La­dy in Red

Die Klei­ne Meer­jung­frau blu­tet für Wa­le – Tier­schüt­zer for­dern En­de der Treib­jagd

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel - Von André An­war

STOCK­HOLM/KO­PEN­HA­GEN. Seit 1913 blickt die Klei­ne Meer­jung­frau schwer­mü­tig vom Ko­pen­ha­ge­ner Ha­fen auf das Meer hin­aus. In der Nacht zum Di­ens­tag ha­ben Un­be­kann­te das We­sen aus Hans Chris­ti­an An­der­sens Mär­chen wie­der ein­mal ver­un­stal­tet. Die Bron­ze­sta­tue, war in blut­ro­te Far­be ge­tränkt. Auf dem Weg zum Tou­ris­ten­ma­gne­ten stand in rie­si­gen ro­ten Buch­sta­ben und eng­li­scher Spra­che, da­mit die gan­ze Welt es ver­steht: „Dä­ne­mark ver­tei­di­ge die Wa­le der Schaf­s­in­seln.“

Die Po­li­zei tappt bis­lang im Dun­keln. „Ich kann nicht viel mehr sa­gen, als dass sie nicht mehr bron­ze­far­ben ist“, mel­de­te der dienst­ha­ben­de Ko­pen­ha­ge­ner Po­li­zist Tho­mas Tarpgaard.

Die Ak­ti­on wirft je­doch Licht auf ein un­barm­her­zi­ges Volks­fest auf den Fä­rö­er-In­seln, auch Schaf­s­in­seln ge­nannt. Die rund 50000 dort le­ben­den Nach­kom­men der Wi­kin­ger sind stolz auf ih­re Iden­ti­tät. Zu der zählt auch ein über 1000 Jah­re al­tes Ri­tu­al: ei­ne Treib­jagd zu Was­ser, die sich „Gr­in­da­dràp“

nennt. Da­bei wer­den laut Tier­schüt­zern jähr­lich rund 900 zur Art der Del­phi­ne zäh­len­de Gr­ind­wa­le und 300 Weiß­sei­ten­del­fi­ne re­gel­recht ab­ge­schlach­tet.

So­bald Mee­res­säu­ger in der Nä­he der Küs­te ge­sich­tet wer­den, wird die­se Nach­richt in Win­des­ei­le ver­brei­tet. Die Fä­rin­ger, die ge­ra­de Zeit und Lust ha­ben, fah­ren dann mit ih­ren Boo­ten raus, um die Mee­res­säu­ger in ei­ne fla­che Bucht zu trei­ben. Dort war­ten an­de­re In­su­la­ner im knie­tie­fen Was­ser. Spit­ze Stä­be wer­den tief ins Blas­loch am Rü­cken der Tie­re ge­rammt, um de­ren Echo-Or­tungs­sys­tem

au­ßer Kraft zu set­zen. Mit tra­di­tio­nell an­ge­fer­tig­ten Mes­sern schnei­den die In­su­la­ner den zap­peln­den Tie­ren die Kopf­schlag­ader durch. Die gan­ze Bucht färbt sich da­bei blut­rot.

Weil die Sau­er­stoff at­men­den Mee­res­säu­ger selbst un­ter Was­ser bis zu 20 Mi­nu­ten oh­ne Sau­er­stoff aus­kom­men kön­nen, ver­blu­ten sie, an­ders als Men­schen, mit vol­lem Be­wusst­sein. Da­bei spü­ren sie al­le fol­gen­den un­nö­ti­gen Mes­ser­sti­che, die be­son­ders auf­ge­hetz­te Jä­ger aus­tei­len. Wenn sie end­lich tot sind, wer­den sie mit Ha­ken an Land ge­hievt. Dort wer­den

die Bäu­che auf­ge­schlitzt, da­mit die Ge­där­me raus­fal­len. Manch­mal fällt auch ein Ba­by aus dem Leib der Mut­ter.

Weil es auf den Fä­rö­er In­seln kei­ne Bäu­me und kei­ne Wäl­der mit Jagd­wild gibt, freu­en sich al­le auf das volks­fe­stähn­li­che Spek­ta­kel. Die Ein­woh­ner stö­ren sich da­bei sehr an den zu­meist US-ame­ri­ka­ni­schen Tier­schüt­zern. Die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on „Sea She­pherd“ist je­des Jahr vor Ort. Mit dem An­schlag auf Meer­jung­frau hät­ten sie nichts zu tun, be­teu­ert „Sea She­pherd“. Doch man sym­pa­thi­sie­re mit der Bot­schaft.

Ver­un­stal­tet: Die Sta­tue der Klei­nen Meer­jung­frau in Ko­pen­ha­gen wur­de mit ro­ter Far­be be­schmiert. Fo­to: dpa

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