Chao­ten au­ßer Kon­trol­le

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - H.pis­to­ri­us@noz.de

NVon Ha­rald Pis­to­ri­us

ein, das hat nichts mit Fan­kul­tur zu tun. Nein, das ist durch den Frust über Ab­stieg oder Nicht-Auf­stieg nicht zu er­klä­ren oder gar zu ent­schul­di­gen. Nein, das ist kein Be­leg für die Ent­frem­dung zwi­schen Fans und dem Kom­merz­fuß­ball. Nein, das ist kein Grund, die Ab­schaf­fung der Re­le­ga­ti­ons­spie­le zu for­dern.

Denn wir re­den von au­ßer Kon­trol­le ge­ra­te­nen, ge­walt­be­rei­ten Chao­ten, die oh­ne Rück­sicht auf Men­schen und Din­ge ihr kran­kes Ego aus­le­ben. Da gibt es nichts zu recht­fer­ti­gen, nichts zu be­schö­ni­gen.

Am En­de ei­ner Sai­son, in der die ge­walt­be­rei­te und py­rog­ei­le Sze­ne in den Pro­fi­li­gen zeig­te, dass sie an der Schrau­be der Es­ka­la­ti­on dre­hen will, sind das Po­kal­fi­na­le und die Re­le­ga­ti­ons­spie­le die Tief­punk­te ei­ner be­sorg­nis­ser­re­gen­den Ent­wick­lung.

In Braun­schweig und Mün­chen brach sich ei­ne Ge­walt Bahn, die die Ver­bän­de un­ter Druck setzt. Wer an­ge­sichts der Bil­der Sitz­scha­len wer­fen­der Chao­ten und ver­mumm­ter Kra­wall­ma­cher nicht zu grund­le­gen­den Ve­rän­de­run­gen be­reit ist, bringt den Pro­fi­fuß­ball in Ge­fahr.

Das ist nicht der Ruf nach här­te­ren Stra­fen, aber auch nicht die welt­frem­de Bot­schaft, al­les sei im Dia­log zu lö­sen. Die DFL und der DFB ste­hen vor der viel­leicht größ­ten Her­aus­for­de­rung in der Ge­schich­te des mo­der­nen Pro­fi­fuß­balls in Deutsch­land. Es geht um Si­cher­heit, um Stra­fen und um Er­klä­run­gen für ein Roll­back zu ei­nem Kli­ma der to­ta­len Kon­fron­ta­ti­on.

Ei­ne wich­ti­ge Rol­le kommt den Ver­ei­nen, de­ren Ma­na­gern, Trai­nern und Spie­lern zu. Aus Angst, mit mög­li­cher Kri­tik an Aus­wüch­sen in den Kur­ven ih­re treu­en Fans zu ver­är­gern, hal­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen de­zent zu­rück, wenn es dar­um geht, Fehl­ver­hal­ten der Chao­ten in den ei­ge­nen Far­ben zu ver­ur­tei­len und zu be­stra­fen.

Ty­pisch für die­se Hal­tung war die Non­cha­lance, mit der Braun­schweigs Trai­ner Thors­ten Lie­ber­knecht über den ag­gres­si­ven Platz­sturm hin­weg­ging. Beim Fi­na­le in Ber­lin hör­te man we­der von den Ma­na­gern noch von den Trai­nern Kri­tik an den Py­ro­ak­tio­nen und den be­lei­di­gen­den Sprech­chö­ren aus den Kur­ven. Und auch die Spie­ler trot­ten treu und brav zu ih­ren Fans, auch wenn sich dort die Min­der­heit der Chao­ten ver­steckt, die in Wort und Tat Gren­zen über­schrei­ten. Die ken­nen sie ganz ge­nau, doch sie igno­rie­ren sie mit ei­ner Lust, die man nur aso­zi­al nen­nen kann.

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