Archäo­lo­ge Zehm geht in Ru­he­stand

Bo­do Zehm be­gann vor 36 Jah­ren archäo­lo­gi­sche Gra­bun­gen und will auch mit 65 Jah­ren nicht auf­hö­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Je­an-Charles Fays Mehr Bil­der fin­den Sie auf www.noz.de/ os­nabru­eck

Der Stadt- und Kreis­ar­chäo­lo­ge Bo­do Zehm geht 36 Jah­re nach den ers­ten ar­chäo­lo­gi­schen Gra­bun­gen für die Re­gi­on in den Ru­he­stand. Er will sich künf­tig der Me­ga­lith­kul­tur und da­mit den äl­tes­ten Kul­tur­denk­mä­lern Eu­ro­pas wid­men.

Der Chef-Archäo­lo­ge für Stadt und Land­kreis Os­na­brück, Bo­do Zehm, geht 36 Jah­re nach sei­nen ers­ten ar­chäo­lo­gi­schen Gra­bun­gen heu­te in den Ru­he­stand. Der 65-Jäh­ri­ge will sich aber wei­ter­hin um die Me­ga­lith­kul­tur küm­mern, weil ihm die bis zu 5000 Jah­re al­ten Groß­stein­grä­ber so im­po­nie­ren.

OS­NA­BRÜCK/OSTERCAPPELN. Den Ruhm über­ließ Zehm ger­ne an­de­ren. Wäh­rend sein Vor­gän­ger als Lei­ter der Stadt- und Kreis­ar­chäo­lo­gie, Wolf­gang Schlü­ter, sich laut Zehm seit An­fang der 90er-Jah­re vor­wie­gend um die spek­ta­ku­lä­ren Fun­de in Kal­k­rie­se als Stät­te der Va­rus­schlacht küm­mer­te, „war ich für al­les an­de­re zu­stän­dig“, er­klärt er.

Al­ler­dings hat Zehm nicht nur Grund­la­gen­ar­beit ge­macht. Nicht oh­ne Grund wählt er als die für ihn per­sön­lich be­deu­tends­te archäo­lo­gi­sche Stät­te die Schnip­pen­burg in Ostercappeln-Sch­wags­torf aus. „Was für vie­le Stone­henge als Bau­werk aus der St­ein­zeit ist, ist für mich die Schnip­pen­burg als Denk­mal der kel­ti­schen Kul­tur“, er­klärt Zehm. Al­ler­dings sind nur noch Kon­tu­ren in ei­nem Wald­stück zu se­hen, die auf ei­ne Burg hin­deu­ten. Die ers­te wis­sen­schaft­li­che Be­trach­tung der Schnip­pen­burg be­gann Zehm be­reits 1983. Bei den durch­ge­führ­ten Gra­bun­gen wur­de Holz­koh­le­ma­te­ri­al für ei­ne C14-Da­tie­rung ent­nom­men. So wur­de nach­ge­wie­sen, dass die Burg­an­la­ge um 120 vor Chris­tus ab­ge­brannt ist. „Dass die Burg et­was mit der kel­ti­schen Kul­tur zu tun hat­te, wuss­ten wir da­mals noch nicht“, er­klärt der 65Jäh­ri­ge. 1999 gab Zehm ei­nem Son­den­gän­ger den wert­vol­len Tipp, in dem Ge­biet zu for­schen. So ent­deck­te er reich­lich Ma­te­ri­al wie et­wa Op­fer­de­po­nie­run­gen, die dar­auf hin­wie­sen, dass es sich um ei­nen kul­ti­schen Ort han­delt,

der in Ver­bin­dung mit der kel­ti­schen Kul­tur steht.

Zehm trieb stets die Ent­de­cker­lust an. „Für mich ist die Archäo­lo­gie das Fens­ter in die Ver­gan­gen­heit. Das an­schau­li­che Er­le­ben der Ver­gan­gen­heit ist für mich da­bei wich­ti­ger als das theo­re­ti­sche Er­le­ben.“Un­ge­wöhn­lich ist Zehms Weg in die Archäo­lo­gie. Schließ­lich hat­te er Er­zie­hungs- und Me­di­en­wis­sen­schaf­ten an der Uni Os­na­brück stu­diert und zu­nächst von 1979 bis 1981 als Mu­se­ums­päd­ago­ge ge­ar­bei­tet. „Ich ha­be mir die Archäo­lo­gie aus der Pra­xis her­aus an­ge­eig­net. Mein Vor­teil war das gro­ße In­ter­es­se an Er­fas­sungs­und Darstel­lungs­mög­lich­kei­ten.“Bei sei­nen ers­ten Aus­gra­bun­gen als Gra­bungs­hel­fer merk­te er, wie sehr ihn die­se Pro­fes­si­on fas­zi­nier­te. Des­halb bot er dem da­ma­li­gen Chef-Archäo­lo­gen für die Re­gi­on, Wolf­gang Schlü­ter, an, noch ein­mal Archäo­lo­gie zu stu­die­ren, doch die­ser er­wi­der­te: „Das las­sen Sie mal lie­ber. Das ma­chen wir schon so.“Oh­ne Hoch­schul­ab­schluss und Pro­mo­ti­on sei ein sol­cher Job gar nicht mehr mög­lich.

Axel Frie­de­richs, der seit 14 Jah­ren sein Stell­ver­tre­ter ist und ab dem 1. Ju­ni in Zehms Fuß­stap­fen tritt, hat­te et­wa in Göt­tin­gen Archäo­lo­gie stu­diert und muss­te den­noch in Kauf neh­men, dass er in der Stadt- und Kreis­ar­chäo­lo­gie bis­lang nur ei­ne hal­be Stel­le be­kom­men konn­te.

Zehm wird der Archäo­lo­gie auch im Ru­he­stand noch wei­ter ver­bun­den blei­ben. „Die Me­ga­lith­kul­tur ist wei­ter mein Pro­jekt“, be­tont er. Der Archäo­lo­ge will es sich zur Auf­ga­be ma­chen, auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne ei­nen Weg zu fin­den, die bis zu 5000 Jah­re al­ten Groß­stein­grä­ber als kul­tu­rel­les Er­be zu er­hal­ten und die Wert­schät­zung die­ser St­ein­grä­ber zu för­dern. Er hebt her­vor: „Es sind die äl­tes­ten sicht­ba­ren Kul­tur­denk­mä­ler Eu­ro­pas.“Sie sei­en lan­ge vor den Py­ra­mi­den von Gi­zeh er­rich­tet wor­den und mar­kier­ten ei­ne Zei­ten­wen­de: Sie sym­bo­li­sie­ren, dass Jä­ger und Samm­ler sich sess­haft mach­ten und die bäu­er­li­che Kul­tur be­grün­de­ten, die den Nord­wes­ten bis heu­te prägt. Um die­se gro­ße Be­deu­tung zu wür­di­gen, möch­te Zehm nun neue Ver­mitt­lungs­for­men für die­se Ge­schich­te in in­ter­na­tio­na­len Netz­wer­ken ent­wi­ckeln.

Als ei­nen wich­ti­gen Schritt be­zeich­net er, dass die „Stra­ße der Me­ga­lith­kul­tur“im We­ser-Ems-Ge­biet sich seit 2013 be­reits als „Kul­tur­weg des Eu­ro­pa­rats“be­zeich­nen darf. Die aus­ge­schil­der­te „Stra­ße der Me­ga­lith­kul­tur“ zieht sich seit 2008 über ei­ne Stre­cke von 330 Ki­lo­me­tern durch die We­ser-Ems-Re­gi­on und ver­bin­det 33 Ein­zel­sta­tio­nen mit Groß­stein­grä­bern aus der Jungstein­zeit oder mit bron­ze- und ei­sen­zeit­li­chen Gr­ab­hü­gel­grup­pen. In der Re­gi­on sind die äl­tes­ten sicht­ba­ren Kul­tur­denk­mä­ler im Ge­biet von Os­na­brück, Ostercappeln, Belm-Vehr­te, Wal­len­horst, Bram­sche, An­kum, Ber­ge, Bip­pen und Fürs­ten­au zu fin­den.

Bo­do Zehm will da­für sor­gen, dass sie noch sicht­ba­rer und be­kann­ter wer­den. Auch wenn er als Chef-Archäo­lo­ge aus­schei­det, sei­ne Mis­si­on ist noch nicht be­en­det.

„Für mich ist die Archäo­lo­gie das Fens­ter in die Ver­gan­gen­heit“Bo­do Zehm, Lei­ter der Archäo­lo­gie

Der Chef-Archäo­lo­ge für Stadt und Land­kreis Os­na­brück, Bo­do Zehm, geht 36 Jah­re nach den ers­ten ar­chäo­lo­gi­schen Gra­bun­gen heu­te in den Ru­he­stand. Sei­ne Mis­si­on ist da­mit aber noch nicht be­en­det, weil er sich „den äl­tes­ten sicht­ba­ren Kul­tur­denk­mä­lern Eu­ro­pas“wid­men will. Fo­to: Da­vid Ebener

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