Chao­ten brin­gen Spiel fast zum Ab­bruch

Mün­che­ner Ge­walt­tä­ter wer­fen mit Sitz­scha­len und Fah­nen­stan­gen – 1860 steigt ab, Re­gens­burg steigt auf

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Wie­der ein Ge­walt­aus­bruch von Fuß­ball-Chao­ten aus der Fan­kur­ve: Das Rück­spiel in der Re­le­ga­ti­on um den letz­ten Platz in der 2. Bun­des­li­ga stand nach hef­ti­gen Aus­schrei­tun­gen Mün­che­ner Ge­walt­tä­ter vor dem Ab­bruch und muss­te 15 Mi­nu­ten un­ter­bro­chen wer­den.

Der Eklat über­schat­te­te zu­nächst den sen­sa­tio­nel­len 2:0-Sieg des Dritt­li­gis­ten Jahn Re­gens­burg, der nach dem 1:1 im Hin­spiel in der Al­li­anz Are­na mit ei­ner Top­leis­tung auf­war­te­te und die fa­vo­ri­sier­ten Mün­che­ner re­gel­recht an die Wand spiel­te. Die To­re er­ziel­ten Kol­ja Pusch mit ei­nem se­hens­wer­ten Di­rekt­schuss (30.) und Marc Lais (41.) mit ei­nem Kopf­ball. Für Trai­ner Hei­ko Herr­lich und sein Team ist da­mit der Durch­marsch aus der Re­gio­nal­li­ga in die 2. Bun­des­li­ga per­fekt. Vor 20 Jah­ren hat­te Herr­lich in Mün­chen mit Bo­rus­sia Dort­mund die Cham­pi­ons Le­ague ge­won­nen . . .

Als die Mün­che­ner in der Schluss­pha­se nichts mehr zu­zu­set­zen hat­ten und ge­gen die sou­ve­rä­nen Dritt­li­ga­pro­fis nichts mehr zu­stan­de brach­ten, kipp­te die Stim­mung in der Nord­kur­ve der Are­na. Die Chao­ten ris­sen Sitz­scha­len her­aus und war­fen sie auf das Spiel­feld; au­ßer­dem flo­gen Fah­nen­stan­gen und an­de­re Ge­gen­stän­de auch in Rich­tung des Re­gens­bur­ger To­res. Da­zu hat­ten sie das vor der Kur­ve ge­spann­te Si­cher­heits­netz an et­li­chen Stel­len zer­schnit­ten. Da­zu skan­dier­ten sie im­mer wie­der: An­griff der Fuß­ball-Chao­ten: In Mün­chen muss­ten Po­li­zis­ten vor der 1860Fan­kur­ve die Fort­set­zung des Spiels si­chern. Die Ge­walt­tä­ter war­fen Sitz­scha­len und Fah­nen­stan­gen auf das Spiel­feld.

„Wir ha­ben die Schnau­ze voll!“

Schieds­rich­ter Da­ni­el Sie­bert (Ber­lin) war ge­zwun­gen, die Par­tie nach 80 Mi­nu­ten zu un­ter­bre­chen. Der bei den Fans be­lieb­te Ex-Pro­fi und Nach­wuchs­trai­ner Da­ni­el Bier­of­ka lief wild ges­ti­ku­lie­rend vor die Nord­kur­ve und ver­such­te, die Ran­da­lie­rer zu be­sänf­ti­gen. Dut­zen­de von Po­li­zis­ten lie­fen auf das Spiel­feld und stell­ten sich vor die Nord­kur­ve. Zwei von ih­nen wur­den durch Ge­gen­stän­de

ver­letzt, teil­te die Po­li­zei am Abend mit.

Nach ei­ner Be­spre­chung mit der Po­li­zei so­wie mit Ver­tre­tern der Ver­ei­ne und der DFL ent­schied der Un­par­tei­ische, die Par­tie fort­zu­set­zen, um ei­ne wei­te­re Es­ka­la­ti­on samt Platz­sturm zu ver­hin­dern. „Es gab ei­ne Ab­spra­che mit dem Schieds­rich­ter. So­lan­ge ich nicht ge­trof­fen wer­de, geht es wei­ter. Ich war auch da­für“, sag­te der Re­gens­bur­ger Tor­wart Phi­lip Pent­ke, in des­sen Straf­raum im­mer wie­der

ge­gen Ge­gen­stän­de flo­gen.

Von den Münch­nern woll­te sich kein Of­fi­zi­el­ler zu den Sze­nen äu­ßern. Der vor we­ni­gen Mo­na­ten vom FC Li­ver­pool ver­pflich­te­te Ge­schäfts­füh­rer Ian Ay­re war eben­so we­nig im Sta­di­on wie In­ves­tor Ha­san Is­ma­ik. Prä­si­dent Pe­ter Cas­sa­let­te ging auf Tauch­sta­ti­on.

Zu den Aus­schrei­tun­gen, die für die „Lö­wen“dras­ti­sche Stra­fen nach sich zie­hen wer­den, kommt der nach dem 1:1 im Hin­spiel nicht mehr für mög­li­che ge­hal­te­ne Ab­stieg in die Dritt­klas­sig­keit.

Im Ge­gen­satz zum glück­li­chen Re­le­ga­ti­ons­er­folg ge­gen Hol­stein Kiel 2015 ge­lang den Sech­zi­gern dies­mal kein Hap­py End im ent­schei­den­den Rück­spiel. Die teu­re und nam­haf­te Mann­schaft von Trai­ner Vi­tor Pe­rei­ra agier­te fuß­bal­le­risch oh­ne Kon­zept und hielt dem nerv­li­chen Druck in dem Al­les-oder­nichts-Spiel nicht stand. An­ders Re­gens­burg: Das Kol­lek­tiv funk­tio­nier­te und zeig­te sich zweit­li­ga­taug­lich.

Nach 24 Jah­ren sind die „Lö­wen“wie­der dritt­klas­sig. Das sport­li­che De­ba­kel stellt die Zu­kunft des deut­schen Meis­ters von 1966 kom­plett in­fra­ge. Der Ver­ein ist un­ter dem jor­da­ni­schen In­ves­tor Ha­san Is­ma­ik am Tief­punkt an­ge­langt. Ein to­ta­ler Neu­auf­bau wird fol­gen müs­sen. „Ich bin un­end­lich trau­rig, dass wir in die­sem Sta­di­on, vor die­ser Ku­lis­se, ein so schlech­tes Spiel ab­ge­lie­fert ha­ben“, gab 1860-Ka­pi­tän Kai Bü­low frus­triert zu. „Die­ser Ab­stieg – das ist so bit­ter.“

Der Por­tu­gie­se Pe­rei­ra, der im Win­ter mit gro­ßen Am­bi­tio­nen sei­ne Ar­beit beim Tra­di­ti­ons­ver­ein auf­ge­nom­men hat­te und die­sen zu­rück in die Bun­des­li­ga füh­ren woll­te („We go to the top“), ist als nächs­ter Trai­ner bei den Gie­sin­gern ge­schei­tert – trotz ei­nes Ver­tra­ges bis 2018. „Die Ver­ant­wor­tung liegt bei mir. Lei­der hat es nicht ge­reicht, die Zie­le zu er­rei­chen“, sag­te Pe­rei­ra nach dem Spiel und be­dank­te sich bei al­len im Ver­ein, es klang wie ein Ab­schied. „Bei mir bleibt ein gro­ßer Schmerz, dass das Pro­jekt ge­schei­tert ist“, sag­te Pe­rei­ra. Fra­gen woll­te er nicht be­ant­wor­ten.

Pe­rei­ra war im Win­ter von In­ves­tor Ha­san Is­ma­ik ver­pflich­tet wor­den. Der ehe­ma­li­ge Meis­ter­trai­ner des FC Por­to woll­te die „Lö­wen“wie­der in die Bun­des­li­ga füh­ren. Sein Ver­trag läuft bis 2018. Durch den Ab­stieg der Pro­fis muss auch die zwei­te Mann­schaft von 1860 aus der Re­gio­nal­li­ga ab­stei­gen.

Fo­tos: ima­go/MIS, dpa

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