Ne­u­markt wird au­to­freie Zo­ne

Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on be­schließt Sper­rung ge­gen die Stim­men von CDU/BOB und OB Grie­sert

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

RATS­SIT­ZUNG IN OS­NA­BRÜCK Die Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on hat be­schlos­sen, den mo­to­ri­sier­ten In­di­vi­du­al­ver­kehr vom Ne­u­markt zu ver­ban­nen. CDU sieht Zu­satz­be­las­tung für die Wall­be­woh­ner.

Der Os­na­brü­cker Ne­u­markt wird au­to­freie Zo­ne. Das hat die Rats­mehr­heit aus SPD, Grü­nen, FDP, Lin­ken und UWG/ Pi­ra­ten am Di­ens­tag be­schlos­sen. CDU/BOB und Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert (CDU) stimm­ten da­ge­gen.

Von San­dra Dorn

OS­NA­BRÜCK. Schon vor Be­ginn der Sit­zung hat­ten die Grü­nen den fi­na­len Schritt, Au­tos vom Ne­u­markt zu ver­ban­nen, mit ei­nem Flashmob vor dem Rat­haus ge­fei­ert. Mit dem Rats­be­schluss en­det ein jah­re­lan­ger Streit. Der Ne­u­markt soll nur noch frei sein für Bus­se mor­gend­li­chen Lie­fer­ver­kehr, Rad­fah­rer und Fuß­gän­ger – das steht hin­ter dem bü­ro­kra­ti­schen Be­griff der „Teil­ein­zie­hung“. Au­ßer­dem sol­len Schall­schutz­fens­ter in Häu­ser an Tei­len des von Lärm stark be­las­te­ten Wall­rings ein­ge­baut wer­den.

Be­vor die Ver­wal­tung die Be­schil­de­rung auf dem Ne­u­markt an­passt, wird sich zei­gen, ob Geg­ner der Sper­rung ge­gen den Rats­be­schluss kla­gen wer­den und ob OB Grie­sert die Kom­mu­nal­auf­sicht ein­schal­tet. Zu­letzt ging es näm­lich nur noch um die recht­li­che Fra­ge: Darf der Ne­u­markt für den mo­to­ri­sier­ten In­di­vi­du­al­ver­kehr (MIV) ge­sperrt wer­den, be­vor fest­steht, wie die Stadt mit den da­durch stei­gen­den Schad­stof­fen auf dem Wall­ring um­geht? Das städ­ti­sche Rechts­amt und Grie­sert sa­gen: „Nein“. Die Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on be­auf­trag­te die Köl­ner An­walts­kanz­lei Lenz und Joh­len, und die sagt: „Ja“. Grie­sert sag­te am Frei­tag­mit­tag in ei­ner kurz­fris­tig an­be­raum­ten Pres­se­kon­fe­renz, dass er die Ent­schei­dung der Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on zur Teil­ein­zie­hung für „rechts­wid­rig“hal­te.

We­ni­ge St­un­den vor Be­ginn der Rats­sit­zung stell­te Grie­sert noch rasch ei­nen ak­tu­el­len Pla­nungs­stand der Ver­wal­tung zur Neu­ge­stal­tung des Ne­u­mark­tes vor: Der Ent­wurf des Bü­ros Lüt­zow 7 sieht vor, Bo­den­plat­ten zu ver­le­gen, ähn­lich wie am Ro­sen­platz, aber nicht in Ro­sa, son­dern in Grau- und An­thra­zit­tö­nen. Die Flä­che soll eben sein, oh­ne Bord­stein­kan­ten, aber mit ver­setz­ba­ren Ele­men­ten, die den Ver­kehrs­teil­neh­mern Ori­en­tie­rung bie­ten sol­len – wel­chen auch im­mer: Au­tos, Bus­sen, ganz egal. Der Ent­wurf las­se al­le Op­tio­nen of­fen. Bau­be­ginn kön­ne schon im Früh­jahr 2018 sein. „Die Bür­ger wol­len, dass ge­baut wird, und nicht, dass man mit dem Kopf durch die Wand geht“, so Grie­sert.

Mit ei­nem Zu­satz­an­trag be­schlos­sen die Re­gen­bo­gen­frak­tio­nen

nun aber auch, „die Pla­nun­gen [. . .] so an­zu­le­gen, dass ei­ne Mit­nut­zung durch den MIV nicht mög­lich oder weit­ge­hend aus­ge­schlos­sen ist“.

In der De­bat­te be­kräf­tig­ten die Frak­tio­nen ih­re Po­si­tio­nen. „Wer ab­war­tet und zö­gert, ver­spielt die Zu­kunft die­ser Stadt“, sag­te Hei­ko Pan­zer (SPD). CDU-Frak­ti­ons­chef Fritz Brick­wed­de, der im Vor­feld ein Mo­ra­to­ri­um vor­ge­schla­gen hat­te, mahn­te, die Rats­mehr­heit ha­be kei­ne Lö­sung für die Zu­satz­be­las­tung der Wall­be­woh­ner durch Lärm und Schad­stof­fe. „Das ist kei­ne ver­ant­wort­li­che Po­li­tik ge­gen­über den Bür­gern des Walls und Pend­lern.“Vol­ker Ba­jus (Grü­ne) hin­ge­gen sprach von ei­nem Mei­len­stein: „Die Stadt hat ein An­recht dar­auf, dass hier auch re­giert wird.“Tho­mas Thie­le (FDP) sag­te: „Wir wol­len ei­ne Stadt ha­ben, die nicht zum Durch­fah­ren ist, son­dern zum An­kom­men.“Als Nächs­tes ge­he es der FDP um die Fra­ge, wie auch Bus­se vom Ne­u­markt ver­bannt wer­den kön­nen. SPD und Grü­ne sind da an­de­rer Mei­nung.

Kerstin Al­brecht (BOB) ver­tei­dig­te den OB: „Der Ver­wal­tung und dem Ober­bür­ger­meis­ter darf kein Vor­wurf ge­macht wer­den.“Sie sei­en dem Prüf­auf­trag der Rats­mehr­heit nach­ge­kom­men, nur zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis ge­kom­men. Ex­pli­zit kri­ti­sier­te Al­brecht das Ge­gen­gut­ach­ten der Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on.

Tho­mas Klein (Grü­ne) wand­te sich an Grie­sert: „Sie mö­gen den Weg über die Rechts­auf­sicht des Lan­des wie­der ge­hen, und Sie wer­den ei­ne Nie­der­la­ge er­lei­den.“Das griff auch Wul­fSieg­mar Mier­ke (UWG/Pi­ra­ten) auf: Er sei fest über­zeugt, „dass Sie dort ei­ne kra­chen­de Nie­der­la­ge er­lei­den wer­den“. Frank Hen­ning (SPD) rief Grie­sert so­gar ak­tiv da­zu auf, zur Kom­mu­nal­auf­sicht zu ge­hen, wenn er mei­ne, der Be­schluss sei rechts­wid­rig. „Herr Grie­sert, Sie müs­sen jetzt lie­fern. Wir er­war­ten, dass Sie die­sen Be­schluss um­set­zen wer­den.“

Fo­to: Michael Grün­del

Platz für Men­schen statt für Blech: Vor der Rats­sit­zung fei­er­ten An­hän­ger der Grü­nen be­reits den Be­schluss, der dann spä­ter am Abend ge­fasst wur­de.

Os­na­brücks Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert (CDU) leg­te we­ni­ge St­un­den vor der Rats­sit­zung sei­ne Po­si­ti­on zur Um­ge­stal­tung des Ne­u­markts dar. Fo­to: Michael Grün­del

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