Aldi löst Em­pö­rung mit Bil­lig­fleisch aus

1,99 Eu­ro für 600 Gramm Na­ckensteaks: Hef­ti­ge Kri­tik an Dis­coun­ter im In­ter­net

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Von Chris­ti­an Lang

Für die Prei­se sei­nes Grill­fleischs ern­tet der Dis­coun­ter Aldi der­zeit Em­pö­rung in den so­zia­len Netz­wer­ken. Vor ei­ni­gen Ta­gen hat­te Aldi-Süd ei­ne 600Gramm-Pa­ckung mit Na­ckensteaks im An­ge­bot. Der Preis da­für: 1,99 Eu­ro.

Ein Face­book-Nut­zer echauf­fier­te sich über die­sen aus sei­ner Sicht zu nied­ri­gen Preis. Er schrieb Aldi öf­fent­lich an. „Wenn man die Ma­ri­na­de, die Plas­tik­ver­pa­ckung und die Tam­po­na­ge, den Trans­port und die sons­ti­gen Lo­gis­tik- und Di­enst­leis­tungs­kos­ten al­ler am Pro­dukt Be­tei­lig­ten – vom Bau­ern über den Schlacht­hof bis hin zum Ver­kaufs­per­so­nal im La­den – ab­zieht und dann noch be­rück­sich­tigt, dass Ihr bei der gan­zen Ge­schich­te si­cher­lich nicht drauf­legt, son­dern am En­de auch noch ei­ne Mar­ge üb­rig bleibt, kann man sich in et­wa aus­rech­nen, was bei Euch das Fleisch ,wert‘ ist, das am En­de auf dem Tel­ler liegt“, schrieb der Face­book-Nut­zer.

Von ei­nem preis­wer­ten Pro­dukt kön­ne da­bei kei­ne Re­de sein. „Das ist ein­fach nur bil­ligs­ter Dreck, für des­sen Pro­duk­ti­on al­les und je­der bis zum An­schlag aus­ge­beu­tet wur­de – am meis­ten die, die sich am we­nigs­ten weh­ren kön­nen: die Tie­re“, schrieb er in dem Ein­trag wei­ter. Das Ver­hal­ten des Dis­coun­ters kön­ne man mit nur ei­nem Wort be­schrei­ben: krank. Es sei zu­dem ver­ant­wor­tungs­los, dass Aldi sei­ne Markt­po­si­ti­on nicht da­zu nut­ze, „um mit gu­tem Bei­spiel vor­an­zu­ge­hen und die Zu­stän­de po­si­tiv zu ver­än­dern“. Statt­des­sen wür­den die Prei­se durch sol­che An­ge­bo­te wei­ter ge­drückt.

Der Bei­trag des Man­nes hat in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ho­he Wel­len ge­schla­gen. Mehr als 3000-mal wur­de er be­reits von an­de­ren Nut­zern kom­men­tiert, zu­dem rund 15000-mal ge­teilt. Vie­le tei­len die Auf­fas­sung des Nut­zers.

Zu­nächst hat­te Aldi den Bei­trag des Man­nes auf Face­book ver­bor­gen, weil er an­geb­lich ge­gen die Ne­ti­quet­te des Un­ter­neh­mens ver­stieß. Die­sen Schritt mach­te der Dis­coun­ter al­ler­dings kur­ze Zeit spä­ter rück­gän­gig.

Ver­weis auf neu­es La­bel

Zu­dem äu­ßer­te Aldi sich zu den Vor­wür­fen des Nut­zers. „Wir wis­sen, dass wir als ei­ner der füh­ren­den Dis­coun­ter die Auf­ga­be ha­ben, ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men“, schreibt Aldi Süd in der Stel­lung­nah­me. Wei­ter heißt es: „Mit un­se­rem En­ga­ge­ment in der bran­chen­über­grei­fen­den, frei­wil­li­gen Initia­ti­ve Tier­wohl set­zen wir uns für die För­de­rung ei­ner tier­art­ge­rech­ten und nach­hal­ti­gen Flei­scher­zeu­gung ein.“

Doch die Kri­tik hält an – un­ter an­de­rem auch des­halb, weil Aldi rund an­dert­halb Wo­chen ver­strei­chen ließ, ehe der Dis­coun­ter auf die Be­schwer­de ant­wor­te­te. Auch an der Initia­ti­ve Tier­wohl, auf die sich Aldi be­ruft, las­sen die Face­book-Nut­zer kein gu­tes Haar. „Sor­ry Aldi. Aber das La­bel ist doch nur Au­gen­wi­sche­rei“, schreibt ein Nut­zer.

Mitt­ler­wei­le hat sich auch der Deut­sche Tier­schutz­bund zu dem Bil­lig­an­ge­bot ge­äu­ßert. „Ein Na­ckensteak für 1,99 Eu­ro re­du­ziert das Tier auf Ram­schni­veau. Wer das mit Leis­tun­gen im Rah­men der Initia­ti­ve Tier­wohl zu ver­tei­di­gen ver­sucht, ent­larvt die­se Bran­chen­lö­sung als das, was es ist: Ver­brau­cher­täu­schung [...]“, wird Prä­si­dent Tho­mas Schrö­der in ei­ner Mit­tei­lung zi­tiert.

Den­noch kri­ti­sie­ren nicht al­le Nut­zer Aldi. Ei­ni­ge be­to­nen, dass es eben Nach­fra­ge für Fleisch zu die­sem Preis ge­be, die Aldi be­die­ne. Die Ver­brau­cher sei­en in der Ver­ant­wor­tung. Sie könn­ten im­mer­hin selbst be­stim­men, was sie kauf­ten und was nicht.

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