De­bat­te über Ver­ant­wor­tung bei Ab­schie­be-Pro­ble­men

Pis­to­ri­us nimmt Bund in die Pflicht – „Kön­nen nicht er­war­ten, dass je­der ei­nen Pass hat“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Nach der töd­li­chen Mes­ser­at­ta­cke ei­nes Is­la­mis­ten in ei­nem Ham­bur­ger Su­per­markt ha­ben sich Bund und Län­der ge­gen­sei­tig Ver­säum­nis­se vor­ge­wor­fen. Der Uni­ons-In­nen­ex­per­te Ste­phan May­er (CSU) hielt den Ham­bur­ger Be­hör­den vor, sie hät­ten ein Be­wer­tungs­sys­tem zur Ein­stu­fung is­la­mis­ti­scher Ge­fähr­der auf den At­ten­tä­ter nicht an­ge­wandt. Nie­der­sach­sens In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) mach­te den Bund für feh­len­de Pass­pa­pie­re zur Ab­schie­bung ver­ant­wort­lich.

Der 26-jäh­ri­ge An­grei­fer, der am Frei­tag ei­nen Men­schen er­sto­chen und meh­re­re ver­letzt hat­te, war zwar als ra­di­ka­li­siert ein­ge­stuft wor­den, nicht aber als Ge­fähr­der. Zu­gleich schei­ter­te die Rück­füh­rung des ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­bers dar­an, dass er kei­ne gül­ti­gen Pa­pie­re hat­te.

Pis­to­ri­us sag­te im Deutsch­land­funk, die Ab­schie­bung schei­te­re häu­fig an Din­gen, „die die Län­der nicht in der Hand ha­ben“. Es sei die Ver­ant­wor­tung des Bun­des, mit den Her­kunfts­län­dern Ab­kom­men zur Rück­nah­me ab­zu­schlie­ßen. Zum Ham­bur­ger Fall sag­te Pis­to­ri­us: „Es scheint so zu sein, dass es kei­ne An­halts­punk­te da­für gab, dass er wirk­lich ge­fähr­lich ist.“In ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on „nüt­zen auch die schärfs­ten Ge­set­ze zur In­haf­tie­rung und Ge­wahrs­am­nah­me von Ge­fähr­dern nicht“. Er warn­te zu­dem da­vor, Men­schen oh­ne Pass grund­sätz­lich die Ein­rei­se zu ver­wei­gern. „Wir kön­nen nicht von je­dem er­war­ten, dass er ei­nen Pass hat, weil es vie­le Län­der gibt, die kei­nen Pass aus­stel­len.“CDU-In­nen­ex­per­te Wolf­gang Bos­bach be­klag­te da­ge­gen in der „Welt“, dass bei der Ein­rei­se von Flücht­lin­gen auf die „Er­fül­lung der Pass­pflicht“ver­zich­tet wer­de „und Tag für Tag vie­le Hun­dert Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge mit un­ge­klär­ter Iden­ti­tät und Na­tio­na­li­tät ein­rei­sen kön­nen“.

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