Wer­te und Nor­men an Grund­schu­len

Test an zehn Grund­schu­len – Je­des vier­te Kind oh­ne Re­li­gi­on – Grü­ne wol­len mehr

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Nie­der­sach­sen er­wägt die Ein­füh­rung ei­nes neu­en Fachs in sei­nen Grund­schu­len. Die Bil­dungs­mi­nis­te­rin re­agiert so auf ei­nen Trend. Zu­nächst soll es ei­nen ein­jäh­ri­gen Test­lauf an ei­nem knap­pen Dut­zend Ein­rich­tun­gen ge­ben.

Nie­der­sach­sen fasst ei­ne Aus­wei­tung des Schul­fachs Wer­te und Nor­men auf Grund­schu­len ins Au­ge. Die Al­ter­na­ti­ve zum kon­fes­sio­nel­len Re­li­gi­ons­un­ter­richt soll zu­nächst ein Jahr lang ge­tes­tet wer­den.

Von Klaus Wie­sche­mey­er

Das Land Nie­der­sach­sen star­tet im kom­men­den Schul­jahr ei­nen Test­lauf für Wer­te und Nor­men an Grund­schu­len. Das kün­dig­te Kul­tus­mi­nis­te­rin Frau­ke Hei­li­gen­stadt (SPD) an. Bis­her wird das Fach erst ab Jahr­gang 5 un­ter­rich­tet – und zwar als Al­ter­na­ti­ve zum Re­li­gi­ons­un­ter­richt. „Wir ver­neh­men ver­mehrt den Wunsch von El­tern nach ei­nem Al­ter­na­tiv­fach für Grund­schü­le­rin­nen und Grund­schü­ler, die nicht an ei­nem be­kennt­nis­ori­en­tier­ten kon­fes­sio­nel­len Un­ter­richt teil­neh­men wol­len“, be­grün­de­te Hei­li­gen­stadt die Initia­ti­ve. „Der of­fe­ne Dia­log über Fra­gen des Glau­bens und Nicht­glau­bens muss ge­führt wer­den“, sag­te sie.

Tat­säch­lich sind et­wa ein Vier­tel der Grund­schul­kin­der an den rund 1800 nie­der­säch­si­schen

Grund­schu­len oh­ne Re­li­gi­on: Im Schul­jahr 2015/2016 wa­ren von 278 000 Schü­lern rund 72 800 re­li­gi­ons­los. 123500 wa­ren evan­ge­lisch, 46 900 ka­tho­lisch und 21 000 is­la­misch.

Die evan­ge­li­sche und die ka­tho­li­sche Kir­che be­grüß­ten die Initia­ti­ve eben­so wie der Lan­des­el­tern­rat, der seit Jah­ren ei­ne sol­che Re­form for­dert. „Wir be­ja­hen den Schul­ver­such“, er­klär­te die

evan­ge­li­sche Ober­lan­des­kir­chen­rä­tin Kerstin Gäf­genTrack. „Wir sind der Auf­fas­sung, dass je­des Kind ein Recht auf wert­ori­en­tier­te Bil­dung hat“, sag­te der Lei­ter des Ka­tho­li­schen Bü­ros Nie­der­sach­sen, Fe­lix Ber­nard. Sor­ge, dass das neue Fach dem an­ge­stamm­ten Re­li­gi­ons­un­ter­richt das Was­ser ab­gräbt, hat der ehe­ma­li­ge Re­li­gi­ons­leh­rer nicht: „Der Re­li­gi­ons­un­ter­richt ist be­lieb­ter, als man denkt“, sag­te Ber­nard ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on.

Auch Hei­li­gen­stadt be­ton­te aus­drück­lich, dass das neue Fach le­dig­lich als Al­ter­na­ti­ve und nicht als Er­satz des bis­he­ri­gen Re­li­gi­ons­un­ter­richts ge­dacht sei.

Die Grü­nen se­hen das an­ders: Der schul­po­li­ti­sche Spre­cher der Frak­ti­on, Hei­ner Scho­ling, for­der­te die Auf­he­bung der Kon­fes­si­ons­gren­zen. „Per­spek­ti­visch wol­len wir ei­nen kon­fes­si­ons­über­grei­fen­den Un­ter­richt, an dem so­wohl Kin­der al­ler Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten als auch kon­fes­si­ons­lo­se Kin­der ge­mein­sam teil­neh­men kön­nen“, er­klär­te er.

Der FDP ist der Test zu halb­her­zig. „Ent­we­der man führt das Fach ein, oder man lässt es“, sag­te Frak­ti­ons­bil­dungs­ex­per­te Björn Förs­ter­ling. An­de­re Bun­des­län­der sei­en längst viel wei­ter. Tat­säch­lich bie­ten Bay­ern, Rhein­land-Pfalz und vier ost­deut­sche Bun­des­län­der mit Eh­tik ein ähn­li­ches Fach an.

Hei­li­gen­stadt zeig­te Sym­pa­thie für ei­ne flä­chen­de­cken­de Ein­füh­rung. Sie ver­wies aber dar­auf, dass da­für erst Stu­di­en­gän­ge und Lehr­plä­ne her­müss­ten. „Prä­des­ti­niert“für ei­ne sol­che Aus­bil­dung kön­ne Ol­den­burg sein, sag­te die Mi­nis­te­rin. Der Test soll zu­nächst mit Leh­rern be­strit­ten wer­den, die ei­ne Se­kund­ar­be­reichs­qua­li­fi­ka­ti­on für das Fach ha­ben. Wer­te und Nor­men soll ein mo­ra­lisch-ethi­scher Weg­wei­ser fürs ge­sell­schaft­li­che Mit­ein­an­der sein.

Kir­chen­the­men fin­den Sie auch im In­ter­net auf noz.de/kir­che

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.