Wei­ter­hin zu viel Ni­trat im Grund­was­ser

Stark be­las­te­te Brun­nen in Belm und Wal­len­horst – Land­kreis: Ur­sa­che ist land­wirt­schaft­li­cher Dün­ger

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land - Von Je­an-Charles Fays

Das Grund­was­ser im Land­kreis ist wei­ter­hin in ei­nem über­wie­gend schlech­ten Zu­stand. Meh­re­re Brun­nen muss­ten we­gen Ni­trat­be­las­tun­gen über dem ge­setz­li­chen Grenz­wert still­ge­legt wer­den. Das kon­sta­tier­te der Lei­ter der Land­kreis-Was­ser­be­hör­de, Det­lef Wilcke, im Um­welt­aus­schuss.

OSNABRÜCK. Wilcke hat­te be­reits vor ei­nem Jahr er­läu­tert, dass 50 bis 60 Pro­zent des Grund­was­sers im Kreis we­gen über­höh­ter Ni­trat­wer­te in ei­nem che­misch schlech­ten Zu­stand sind und erst nach ei­ner ent­spre­chen­den Auf­be­rei­tung als Trink­was­ser ge­eig­net sind. Die La­ge ist seit­her of­fen­bar nicht bes­ser ge­wor­den. Der als ge­sund­heits­ge­fähr­dend gel­ten­de Stoff er­reicht in vie­len Fäl­len die Trink­was­ser­brun­nen, weil die Bö­den ge­ra­de in den Fest­ge­steins­ge­bie­ten des Wie­hen­ge­bir­ges und des Teu­to­bur­ger Wal­des Ni­trat nur in ge­rin­gen Men­gen ab­bau­en kön­nen.

Er­höh­te bis sehr ho­he Ni­trat­ge­hal­te gibt es nach An­ga­ben der Was­ser­ver­sor­ger ins­be­son­de­re im Grund­was­ser ei­ni­ger Brun­nen in Wal­len­horst und Belm. „Der mit Ab­stand wich­tigs­te För­der­brun­nen im Ver­sor­gungs­ge­biet der Wal­len­hors­ter Orts­tei­le Lecht­in­gen und Rul­le weist in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit ei­nen deut­li­chen Sprung der Ni­trat­kon­zen­tra­ti­on im Roh­was­ser auf, was da­zu ge­führt hat, dass im ver­gan­ge­nen Jahr der Grenz­wert von 50 Mil­li­gramm pro Li­ter über­schrit­ten wur­de“, er­klär­te Wilcke. Die Was­ser­ver­sor­gung Wal­len­horst

muss­te da­her ei­ne 200 000 Eu­ro teu­re Ver­bin­dungs­lei­tung zum Hoch­be­häl­ter Pies­berg der Stadt­wer­ke Osnabrück schaf­fen, um von dort ni­trat­ar­mes Trink­was­ser zu­zu­mi­schen.

Pro­ble­ma­tisch ist die Ni­trat­be­las­tung auch in Belm. Von neun För­der­brun­nen im Bel­mer Trink­was­ser­ge­win­nungs­ge­biet Po­we-IckerGatt­berg wei­sen nur noch zwei Brun­nen ei­nen Ni­trat­ge­halt un­ter­halb des Grenz­werts der Trink­was­ser­ver­ord­nung auf. Dort muss ni­trat­är­me­res Was­ser aus den Brun­nen Gatt­berg 1 und 2 bei­ge­mischt wer­den. Wilcke sieht die Haupt­ur­sa­che im

land­wirt­schaft­li­chen Dün­ger: „Die stark be­las­te­ten Brun­nen in Po­we und Icker lie­gen im land­wirt­schaft­li­chen Be­reich, die Gatt­ber­ger Brun­nen im forst­wirt­schaft­li­chen Be­reich. So­mit zeigt sich bei den un­ter­schied­li­chen Ni­trat­wer­ten ein deut­li­cher Zu­sam­men­hang zwi­schen der Be­wirt­schaf­tung oben und den Ni­trat­wer­ten un­ten.“

Die Grund­was­ser­be­las­tung im Altkreis Ber­sen­brück ist ins­ge­samt ge­rin­ger. Der Land­kreis führt das auf die un­ter­schied­li­chen Bö­den zu­rück. Wäh­rend die Fest­ge­steins­bö­den des Teu­to­bur­ger Wal­des und des Wie­hen­ge­bir­ges

nur we­nig Schutz vor Ni­tratein­trä­gen bie­ten, schützt die stark un­durch­läs­si­ge Deck­schicht in Ber­sen­brück. So­mit kön­nen Schad­stof­fe dort teil­wei­se im Bo­den ab­ge­baut wer­den und er­rei­chen das Grund­was­ser mit deut­li­cher Ver­zö­ge­rung. Al­ler­dings weist das ober­flä­chen­na­he Grund­was­ser nach An­ga­ben des Was­ser­ver­bands Ber­sen­brück auch dort ei­ne durch­aus ho­he Ni­trat­be­las­tung auf.

Wilcke ver­weist dar­auf, dass sich an der Ni­trat­be­las­tung im Grund­was­ser nur lang­sam et­was än­dern wird, „da die ver­schärf­te neue Dün­ge­ver­ord­nung erst ein­mal

grei­fen muss“. Wilcke setzt zu­dem aber auch auf Ver­su­che auf Acker­flä­chen im Was­ser­schutz­ge­biet Belm-Net­te­tal. Dort sol­len un­ter­schied­li­che Dün­ge­stra­te­gi­en in en­ger Ko­ope­ra­ti­on mit den Land­wir­ten vor Ort da­zu füh­ren, dass die Pflan­ze mög­lichst nur so vie­le Nähr­stof­fe be­kommt, wie sie auch auf­neh­men kann.

Der Land­kreis kon­trol­liert zu­sam­men mit den Prüf­diens­ten der Land­wirt­schafts­kam­mer in Was­ser­schutz­ge­bie­ten, ob Land­wir­te ih­rer Auf­zeich­nungs­pflicht für Stick­stoff- und Phos­phor­zu­fuhr nach­kom­men und ob sie bei der Dün­gung auf ein Gleich­ge­wicht zwi­schen Nähr­stoff­be­darf und Nähr­stoff­zu­fuhr ach­ten.

Die Hoff­nun­gen von Wilcke lie­gen dar­auf, dass ein im März ge­grün­de­ter „Run­der Tisch Nähr­stof­fe Osnabrück“da­zu bei­trägt, die Ni­trat­wer­te lang­fris­tig zu sen­ken. Land­wir­te sol­len ler­nen, wie sie mit op­ti­mier­ter Tech­nik und bes­se­rer Aus­nut­zung von Nähr­stof­fen den Dün­ger­ein­satz ver­rin­gern kön­nen.

Wei­te­re Be­rich­te und Ana­ly­sen zum The­ma Land­wirt­schaft fin­den Sie im In­ter­net un­ter www.noz.de/ land­wirt­schaft

Fo­to: Micha­el Grün­del

Der land­wirt­schaft­li­che Dün­ger gilt als ei­ne der Haupt­ur­sa­chen für ho­he Ni­trat­wer­te im Grund­was­ser.

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