu­ten“aus Brahms’ Lie­bes­lie­der­wal­zern ist da­für das Pa­ra­de­bei­spiel, und über­haupt ver­trägt die­ser Zy­klus, aus dem 15 Ti­tel aus­ge­wählt wur­den, den kraft­voll-rus­ti­ka­len Zu­griff ganz gut. Von Fa­bi­an Lie­sen­feld und Aki­ra Na­ka­mu­ra an den Flü­geln al­ler­dings hört man meist nicht mehr viel.

Doch die Lie­bes­lie­der­wal­zer sind Stan­dard, span­nen­der wä­re na­tür­lich mehr Mu­sik von Hans Gál ge­we­sen. Die fes­seln­de Oper „Das Lied der Nacht“ist so­eben ab­ge­spielt, nun hat der Opern­chor zwei klei­ne Wer­ke von ihm aufs Pro­gramm ge­setzt. Die­ser bringt den aus­ge­spro­chen wit­zi­gen Cha­rak­ter der so­ge­nann­ten „Por­trät­stu­di­en“nach Wil­helm Busch vor­treff­lich zum Aus­druck. Doch Gál hat für Chor we­sent­lich mehr kom­po­niert, und man hört es lei­der nie. Üb­ri­gens hat Gál, der Er­klä­rung des Chor­di­rek­tors Mar­kus Laf­leur zum Trotz, wohl eben­so we­nig in ei­nem Kon­zert un­ter dem Mot­to „Chor­ro­man­tik“ver­lo­ren wie Bar­tók, des­sen vier slo­wa­ki­sche Volks­lie­der das Pro­gramm er­gänz­ten.

Mit Hö­hen und Tie­fen prä­sen­tier­te sich der Opern­chor Osnabrück im Orches­ter­stu­dio des Thea­ters. Fo­to: El­vi­ra Par­ton

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