John von Düf­fels Rei­se in die Pu­ber­tät

Le­sung aus dem „Klas­sen­buch“: Lit­te­ra im Blue No­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von An­ne Rei­nert

Wie pas­send wä­re doch am En­de die­ses schwü­len Ta­ges ei­ne Ge­schich­te über das Was­ser. Buch­händ­ler Lenn­art Neuf­fer von der Buch­hand­lung zur Hei­de zählt die Ti­tel da­zu auf, die John von Düf­fel ge­schrie­ben hat. Da gibt es den Ro­man „Vom Was­ser“, die „Was­serer­zäh­lun­gen“und die Es­says „Was­ser und an­de­re Wel­ten“. Aber nein, in John von Düf­fels jüngs­tem Buch geht es um et­was an­de­res, näm­lich um ei­ne elf­te Schul­klas­se. „Klas­sen­buch“er­zählt von jun­gen Men­schen zwi­schen Kind­heit und Er­wach­sen­sein.

Er ha­be die 50 erst „schram­men“müs­sen, um sich zu­rück in die Pu­ber­tät zu be­ge­ben, sagt von Düf­fel, der im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber so alt ge­wor­den ist. Die­se Rei­se in die Ju­gend hat er al­ler­dings als Schrift­stel­ler un­ter­nom­men. Denn John von Düf­fel er­zählt nicht von sich, son­dern über Pu­ber­tie­ren­de im di­gi­ta­len Zeit­al­ter. Sei­ne Ge­schich­te strickt er aus neun Schü­ler­per­spek­ti­ven, die von der bu­li­mi­schen Schul­schön­heit über die sui­zi­da­le De­pres­si­ve bis zu Au­ßen­sei­tern rei­chen.

Ei­ne Le­sung mit John von Düf­fel lebt nicht nur von sei­nen Bü­chern, son­dern auch da­von, dass ihr Au­tor ein hu­mor­vol­ler Zeit­ge­nos­se ist. Und dass er auch gern ein­mal ei­ne sei­ner viel­leicht gar nicht so ab­sur­den Fan­ta­si­en raus­haut. So nimmt er die am Ohr fest­ge­klemm­ten Kopf­hö­rer des Schü­lers Henk zum An­lass, laut über ei­ne Ta­ge­buch­droh­ne nach­zu­den­ken. Die flie­ge per­ma­nent ne­ben ih­rem Nut­zer her und zeich­ne sein Le­ben auf. Nein, die­se Droh­ne ge­be es nicht, er­klärt von Düf­fel. Noch nicht.

Drei Schü­ler­per­spek­ti­ven stellt von Düf­fel bei der Lit­te­ra-Le­sung im Blue No­te vor. Da ist et­wa Emily, die Schö­ne und Schlag­fer­ti­ge, die den Schul­ca­te­rer per Mail für sein schlech­tes Es­sen kri­ti­siert und ihn in der wort­rei­chen An­kla­ge als klei­nes Räd­chen im Ge­trie­be ei­nes see­len­lo­sen Sys­tems ab­stem­pelt. Spä­ter, als die Ge­schich­te zu Beas Per­spek­ti­ve wech­selt, ist zu er­fah­ren, dass Emily ei­ne Af­fä­re mit dem Schul­ca­te­rer hat­te.

Die­ser Witz ist ty­pisch für den Viel­schrei­ber von Düf­fel. Schrei­ben ge­hört zu sei­nem Ta­ges­ab­lauf, wie er bei sei­ner in­zwi­schen drit­ten Lit­ter­aLe­sung be­rich­tet. Er sei Früh­auf­ste­her und set­ze sich je­den Mor­gen an den Schreib­tisch, egal ob ihm et­was ein­fällt oder nicht. „Auch die nicht-in­spi­rier­ten Ta­ge ge­hö­ren da­zu“, sagt er über die Schrei­b­rou­ti­ne. Sei­ne Le­sung zeigt al­ler­dings: Im Le­ben des John von Düf­fel muss es vie­le in­spi­rier­te Ta­ge ge­ben.

Was­ser­blaue Stim­mung: Doch um Was­ser ging es bei der Le­sung mit John von Düf­fel nicht. Fo­to: Michael Grün­del

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