Kör­per und Geist fit hal­ten

Im Met­tin­ger Köll­bach­tal das Ge­hirn in Schwung brin­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Von Ul­ri­ke Ha­ver­mey­er

Ab­schal­ten – und gleich­zei­tig ein­schal­ten? Wenn es um un­se­re Ge­hirn­leis­tung geht, da­von ist Ge­dächt­nis­trai­ne­rin Marita Wiel­a­ge-Bü­cker über­zeugt, funk­tio­niert das bes­tens. Wo Trai­ning zur Ent­span­nung und Ent­span­nung zum Trai­ning wird, bin ich ger­ne da­bei.

Um das Ge­hirn fit zu hal­ten, lädt die Met­tin­ger Lern­the­ra­peu­tin re­gel­mä­ßig zum „Brain­wal­king“ins Köll­bach­tal ein. Ich ha­be in der Zei­tung da­von ge­le­sen und bin neu­gie­rig ge­wor­den: Was ver­birgt sich wohl hin­ter die­sem Be­griff: Mit dem Ge­hirn spa­zie­ren ge­hen? Hört sich ver­traut und be­fremd­lich zu­gleich an.

„Den­ken und Be­we­gen in Ein­klang zu brin­gen, das ist gar nicht so ein­fach“, be­stä­tigt Marita Wiel­a­ge-Bü­cker das schein­ba­re Pa­ra­do­xon und ver­teilt – na­tür­lich zeit­gleich – bun­te Igel­bäl­le an uns. Au­ßer mir ha­ben sich noch rund ein Dut­zend Frau­en an­ge­mel­det, die ei­nem men­ta­len All-in­clu­si­ve-Gang eben­falls nicht ab­ge­neigt sind. Wäh­rend wir uns hü­ge­lauf­wärts un­ter dich­ten Laub­kro­nen auf den Weg ma­chen, er­klärt die 53-jäh­ri­ge Met­tin­ge­rin die ers­te Übung: Beim Kom­man­do „1“sol­len wir die klei­ne Gum­miku­gel zwi­schen bei­den Hän­den rei­ben. Das al­les, ver­steht sich, na­tür­lich in ei­nem flot­ten Wan­der­schritt. Bei „2“gilt es, den Ball in Hüft­hö­he mit bei­den Hän­den um den Kör­per her­um­zu­füh­ren. Bei „3“wird das Trai­nings­ob­jekt mit ei­nem Part­ner ge­tauscht. Er­tönt die „4“, sol­len wir den Ball vor

uns hoch­wer­fen und wie­der ein­fan­gen. Bei „5“den Ball zwi­schen den Hand­flä­chen knö­deln wie bei „1“, al­ler­dings im Rück­wärts­ge­hen. Marita Wiel­a­ge-Bü­cker nickt uns auf­mun­ternd zu: „1!“

Sich fünf ver­schie­de­ne Auf­ga­ben mal eben so auf die Schnel­le mer­ken? Gar nicht so ein­fach. Zum Glück nicht nur für mich… „4!“Vor, ne­ben und hin­ter mir wird ge­ki­chert. Die Stim­mung ist ge­löst. Wie war das noch? Je­mand drückt mir sei­nen Ball in die Hand. „Ach nee“, mur­melt mei­ne Mit­strei­te­rin und lacht auf, „das war ja bei 3!“Die ers­te Her­aus­for­de­rung hat es al­so schon mal in sich. Wäh­rend un­se­re Fü­ße sich be­mü­hen, uns oh­ne zu stol­pern über stei­ni­gen Grund und sich auf­wöl­ben­de Baum­wur­zeln zu tra­gen, hat un­ser Kopf buch­stäb­lich al­le Hän­de voll zu tun: Die Kom­man­dos zu­ord­nen und um­set­zen, den Ball ge­schickt grei­fen und wei­ter­rei­chen – hier sind Kon­zen­tra­ti­on, Ko­or­di­na­ti­on und Fein­mo­to­rik ge­fragt. „Beim Brain­wal­king lässt

sich das Ge­hirn auf sehr net­te Art und Wei­se in Schwung brin­gen“, sagt die Lern­the­ra­peu­tin – und hält be­reits die nächs­te Übung für uns be­reit: die Na­men der bis­he­ri­gen zwölf ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten über ei­ne lus­ti­ge Ge­schich­te mit un­se­rem Kör­per zu ver­bin­den.

Wäh­rend ne­ben uns der Köll­bach spru­delt und über uns die Rot­kehl­chen ih­ren Ge­sang durch das Laub der Bäu­me schmet­tern, ge­nie­ßen un­se­re grau­en Zel­len ein be­le­ben­des Bad im Jung­brun­nen, den Marita Wiel­a­ge-Bü­cker an­ge­nehm mit Rät­seln, Denk­sport­auf­ga­ben oder Esels­brü­cken und kurz­wei­li­gen Hand­lungs­mus­tern auf­füllt. Ins­ge­samt 14 Übun­gen be­glei­ten uns auf un­se­rem in­spi­rie­ren­den Wald­spa­zier­gang: Wir wer­fen und fan­gen, fin­den und er­fin­den, re­den, for­mu­lie­ren – und wir la­chen. Das lie­fert zu­sätz­li­che Mo­ti­va­ti­on, denn: „So­bald Stress auf­kommt, blo­ckiert das Ge­hirn oh­ne­hin.“

Ein sol­cher Stress, er­klärt Marita Wiel­a­ge-Bü­cker, müs­se nicht un­be­dingt als Zeitoder Leis­tungs­druck da­her­kom­men, son­dern tre­te – so­wohl zu Hau­se wie auch im Bü­ro oder in der Schu­le – oft als Flüs­sig­keits­man­gel auf. „Trin­ken Sie am Tag zwi­schen ein­ein­halb und zwei­ein­halb Li­ter Flüs­sig­keit in Form von Was­ser, Frucht­säf­ten oder Tee“, rät die Trai­ne­rin, „sonst kann ihr Ge­hirn nicht ver­nünf­tig ar­bei­ten.“

Am En­de des Par­cours gießt die Met­tin­ge­rin des­halb je­der von uns ein or­dent­li­ches Glas Was­ser ein. An­schlie­ßend gibt es noch et­was zum Knab­bern. Denn un­ser Ge­hirn be­kommt beim Den­ken nicht nur Durst, son­dern auch Ap­pe­tit. „Ba­na­nen, Apri­ko­sen und Wal­nüs­se ei­ge­nen sich be­son­ders gut, um das Ge­hirn schnell und ef­fek­tiv mit Nähr­stof­fen zu ver­sor­gen.“Wäh­rend wir zu­frie­den die ge­reich­ten Le­cke­rei­en müm­meln, ora­kelt die Ge­dächt­nis­trai­ne­rin, ob die Prä­si­den­ten es bei uns denn wohl vom Kurz- ins Lang­zeit­ge­dächt­nis schaf­fen wür­den. „Da­zu muss die Übung dann aber zu Hau­se noch ei­ni­ge Ma­le wie­der­holt wer­den.“Mein Ehr­geiz ist ge­weckt – wie war das noch? Tref­fen sich zwei Knie. Sagt das ei­ne zum an­de­ren: „Kenn-e-dy oder kenn i di nit?“

Fo­to: Ul­ri­ke Ha­ver­mey­er

Der Igel­ball als Schlüs­sel zu ei­nem bes­se­ren Ge­dächt­nis: Die Übun­gen, die Lern­the­ra­peu­tin Marita Wiel­a­ge-Bü­cker stellt, wir­ken sim­pel, ha­ben es aber in sich!

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