Im Schnitt 47 Ta­ge War­ten auf Steu­er­be­scheid

Um­fra­ge un­ter den Fi­nanz­äm­tern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Fin­den Sie auf noz.de/ge­sund­heit

Deut­sche Ar­beit­neh­mer müs­sen im Schnitt 47 Ta­ge war­ten, bis das Fi­nanz­amt ih­re Steu­er­er­klä­rung be­ar­bei­tet hat. „Wie schnell der Steu­er­be­scheid kommt, hängt vom Wohn­ort ab“, teil­te der Prä­si­dent des Steu­er­zah­ler­bun­des, Rei­ner Holz­na­gel, un­se­rer Re­dak­ti­on un­ter Hin­weis auf ei­ne ak­tu­el­le Er­he­bung mit. Wer in Ham­burg wohnt, wird da­nach am schnells­ten be­dient.

Der Steu­er­zah­ler­bund hat die Fi­nanz­ver­wal­tun­gen in al­len 16 Bun­des­län­dern ab­ge­fragt und be­zog sich auf die Steu­er­er­klä­rung, die die Ar­beit­neh­mer 2016 ab­ge­ge­ben ha­ben. Das Ge­samt­er­geb­nis: Ham­burgs Fi­nanz­be­am­te brauch­ten durch­schnitt­lich nur 36 Ta­ge für die Be­ar­bei­tung von Ein­kom­men­steu­er­er­klä­run­gen. Die Kol­le­gen in Bre­men be­nö­tig­ten da­ge­gen fast 65 Ta­ge.

230 Pfle­ge­diens­te ste­hen im Ver­dacht, bei der Abrech­nung von Leis­tun­gen sys­te­ma­tisch be­tro­gen zu ha­ben. Auf­fäl­lig vie­le Be­schul­dig­te spre­chen Rus­sisch.

BER­LIN. Rund 230 rus­sisch-eu­ra­si­sche am­bu­lan­te Pfle­ge­diens­te ste­hen nach Er­kennt­nis­sen deut­scher Si­cher­heits­be­hör­den im Ver­dacht, ein bun­des­wei­tes Sys­tem für Abrech­nungs­be­trug auf­ge­baut zu ha­ben. Das geht aus dem Ab­schluss­be­richt ei­ner Son­der­er­mitt­lungs­grup­pe von Bun­des­kri­mi­nal­amt und Lan­des­kri­mi­nal­amt NRW her­vor, der der „Welt“und dem Baye­ri­schen Rund­funk vor­liegt.

In dem in­ter­nen Be­richt ist die Re­de von teils bun­des­weit agie­ren­den Netz­wer­ken von Pfle­ge­diens­ten. Die­se wur­den laut Be­richt über­wie­gend von Ber­lin aus ge­steu­ert und ha­ben die Pfle­ge­kas­sen of­fen­bar um ho­he Sum­men be­tro­gen, in­dem sie ge­mein­sa­me Sa­che mit Pa­ti­en­ten, Ärz­ten und Apo­the­kern mach­ten und nicht er­brach­te Leis­tun­gen ab­rech­ne­ten. Re­gio­na­le Schwer­punk­te der Pfle­ge­ma­fia sind dem­nach NRW und Ber­lin, au­ßer­dem Nie­der­sach­sen, Bran­den­burg und Bay­ern. Gut zwei Drit­tel die­ser Ein­zel­un­ter­neh­men sind über Netz­wer­ke bun­des­weit mit­ein­an­der ver­bun­den.

Aus dem Ab­schluss­be­richt „Abrech­nungs­be­trug im Ge­sund­heits­we­sen durch rus­si­sche Pfle­ge­diens­te“geht zu­dem nach Me­di­en­an­ga­ben her­vor: Vie­le der be­schul­dig­ten am­bu­lan­ten Pfle­ge­diens­te und ih­re Be­trei­ber wa­ren zu­sätz­lich auch in an­de­re kri­mi­nel­le Ma­chen­schaf­ten ver­wi­ckelt, dar­un­ter Geld­wä­sche, Schutz­geld­zah­lun­gen und Glücks­spiel. Un­ter den ehe­ma­li­gen Fir­men­be­trei­bern Rus­si­scher Pfle­ge­dienst

sol­len sich auch Per­so­nen be­fin­den, die bei den Be­hör­den als Auf­trags­mör­der ver­däch­tigt wer­den.

„Welt“und „BR Re­cher­che“hat­ten be­reits im April ver­gan­ge­nen Jah­res über ei­ne ers­te all­ge­mei­ne BKA-Ana­ly­se über die­ses Kri­mi­na­li­tätsphä­no­men be­rich­tet. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te dar­auf­hin die Kran­ken­kas­sen durch ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung mit zu­sätz­li­chen Kon­troll­be­fug­nis­sen aus­ge­stat­tet. Bei ei­ner Raz­zia im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber wa­ren un­ter an­de­rem Waf­fen si­cher­ge­stellt wor­den.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) be­ton­te, dass der Ge­setz­ge­ber ge­nau auf­grund sol­cher Fäl­le die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich ver­schärft ha­be. Die­se müss­ten „kon­se­quent um­ge­setzt wer­den, um Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und ih­re Fa­mi­li­en vor be­trü­ge­ri­schen Ma­chen­schaf­ten bes­ser zu

schüt­zen“. Fer­ner soll­ten die Bun­des­län­der prü­fen, in­wie­fern Schwer­punkt-Staats­an­walt­schaf­ten für das So­zi­al­recht hel­fen kön­nen, die Auf­klä­rung zu ver­bes­sern. Nach den Wor­ten des Pfle­ge­be­voll­mäch­tig­ten der Bun­des­re­gie­rung, Karl Jo­sef Lau­mann (CDU), zei­gen die Er­mitt­lungs­er­fol­ge, dass die Ge­set­zes­ver­schär­fung grei­fe. In der Pfle­ge ge­he es dar­um, ei­nen Mit­tel­weg zwi­schen not­wen­di­ger Kon­trol­le und Ver­trau­en in Fa­mi­li­en und Pfle­ge­diens­te zu fin­den, sag­te er dem SWR.

Die Deut­sche Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz kri­ti­sier­te da­ge­gen zu la­sche Kon­trol­len. „Wenn Iden­ti­tä­ten der An­trag­stel­ler nicht über­prüft wer­den, ist es nicht ver­wun­der­lich, dass ei­ne Per­son mehr­fach un­ter wech­seln­den Na­men Pfle­ge­leis­tun­gen er­hält. Das ist na­iv und ver­stößt ge­gen gel­ten­des Recht“, sag­te Vor­stand Eu­gen Brysch. „Wir brau­chen ei­nen ho­hen Er­mitt­lungs­druck, um den Be­trü­gern auf die Sch­li­che zu kom­men.“Bund und Län­der hät­ten im­mer noch kei­ne Schwer­punkt-Staats­an­walt­schaf­ten ge­bil­det, kri­ti­sier­te er.

Auch aus der SPD kam der Ruf nach spe­zi­el­len Er­mitt­lern. Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Karl Lau­ter­bach, sag­te der „Mit­tel­deut­schen Zei­tung“: „Weil es sich um or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät han­delt, brau­chen wir Schwer­punkt-Staats­an­walt­schaf­ten.“

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Ka­ri­ka­tur: Klaus Stuttmann

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