Tot­schlag­pro­zess: Ex-Frau des An­ge­klag­ten packt aus

Os­na­brü­cker Gy­nä­ko­lo­ge soll geld­gie­rig und lieb­los ge­we­sen sein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von Andrea Kö­nigl

Sze­nen ei­ner Ehe: Im neu auf­ge­roll­ten Tot­schlag­pro­zess ge­gen ei­nen Os­na­brü­cker Frau­en­arzt hat ges­tern am 13. Ver­hand­lungs­tag die Ex-Frau des An­ge­klag­ten vor dem Land­ge­richt Lands­hut aus­ge­sagt. Beim Schei­dungs­ter­min woll­te sie ihm die Hand rei­chen. Er schlug aus und be­zeich­ne­te statt­des­sen den ge­mein­sa­men Nach­wuchs als „Ver­bre­cher­kin­der“: Auch die Schil­de­run­gen sei­ner Ex­Frau lie­ßen den Frau­en­arzt aus Os­na­brück, der sich seit En­de April in ei­nem neu auf­ge­roll­ten Pro­zess we­gen Tot­schlags vor dem Land­ge­richt Lands­hut ver­ant­wor­ten muss, in denk­bar un­güns­ti­gem Licht er­schei­nen. Die 56-jäh­ri­ge Leh­re­rin stell­te als Zeu­gin am 13. Ver­hand­lungs­tag klar, dass we­der sie noch die ge­mein­sa­men Kin­der In­ter­es­se dar­an ge­habt hät­ten, den An­ge­klag­ten nach der Tren­nung fi­nan­zi­ell aus­blu­ten zu las­sen.

Laut An­kla­ge soll der 57jäh­ri­ge Me­di­zin­pro­fes­sor sei­ne da­mals 60 Jah­re al­te, zwei­te Ehe­frau am 4. De­zem­ber 2013 im ge­mein­sa­men Haus in Er­ding um­ge­bracht ha­ben. Die ers­te Straf­kam­mer des Land­ge­richts hat­te den Frau­en­arzt im Ja­nu­ar 2015 frei­ge­spro­chen. Der Bun­des­ge­richts­hof hob das Ur­teil auf. Im neu auf­ge­roll­ten Pro­zess vor der Sechs­ten Straf­kam­mer be­teu­ert der 57-Jäh­ri­ge sei­ne Un­schuld, spricht von ei­ner in­ni­gen Be­zie­hung zu sei­ner ehe­ma­li­gen Se­kre­tä­rin und zwei­ten Frau und ei­ner har­mo­ni­schen Ehe. Al­ler­dings ha­be sich sei­ne frü­he­re Fa­mi­lie „wie ein Schat­ten“über das Glück ge­legt. Die­se ha­be im­mer wie­der ver­sucht, ei­nen Keil in die neue Fa­mi­lie zu trei­ben, und stän­dig ab­sur­de Geld­for­de­run­gen ge­stellt.

Die­ser Darstel­lung wi­der­sprach die ge­schie­de­ne Frau des An­ge­klag­ten am Di­ens­tag ve­he­ment. Kei­nen Pfen­nig ha­be sie nach der Tren­nung von ih­rem Mann mehr ha­ben wol­len. Dies sei auch der Grund ge­we­sen, war­um sie ne­ben der Er­zie­hung der ge­mein­sa­men vier Kin­der noch Päd­ago­gik stu­diert ha­be: „Ich woll­te ab­so­lut nichts mehr mit ihm zu tun ha­ben.“Es sei viel­mehr ihr Mann ge­we­sen, der im­mer noch mehr Geld ha­ben woll­te. Da­bei ha­be er nicht mal vor der Fäl­schung ih­rer Un­ter­schrift halt­ge­macht.

Zu­sätz­li­che 70 000 Eu­ro jähr­lich ha­be er sich durch über­zo­ge­ne Pa­ti­en­ten­ab­rech­nun­gen er­schli­chen. Und sie ha­be „still­ge­hal­ten aus Angst“, den Un­ter­halt für das Stu­di­um der äl­te­ren Kin­der zu ver­lie­ren, so die Ex­Frau. Zu­gleich sei der An­ge­klag­te sehr gei­zig ge­we­sen: Den Ski­ur­laub ha­be man im Wohn­wa­gen ver­bracht. „Un­se­re Ba­de­män­tel und Hand­tü­cher wa­ren aus Ho­tels.“

Le­ben im gol­de­nen Kä­fig

Da­bei sei es ih­nen fi­nan­zi­ell nie schlecht ge­gan­gen, sag­te die Zeu­gin. Die Lieb­lo­sig­keit ih­res Man­nes ha­be ihr viel mehr zu schaf­fen ge­macht. „Ich saß buch­stäb­lich im gol­de­nen Kä­fig.“Was die man­geln­de Zu­wen­dung be­trifft, so hielt die Leh­re­rin ih­rem Ex-Mann al­ler­dings zu­gu­te, dass die­ser ei­ne lieb­lo­se Kind­heit er­fah­ren ha­be.

In den Punk­ten Streit­sucht und Geld­gier sei es mit ih­rem Mann aber erst rich­tig schlimm ge­wor­den, als die neue Frau hin­zu­ge­kom­men sei, so die 56-Jäh­ri­ge. Sie ha­be ih­re Nach­fol­ge­rin zu­nächst als Se­kre­tä­rin ih­res Man­nes ken­nen­ge­lernt – „ein sehr her­ri­sches We­sen und hab­gie­rig“. So ha­be das Kaf­fee­ser­vice fürs Bü­ro nur vom Feins­ten sein dür­fen; und we­he, ei­ne Un­ter­ge­be­ne ha­be nicht je­ne Blu­men mit­ge­bracht, die sie be­stellt hat­te. Ver­mut­lich sei es die Angst der Frau ge­we­sen, so die Zeu­gin, nicht ge­nug Geld für sich und ih­re ei­ge­nen Kin­der ab­zu­be­kom­men, die sie da­zu ge­bracht ha­be, die leib­li­chen Kin­der ih­res Man­nes als „Rat­ten“und „Ma­den in mei­nem Nest“zu be­zeich­nen.

Der Pro­zess wird am Mitt­woch fort­ge­setzt.

Schul­dig oder un­schul­dig? Der gan­ze Fall zum Nach­le­sen im In­ter­net auf noz.de

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