Den Dschun­gel lich­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Ak­tu­el­les@noz.de

Der Auf­tritt von Je­anClau­de Juncker vor dem Un­ter­su­chungs­aus­schuss des EU-Par­la­men­tes war er­nüch­ternd. Zum ei­nen des­halb, weil sich im­mer noch zu vie­le der Ab­ge­ord­ne­ten in der Rol­le der An­klä­ger ge­fal­len, die den Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten nur all­zu ger­ne als Mit­tä­ter brand­mar­ken wür­den. Schließ­lich war er ja Pre­mier und Fi­nanz­mi­nis­ter im Groß­her­zog­tum, als ein Teil

der De­als zur Steu­er­ver­mei­dung ein­ge­fä­delt wur­de.

Aber ge­nau die­ser Ver­such macht blind für die ei­gent­li­che Bot­schaft Junckers, die er an die­sem Di­ens­tag deut­li­cher als je zu­vor mach­te: Noch rei­chen die ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se nicht, um zu sa­gen, wer da in wel­chen Mit­glied­staa­ten Steu­er­ge­schen­ke ver­sprach oder gar an­ord­ne­te – oder wer die Ver­ant­wor­tung für Min­der­ein­nah­men der Staa­ten in Hö­he von 70 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr trägt.

Es geht um ei­ne Pra­xis, die den Steu­er­zah­ler eben­so be­trügt wie die ehr­li­chen Be­trie­be, die nicht groß ge­nug für ei­ne grenz­über­schrei­ten­de Struk­tur sind und des­halb bes­ser über­wacht wer­den kön­nen. Juncker zu ja­gen mag po­pu­lär sein, aber es hilft nicht, den Dschun­gel zu lich­ten. Nicht we­ni­ger ist aber not­wen­dig, wenn man die Prak­ti­ken der Steu­er­ver­mei­dung und des Be­trugs be­kämp­fen will. Viel­leicht wird ir­gend­wann klar, dass man da­zu die Brüs­se­ler Kom­mis­si­on nicht als Geg­ner, son­dern als Ver­bün­de­te braucht.

Von Det­lef Dre­wes

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