Ein­di­men­sio­na­le Ge­fahr

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Dirk Fis­ser d.fis­ser@noz.de

Die Ein­di­men­sio­na­li­tät der po­li­ti­schen De­bat­te nach dem Mes­ser­an­griff von Hamburg ist er­schre­ckend. Die Ge­fähr­der-Pro­ble­ma­tik lässt sich nicht al­lein da­durch lö­sen, dass Deutsch­land sämt­li­che ter­ror­ver­däch­ti­gen Is­la­mis­ten ab­schiebt. Das schei­tert zum ei­nen dar­an, dass vie­le von ih­nen deut­sche Staats­bür­ger sind – wo­hin al­so ab­schie­ben? Und zum an­de­ren sind Auf­nah­me­län­der nicht er­picht dar­auf, mut­maß­li­che Ter­ro­ris­ten aus dem Aus­land auf­zu­neh­men. Man soll­te nicht ver­ges­sen: Vie­le Is­la­mis­ten ha­ben sich erst in Deutsch­land ra­di­ka­li­siert. Wie der 18-jäh­ri­ge Rus­se, des­sen Ab­schie­bung aus Bre­men das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt für rech­tens er­klärt hat. Das zeigt: Ur­sa­che und Lö­sung des Pro­blems lie­gen auch hier­zu­lan­de, nicht nur im Aus­land.

Es wird aber nicht ge­lin­gen, die Ge­fahr gänz­lich zu ban­nen, wie die Ham­bur­ger Atta­cke zeigt. Be­stä­tigt sich die Theo­rie der Er­mitt­ler ei­ner Blitz­ra­di­ka­li­sie­rung des Tä­ters, lässt sich ei­ne sol­che Wahn­sinns­tat mit kei­ner de­mo­kra­tisch ver­tret­ba­ren Ge­set­zes­ver­schär­fung ver­hin­dern. Den ge­gen­tei­li­gen Ein­druck zu er­we­cken ist fahr­läs­sig, weil ein sol­ches Re­den erst recht das Ver­trau­en in den Staat und sei­ne Wehr­haf­tig­keit un­ter­gräbt. Frei­heit be­deu­tet im­mer auch Ri­si­ko. Das größ­te Ri­si­ko der­zeit scheint, dass wir zu viel die­ser Frei­heit op­fern, um uns si­cher zu füh­len.

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