„Küs­ten­bar­bie“wird Lan­des­mut­ter

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke -

Von Max-Stefan Kos­lik

Bis vor­ges­tern hat­ten Er­win Sel­le­ring und Ma­nue­la Schwe­sig das Wahl­jahr 2021 für die Staf­fel­stabüber­ga­be im Blick. Nun macht ih­nen das Le­ben ei­nen Strich durch die Rech­nung. Erst vor zwei Wo­chen war Schwe­sig von ih­rer Par­tei zur Spit­zen­kan­di­da­tin der Lan­des-SPD für die Bun­des­tags­wahl ge­wählt wor­den. Sel­le­rings schwe­res Schick­sal trifft sie im be­gin­nen­den Wahl­kampf. Das ist wie ei­ne Voll­brem­sung auf der Au­to­bahn. Aber den Zeit­punkt konn­te sich kei­ner von bei­den aus­su­chen. „Für mich war im­mer klar, dass ich ir­gend­wann nach Schwe­rin zu­rück­kom­me“, sagt Schwe­sig, de­ren klei­ne Toch­ter erst im März ein Jahr alt wur­de, un­se­rer Zei­tung, „aber nicht un­ter die­sen schlim­men Um­stän­den“.

Noch weiß in der SPD nie­mand, wie der Wech­sel an der Spit­ze der Lan­des­lis­te zur Bun­des­tags­wahl ge­nau von­stat­ten­ge­hen kann. Ges­tern tag­te die Land­tags­frak­ti­on, die in emo­tio­na­ler Stim­mung Sel­le­ring für sei­ne Ar­beit dank­te und Schwe­sig no­mi­nier­te. Die­se sag­te hin­ter­her: „Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger kön­nen sich in die­ser Si­tua­ti­on auf mich ver­las­sen.“Dem West­fa­len Sel­le­ring folgt wie­der ein Ost­ge­wächs an der Lan­des­spit­ze.

An­fangs höl­zern

Für Schwe­sig ist es zum wie­der­hol­ten Ma­le ein Per­spek­tiv­wech­sel in ih­rer po­li­ti­schen Kar­rie­re, die sie vom Ein­tritt in die SPD 2003 zur stell­ver­tre­ten­den Bun­des­vor­sit­zen­den 2009, zur Bun­des­mi­nis­te­rin 2013 und jetzt vor­aus­sicht­lich zur Mi­nis­ter­prä­si­den­tin führt. Zur ak­tu­ell jüngs­ten Re­gie­rungs­che­fin in Deutsch­land – Schwe­sig wur­de erst am 23. Mai 43 Jah­re alt.

Sel­le­ring war es, der die Schwe­ri­ner Kom­mu­nal­po­li­ti­ke­rin im Herbst 2008 in sein Ka­bi­nett hol­te. Ihm ist sie per­sön­lich und po­li­tisch ver­bun­den. Ei­gent­lich war sie dem Re­gie­rungs­chef da­mals zu jung. „Viel­leicht 2016“, sin­nier­te er ein­mal in in­ter­ner Run­de. Da war sie noch Amts­rä­tin im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. Im Steu­er­recht kann­te sie sich aus. Tro­cke­ne Ma­te­rie. Agier­te sie an­fangs noch höl­zern, be­herrscht sie in­zwi­schen die Kla­via­tur der Me­di­en, ist Lieb­ling von „Bild“, schreibt mit Ma­ria Furt­wäng­ler Gast­bei­trä­ge zum Frau­en­tag.

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