Ran­da­le bei Re­gens­bur­ger Tri­umph

BVB trennt sich von Trai­ner Tu­chel – „Kei­ne Grund­la­ge für Zu­sam­men­ar­beit“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Un­ter skan­da­lö­sen Um­stän­den ist Au­ßen­sei­ter Jahn Re­gens­burg mit ei­nem 2:0-Sieg bei 1860 Mün­chen in die 2. Bun­des­li­ga auf­ge­stie­gen. Vor 62200 Fans in der Al­li­anz-Are­na setz­te es ei­ne ver­dien­te Nie­der­la­ge. Nach 24 Jah­ren sind die „Lö­wen“wie­der dritt­klas­sig. Der Ver­ein ist un­ter dem jor­da­ni­schen In­ves­tor Ha­san Is­ma­ik am Tief­punkt an­ge­langt. Schieds­rich­ter Sie­bert (Ber­lin) muss­te die Be­geg­nung nach 80 Spiel­mi­nu­ten un­ter­bre­chen, weil ran­da­lie­ren­de Fans aus dem 1860-Block Ge­gen­stän­de auf das Spiel­feld war­fen. Po­li­zei­kräf­te lie­fen auf. Nach der Böl­ler-Atta­cke, Hass-Ge­sän­gen und Chao­ten auf dem Ra­sen bei der Nie­der­la­ge von Ein­tracht Braun­schweig am Tag zu­vor ge­gen den VfL Wolfs­burg war es der zwei­te Zwi­schen­fall in­ner­halb von 24 St­un­den. Am Di­ens­tag trenn­te sich Bo­rus­sia Dort­mund von Trai­ner Tho­mas Tu­chel. Die mo­na­te­lan­gen Dif­fe­ren­zen wa­ren nicht mehr aus­zu­räu­men. Ein Nach­fol­ger wird noch ge­sucht.

Kei­ne ech­te Über­ra­schung: Bo­rus­sia Dort­mund und Tho­mas Tu­chel tren­nen sich. Die mo­na­te­lan­gen Dif­fe­ren­zen sind of­fen­sicht­lich nicht aus­zu­räu­men. Ein Nach­fol­ger wird noch ge­sucht.

Von Wil­fried Spren­ger

Am En­de ei­ner völ­lig zer­rüt­te­ten Be­zie­hung wur­de Tho­mas Tu­chel noch ein­mal selbst in­itia­tiv. Auf ei­nem of­fen­bar ei­gens für die­sen Zweck in­stal­lier­ten Twit­ter-Pro­fil be­dank­te sich der Trai­ner von Bo­rus­sia Dort­mund am Di­ens­tag­mit­tag bei „Fans, Mann­schaft, Staff und al­len an­de­ren Un­ter­stüt­zern“für „zwei schö­ne, er­eig­nis­rei­che und span­nen­de Jah­re“. Als der BVB die Tren­nung deut­lich spä­ter of­fi­zi­ell ver­mel­de­te, wa­ren die Ka­nä­le in den so­zia­len Me­di­en längst heiß ge­lau­fen. Ein letz­ter Na­del­stich des Ge­feu­er­ten, ein klei­ner, höchst zwei­fel­haf­ter Punkt­sieg.

Die Dort­mun­der Füh­rungs­rie­ge um Hans-Joa­chim Watz­ke wird nicht er­freut ge­we­sen sein über die Wel­le, die ihr nach Tu­chels Stoß im Netz ent­ge­gen­roll­te. Ei­ner schrieb von „Schal­ker Ver­hält­nis­sen“– tat­säch­lich be­schäf­tig­te der Re­vierNach­bar seit dem 1. Ju­li 2008 neun Trai­ner, im­mer neue Tur­bu­len­zen in­klu­si­ve. Beim BVB hat­ten im be­schrie­be­nen Zei­t­raum nur zwei Fuß­ball-Leh­rer das Sa­gen: Jür­gen Klopp, der volks­na­he Lieb­ling der Mas­sen, und jetzt Tu­chel, der un­beug­sa­me, ei­gen­wil­li­ge und zu­letzt of­fen­bar ziem­lich iso­lier­te Stra­te­ge. Klopp ging nach sie­ben Jah­ren vor­zei­tig im Ein­ver­neh­men mit den Club-Obe­ren und aus sport­li­chen Grün­den. Tu­chel muss sich nach nur zwei Spiel­zei­ten ei­ne neue Blei­be su­chen. Un­frei­wil­lig.

Zu ei­nem Nach­fol­ger, der schnell ge­fun­den wer­den

muss, woll­te sich der BVB nicht äu­ßern. Ob der seit ei­ni­ger Zeit ge­han­del­te Lu­ci­en Fav­re wirk­lich ers­ter An­wär­ter ist, bleibt of­fen. Ein wei­te­rer Kan­di­dat könn­te der frü­he­re BVB-Spie­ler Pau­lo Sou­sa sein. Der por­tu­gie­si­sche Trai­ner des AC Flo­renz ge­wann 1997 mit den Dort­mun­dern als Spie­ler die Cham­pi­ons Le­ague.

Kein Au­ßen­ste­hen­der weiß, wann die Ent­frem­dung wirk­lich be­gann. Es muss ein Pro­zess mit zu­neh­men­der Dy­na­mik ge­we­sen sein. Watz­ke hat­te vor dem Po­kal­sieg am Wo­che­n­en­de noch be­tont, dass man sich in den Ta­gen da­nach zu ei­ner Ana­ly­se tref­fen und dann die Zu­kunfts­ent­schei­dung fäl­len wer­de. Tat­säch­lich

wa­ren die Din­ge längst in tro­cke­nen Tü­chern. Nur in Kennt­nis des­sen kann es Mar­cel Schmel­zer, ei­ner der eher farb­los-schüch­ter­nen Ka­pi­tä­ne der Bran­che, ge­wagt ha­ben, den Coach nach der Nicht-Be­rück­sich­ti­gung von Nu­ri Sa­hin im Cup-End­spiel öf­fent­lich an­zu­zäh­len und bloß­zu­stel­len. Was ei­gent­lich ei­ne ziem­li­che Bös­ar­tig­keit war und un­ter nor­ma­len Um­stän­den ei­ne Ab­mah­nung zur Fol­ge ge­habt hät­te.

Nicht nur durch den sport­li­chen Er­folg, son­dern auch durch sein Ma­nage­ment in den Ta­gen nach dem An­schlag auf den Te­am­bus und da­mit das Le­ben der Fuß­ball-Pro­fis hat­te Tu­chel in der An­hän­ger­schaft des Clubs zu­letzt vie­le Punk­te ge­sam­melt. Watz­ke und sei­ne Mit­strei­ter sa­hen im Ver­gleich nicht im­mer gut aus und manch­mal so­gar rich­tig schlecht. Ver­mut­lich hiel­ten sie mit ge­ball­ten Fäus­ten in den Ta­schen die Fü­ße still, um ei­ne öf­fent­li­che Es­ka­la­ti­on zu ver­hin­dern.

Nur we­ni­ge St­un­den nach der für den BVB teu­ren Scheidung be­gan­nen in der Zen­tra­le am Rhein­land­damm die Auf­räum­ar­bei­ten. In ei­nem of­fe­nen Brief, ver­öf­fent­licht auf der Home­page des Clubs, wand­te sich Watz­ke an Mit­glie­der und Fans. Er dank­te dem Trai­ner für die ge­leis­te­te Ar­beit, zeig­te Ver­ständ­nis für die Kri­tik an des­sen vor­zei­ti­ger Ent­las­sung und ging dann in die Of­fen­si­ve. Zu­min­dest ein biss­chen. „Es geht bei der Wahr­neh­mung von Füh­rungs­ver­ant­wor­tung nicht aus­schließ­lich um das Er­geb­nis. Es geht im­mer auch um grund­le­gen­de Wer­te wie Ver­trau­en, Re­spekt, Team- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit, um Au­then­ti­zi­tät und Iden­ti­fi­ka­ti­on. Es geht um Ver­läss­lich­keit und Loya­li­tät. Wir ha­ben lei­der kei­ne Grund­la­ge mehr für ei­ne auf Ver­trau­en aus­ge­leg­te und per­spek­ti­visch er­folg­rei­che Zu­sam­men­ar­beit ge­se­hen“, schrieb Watz­ke un­miss­ver­ständ­lich.

Der BVB hat­te an die­sem Tag nicht das ers­te Wort, aber das letz­te.

Tu­chel muss ge­hen: Mehr zur Trai­ner­ent­las­sung beim BVB und ein Kom­men­tar auf noz.de./Fuß­ball

Ge­trenn­te We­ge: Der BVB und Tho­mas Tu­chel be­en­den ih­re Zu­sam­men­ar­beit. Fo­to: dpa

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