CDU: Pörk­sens Rück­tritt „un­aus­weich­lich“

In der Ver­ga­be-Af­fä­re for­dert die Op­po­si­ti­on of­fen die Ent­las­sung von Weils Pres­se­che­fin

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Klaus Wie­sche­mey­er

Ei­ne Staats­se­kre­tä­rin muss­te be­reits we­gen der Ver­ga­be­af­fä­re ge­hen, nun for­dert die Op­po­si­ti­on den Rück­tritt ei­ner wei­te­ren. Weils Re­gie­rungs­spre­che­rin Pörk­sen ist aus Sicht von CDU und FDP nicht mehr halt­bar.

In der Af­fä­re um feh­ler­haf­te Ver­ga­ben schießt sich die Op­po­si­ti­on auf Feh­ler der Staats­kanz­lei von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) ein. Bei der ers­ten Zeu­gen­ver­neh­mung am heu­ti­gen Di­ens­tag dürf­te dem­nach nicht Wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies (auch SPD) im Vi­sier der Op­po­si­ti­on ste­hen. In des­sen Res­sort war die Af­fä­re zwar im Mai auf­ge­kom­men. Doch Lies hat be­reits sei­ne Staats­se­kre­tä­rin Da­nie­la Beh­rens ent­las­sen. Zu­dem sind noch zahl­rei­che Ak­ten, un­ter an­de­rem et­wa 48 000 Mails des eben­falls ab­ge­setz­ten Pres­se­spre­chers, noch nicht aus­ge­wer­tet. Des­we­gen wird Lies wohl noch ein zwei­tes Mal vor­ge­la­den. Ge­gen Beh­rens und den Spre­cher er­mit­telt auch die Staats­an­walt­schaft.

Pres­se­che­fin im Vi­sier

Bei der heu­ti­gen Aus­schuss­sit­zung dürf­te sich die Op­po­si­ti­on vor al­lem die als zwei­te Zeu­gin ge­la­de­ne Re­gie­rungs­spre­che­rin An­ke Pörk­sen (SPD) vor­knöp­fen. Es geht da­bei um die jah­re­lan­ge Su­che nach dem Lan­des­claim „Nie­der­sach­sen. Klar.“Die Op­po­si­ti­on sieht bei den Ver­ga­ben Ge­nos­sen­filz – und sieht sich nach Ein­sicht in Ak­ten be­stä­tigt.

Die Ob­leu­te von CDU und FDP, Uwe Schü­ne­mann und Chris­ti­an Gra­scha, er­ho­ben am Mon­tag schwe­re Vor­wür­fe ge­gen die Chefin der Pres­se­stel­le von Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil. Die­se ha­be in den Aus­wahl­pro­zess ein­ge­grif­fen, um den von ihr ge­wünsch­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­ter Micha­el Kro­nach­er im Ren­nen zu hal­ten. „Der Rück­tritt von Frau Pörk­sen ist aus un­se­rer Sicht un­aus­weich­lich“, sag­te Schü­ne­mann. Be­grün­dung: „Die qua­li­ta­ti­ven Rechts­ver­stö­ße von Pörk­sen und Beh­rens sind ver­gleich­bar“, er­klärt der CDU-Ob­mann. Da­mit for­der­te Schü­ne­mann auch straf­recht­li­che Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft, die die­se bis­her ab­lehnt.

Gra­scha sieht mit­tel­bar auch den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten im Vi­sier. Weil sei wohl stär­ker ein­ge­bun­den ge­we­sen als bis­her an­ge­nom­men, ver­mu­tet er. Auch Weil wol­le man spä­ter vor­la­den.

Die Op­po­si­ti­on prä­sen­tier­te am Mon­tag in­ter­ne Mails der Lan­des­re­gie­rung, die Pörk­sens „ma­ni­pu­la­ti­ves Han­deln“(Schü­ne­mann) be­le­gen sol­len. Dem­nach ha­be sich Pörk­sen – an­ders als bis­her dar­ge­stellt – da­für stark­ge­macht, den SPD-na­hen Kro­nach­er mit der Claim-Su­che zu be­trau­en.

In­tern wur­de ge­warnt

Nach den nun vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen riet nicht nur das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um zu sau­be­rer Aus­schrei­bung (wir be­rich­te­ten ex­klu­siv). Auch in der Staats­kanz­lei gab es Be­den­ken ge­gen das spä­ter ge­wähl­te Ver­fah­ren: So warn­te Pörk­sens Stell­ver­tre­ter Micha­el Jür­dens im Ju­li 2015 „aus­drück­lich und sehr ernst­haft“vor dem Plan, über Kro­nach­er ei­nen Pitch ge­nann­ten Wer­be­agen­tur­wett­streit zu ver­an­stal­ten. „We­der ist der Pitch-Auf­trag ge­deckt durch den Ver­trag mit MK [Kro­nach­er, Anm. der Re­dak­ti­on], noch ist es recht­lich zu­läs­sig, das Ver­ga­be­recht durch sol­che Me­tho­den zu um­ge­hen“, mail­te Jür­dens an Pörk­sen. Trotz­dem blieb es bei dem Pitch.

Die Staats­kanz­lei blieb am Mon­tag bei ih­rer im Ju­ni aus­ge­ge­be­nen Li­nie. Da hat­te Staats­kanz­lei­chef Jörg Miel­ke gra­vie­ren­de „in­di­vi­du­el­le Fehl­leis­tun­gen“ein­ge­räumt, ei­ne Pörk­sen-Ent­las­sung aber aus­ge­schlos­sen. „Ei­ne Ma­ni­pu­la­ti­on ist nicht ab­les­bar und schon gar nicht be­leg­bar“, sag­te am Mon­tag der ne­ben Pörk­sen und Jür­dens drit­te Re­gie­rungs­spre­cher Olaf Rei­chert der Nach­rich­ten­agen­tur dpa.

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