„Wie die Af­fen – trau­rig“

Braun­schweig droht schwe­re Stra­fe, Wolfs­burg ein Um­bruch

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Von Susanne Fet­ter

BRAUN­SCHWEIG. Um kurz vor Mit­ter­nacht gab es die bes­te Nach­richt des Ta­ges: „Dem Ord­ner geht es gut“, sag­te De­ni­se Schä­fer, die Pres­se­spre­che­rin von Ein­tracht Braun­schweig. Di­rekt nach der Halb­zeit des Rück­spiels der Re­le­ga­ti­on, das der VfL wie das ers­te Du­ell mit 1:0 ge­wann, war er von ei­nem Böl­ler ge­trof­fen wor­den – von den hei­mi­schen Fans. Er fiel zu Bo­den und muss­te be­han­delt wer­den. Hek­tik brach aus. Ein Groß­teil der Fans pfiff die Chao­ten aus und sang „Ihr seid so blöd!“Kurz dar­auf fiel das 1:0 durch Vieirin­ha.

Braun­schweigs Prä­si­dent Sebastian Ebel mut­maß­te, dass so die Mann­schaft aus dem Tritt ge­bracht wur­de. „Es gab ei­nen Bruch im Spiel“, er­klär­te er und be­ton­te: „Das Le­ben des Ord­ners aufs Spiel zu set­zen, das geht nicht.“Auch den Platz­sturm nach dem Spiel ver­ur­teil­te er, sprach ins­ge­samt von ei­ner „un­glaub­li­chen Saue­rei“. Ei­ne, die das Bild des sym­pa­thi­schen Un­der­dogs zer­stör­te, das der Zweit­li­gist im Du­ell mit der Mil­lio­nen­trup­pe aus der Nach­bar­schaft trug. der DFB lei­te­te Er­mitt­lun­gen ein.

Erst hat­te es noch fried­lich ge­wirkt, als ei­ni­ge Braun­schwei­ger den Ra­sen nach dem Schluss­pfiff er­obert hat­ten und die Spie­ler trös­te­ten. Doch schnell wur­de es ag­gres­siv. Böl­ler wur­den ge­wor­fen, ein Ben­ga­lo flog über die Po­li­zei­ket­te vor den Wolfs­bur­ger Ein­tracht-Chao­ten Fan­block. Seit vie­len Jah­ren hat der Zweit­li­gist ei­ne Pro­blem­sze­ne. Emo­tio­nen über den zer­platz­ten Auf­stiegs­traum hät­ten sich da ge­zeigt, ver­such­te Trai­ner Tors­ten Lie­ber­knecht Ver­ständ­nis zu er­zeu­gen. Doch ei­ni­ges deu­te­te dar­auf hin, dass dies nicht spon­tan war. „Die Sze­ne ist da, der Mob kann kom­men“, stand auf ei­nem Pla­kat im Block zu le­sen. Un­ter den Ag­gres­so­ren wa­ren ver­mumm­te Braun­schwei­ger und Mag­de­bur­ger.

Schon wäh­rend des Spiels hat­te es üb­le Be­schimp­fun­gen Rich­tung von Ma­rio Go­mez ge­ge­ben. Der VfL-Stür­mer ver­kör­pert nach dem um­strit­te­nen Hand­elf­me­terTor für Ein­trachts An­hang die Un­ge­rech­tig­keit, die ihm wi­der­fuhr. Für Wolfs­burg ist er die Füh­rungs­fi­gur, die seit dem Win­ter vor­an­ging.

Auch als die Chao­ten ka­men. Da wies der 31-Jäh­ri­ge sei­ne Mann­schafts­kol­le­gen an, in die Ka­bi­ne zu ge­hen. Spä­ter sag­te er: „Vor ein paar Ta­gen ist in Man­ches­ter Schreck­li­ches pas­siert – da schwo­ren wir Brü­der­lich­keit. Und ein paar Ta­ge spä­ter ver­hal­ten wir uns wie­der wie Af­fen. Es ist trau­rig.“Kla­re Wor­te, die er bei der Fra­ge nach sei­ner Zu­kunft ver­mied. Ein Um­bruch steht an in Wolfs­burg. „Es muss sich et­was än­dern“, sag­te Da­ni­el Di­da­vi und füg­te an: „Viel­leicht hät­te das schon vor die­ser Sai­son pas­sie­ren müs­sen.“„Wir müs­sen al­les hin­ter­fra­gen“, for­der­te Go­mez.

Der in der Rück­run­de, vor al­lem nach der Jon­ker-Ver­pflich­tung auf­ge­blüh­te Na­tio­nal­stür­mer sag­te: „Ich kann sa­gen, dass ich mich nach wie vor sehr wohl füh­le in die­sem Glück­lich: Ver­ein.“Der von den Braun­schweig-Fans übel be­schimpf­te An­grei­fer sag­te: „Ich bin mir si­cher, dass wir nächs­te Sai­son bes­ser spie­len wer­den.“

Auf­sichts­rat­chef Fran­cis­co Ja­vier Gar­cia Sanz, auch Vor­stands­mit­glied von VW, woll­te sich da­zu nicht äu­ßern, son­dern den „Abend ge­nie­ßen“und die­se ver­korks­te Sai­son ab­ha­ken, in der sei­ne Mil­lio­nen­trup­pe ge­ra­de so ein De­sas­ter ver­mied.

Auch in Braun­schweig wird die Spiel­zeit nach­hal­len. Nicht nur in der Mann­schaft, von der Lie­ber­knecht hofft, dass sie durch die Nie­der­la­ge stär­ker wird, son­dern auch bei den Fans und im Ver­ein. Denn der ist seit den Böl­ler­und Py­roat­ta­cken im Der­by ge­gen Hannover auf Be­wäh­rung. Die Stra­fe könn­te emp­find­lich wer­den.

stür­men drän­gen die An­grei­fer zu­rück. das Feld. Si­cher­heits­kräf­te Fo­to: dpa

Ma­rio Go­mez und ei­ni­ge Fans. Fo­to: dpa

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