Dreck­be­schmiert in die Höl­le

Schü­ler des Ca­ro­li­nums stel­len Bil­der von Lu­cas Cra­nach nach

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Tom Bull­mann

Von der in­halt­li­chen Vor­be­rei­tung über die Kon­zep­ti­on, die Aus­wahl der Ex­po­na­te bis hin zu den Be­su­ch­er­füh­run­gen: 20 Schü­ler des Gym­na­si­ums Ca­ro­li­num wa­ren in die Rea­li­sa­ti­on ei­ner Aus­stel­lung in­vol­viert, die sich mit den Aus­wir­kun­gen der Re­for­ma­ti­on auf das Le­ben in Os­na­brück be­schäf­tigt.

„Man hat mich mit Dreck be­schmiert und in die Höl­le ge­schickt“, ruft Patrick Blom. Das Di­lem­ma des jun­gen Man­nes ist be­ein­dru­ckend do­ku­men­tiert: Tod und Teu­fel sind mit Sen­se und Mist­ga­bel hin­ter ihm her, wäh­rend er auf dem Bo­den hilf­los in die Knie ge­gan­gen ist. Zu se­hen ist die Sze­ne auf ei­nem groß­for­ma­ti­gen Fo­to, das jetzt im Kul­tur­ge­schicht­li­chen Mu­se­um zu se­hen ist. Zu­sam­men mit vie­len wei­te­ren, star­ken Auf­nah­men, auf de­nen Sze­nen aus ei­nem Bild von Lu­cas Cra­nach nach­ge­stellt wer­den, wird Patrick als „Sün­der“zum Teil ei­ner Son­der­aus­stel­lung: „Dat hil­li­ge Evan­ge­li­um recht pre­di­ken“lau­tet der Ti­tel der Schau mit 95 Ex­po­na­ten zum The­ma „Os­na­brück im Zeit­al­ter der Re­for­ma­ti­on“.

„Ei­gent­lich woll­ten wir ei­ne gro­ße Ab­bil­dung von Cra­nachs ,Ge­setz und Gna­de‘ in der Aus­stel­lung zei­gen, weil es sich an­schau­lich mit der The­ma­tik aus­ein­an­der­setzt“, er­zählt Ma­rie Hei­de­mann. Wie Patrick und wei­te­re 18 Schü­ler ist sie in der elf­ten Klas­se des Gym­na­si­ums Ca­ro­li­num. Seit ei­nem Jahr pla­nen sie zu­sam­men mit ih­ren Leh­rern und den Ver­ant­wort­li­chen im Mu­se­um die Aus­stel­lung. Weil sie die Rech­te an den Fo­tos zu Cra­nachs Werk nicht be­ka­men, hat­ten die Teil­neh­mer des Se­mi­nar­fachs Ge­schich­te ei­ne tol­le Idee: „Wir stel­len das Bild ein­fach nach!“

Ein Vor­ha­ben, das sich je­doch als gar nicht so ein­fach her­aus­stel­len soll­te. In Michael Hel­weg fan­den sie zwar ei­nen en­ga­gier­ten Fo­to­gra­fen. Doch dann muss­te die Grup­pe zu­sam­men mit Eva-Ma­ria Evers und Klaus Wahl­brink, den Ge­schichts- und Re­li­gi­ons­leh­rern des Ca­ro­li­nums, so­wie mit Thors­ten Hee­se vom Mu­se­um über­le­gen, wel­che Sze­nen sie wie nach­stel­len woll­ten: ob Sün­den­fall, Ma­riä Emp­fäng­nis, Je­sus am Kreuz oder die Au­fer­ste­hung. Ei­nen gan­zen Tag ver­brach­ten die Schü­ler dann im Cle­an Fo­to­stu­dio in Wal­len­horst, bis die Auf­nah­men „im Kas­ten“wa­ren. Ei­ni­ge Schü­ler be­tei­lig­ten sich so­gar an der Nach­be­ar­bei­tung der Fo­tos per Pho­to­shop.

Von der in­halt­li­chen Vor­be­rei­tung über die Kon­zep­ti­on, die Aus­wahl der Ex­po­na­te bis hin zu den Füh­run­gen wur­den die Schü­ler in die Rea­li­sa­ti­on der Aus­stel­lung in­vol­viert. „Die Grup­pe war un­glaub­lich mo­ti­viert. Hier zeigt sich ein­mal mehr, welch gro­ßes Po­ten­zi­al au­ßer­schu­li­sche Lern­or­te ha­ben“, be­tont Leh­re­rin Eva-Ma­ria Evers.

Zur­zeit er­ar­bei­ten die Schü­ler die Füh­run­gen, die sie bald an­bie­ten: „Zu­nächst dach­ten wir dar­an, dass Schü­ler aus­schließ­lich Schü­ler füh­ren soll­ten. Doch dann ha­ben wir uns ent­schlos­sen, dass die Pro­jekt­teil­neh­mer tat­säch­lich al­le Grup­pen­füh­run­gen über­neh­men. Ich ha­be hier im Haus nur ein paar pro­fes­sio­nel­le Füh­rer, die im Not­fall ei­ne Ver­tre­tung über­neh­men kön­nen“, sagt Ralf Lan­ger von der Mu­se­ums­päd­ago­gik.

Über die di­rek­te Ver­mitt­lungs­ar­beit geht das En­ga­ge­ment der Schü­ler noch hin­aus: Im Stu­dio von OS-Ra­dio la­sen sie Tex­te zur Re­for­ma­ti­on in Os­na­brück, die jetzt per „Klang­du­sche“in der Aus­stel­lung zu hö­ren sind. Und sie rich­te­ten ei­ne in­ter­ak­ti­ve „Twit­te­r­ecke“ein, in der ein Aus­tausch zwi­schen den jun­gen Ma­chern und den Aus­stel­lungs­be­su­chern statt­fin­det. Der ist al­ler­dings noch ana­log . . .

Schü­ler füh­ren Schü­ler: 20 Elft­kläss­ler des Ca­ro­li­nums ha­ben die Aus­stel­lung „Dat hil­li­ge Evan­ge­li­um recht pre­di­ken“vor­be­rei­tet und kon­zi­piert. Im Kul­tur­ge­schicht­li­chen Mu­se­um kön­nen sich die Be­su­cher über Os­na­brück im Zeit­al­ter der Re­for­ma­ti­on in­for­mie­ren. Fo­to: El­vi­ra Par­ton

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