Was bringt der Die­sel-Gip­fel?

Dis­kus­si­on um Nach­rüs­tun­gen und Sam­mel­kla­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Mil­lio­nen Au­to­fah­rer in Deutsch­land war­ten auf den Die­sel-Gip­fel. Wer muss zur Nach­rüs­tung? Und wer zahlt da­für, dass die Luft in den Städ­ten bes­ser wird? Bis Mitt­woch will die Bun­des­re­gie­rung ei­ne ein­heit­li­che Po­si­ti­on fin­den.

Kurz vor dem Ber­li­ner Die­sel-Gip­fel strei­ten Bun­des­re­gie­rung und Par­tei­en wei­ter über die Fol­gen des Ab­gas-Skan­dals für Au­to­fah­rer und In­dus­trie. Of­fen ist, ob die Au­to­bau­er die Ab­gas­rei­ni­gung nur über ein Up­date der Mo­tor-Soft­ware ver­bes­sern oder auch am Au­to selbst nach­rüs­ten müs­sen.

Wei­te­re Streit­punk­te sind mög­li­che Kauf­an­rei­ze für neue Die­sel­au­tos und die Ein­füh­rung von Sam­mel­kla­gen ge­gen Kon­zer­ne, an der sich meh­re­re Ver­brau­cher ge­mein­sam be­tei­li­gen kön­nen. „Die Bun­des­re­gie­rung wird mit ei­ner ab­ge­stimm­ten Po­si­ti­on in das Na­tio­na­le Fo­rum Die­sel ge­hen“, sag­te ein Spre­cher des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums am Mon­tag in Berlin.

Am Mitt­woch kom­men Ver­tre­ter von Bran­che, Bund und Län­dern zu­sam­men, um über Nach­rüs­tun­gen für Die­sel­au­tos zu ver­han­deln. In meh­re­ren Städ­ten dro­hen Fahr­ver­bo­te, weil die Be­las­tung mit ge­sund­heits­schäd­li­chem Stick­oxid deut­lich zu hoch ist.

Vor al­lem Um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) ist der Mei­nung, dass für die Au­to­bau­er güns­ti­ge­re Soft­ware-Up­dates al­lein nicht rei­chen. Da­durch wird der Stick­oxid-Aus­stoß laut dem Ver­band der Au­to­mo­bil­in­dus­trie (VDA) um 25 Pro­zent re­du­ziert.

Die Deut­sche Um­welt­hil­fe (DUH) for­der­te ei­nen ver­pflich­ten­den Rück­ruf und Nach­rüs­tun­gen für al­le neue­ren Die­sel der Ab­gas­nor­men Eu­ro 5 und Eu­ro 6. Das wür­de die Bran­che ins­ge­samt rund 13,5 Mil­li­ar­den Eu­ro kos­ten, schätz­te DUH-Ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Resch. Be­trof­fen wä­ren rund neun Mil­lio­nen Pkw in Deutsch­land.

Kauf­an­rei­ze

Um­strit­ten sind auch staat­lich fi­nan­zier­te Kauf­an­rei­ze für neue, sau­be­re­re Die­sel – et­wa Steu­er­nach­läs­se oder ei­ne Kauf­prä­mie. „Was nicht sein kann, ist, dass die Po­li­tik jetzt wie­der mit Steu­er­geld winkt“, sag­te Rei­ner Holz­na­gel, Prä­si­dent des Bunds der Steu­er­zah­ler, im Deutsch­land­funk zu ent­spre­chen­den Vor­schlä­gen un­ter an­de­ren von Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU) und des­sen nie­der­säch­si­schem Amts­kol­le­gen Ste­phan Weil (SPD).

Auf das „Ver­ur­sa­cher­prin­zip“in der Die­sel-Af­fä­re poch­te Grü­nen-Spit­zen­kan­di­da­tin Ka­trin Gö­rin­gEckardt. We­der Die­sel­fah­rer noch Steu­er­zah­ler dürf­ten be­las­tet wer­den.

Da­mit Ver­brau­cher ih­re Rech­te ge­gen­über Au­to­bau­ern durch­set­zen kön­nen, be­für­wor­ten un­ter an­de­rem SPD und Grü­ne die Mög­lich­keit von Sam­mel­kla­gen. Ei­ne so­ge­nann­te Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge, an der sich meh­re­re Ver­brau­cher be­tei­li­gen kön­nen, „könn­te den Au­to­käu­fern in Deutsch­land be­reits of­fen­ste­hen, wenn CDU/CSU sie nicht in der lau­fen­den Wahl­pe­ri­ode blo­ckiert hät­ten“, sag­te Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Vor al­lem das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um von Alex­an­der Do­brindt (CSU) ha­be die Ein­füh­rung bis­lang ver­hin­dert. CSU-Chef See­ho­fer hat­te sich da­ge­gen am Wo­che­n­en­de im ZDF an­ge­sichts des Die­selSkan­dals of­fen für Grup­pen­kla­gen ge­zeigt.

Für Är­ger in der Gro­ßen Ko­ali­ti­on sorg­te am Mon­tag zu­dem ein Be­richt über Ab­spra­chen zwi­schen Au­to­bau­ern und dem Kraft­fahrt-Bun­des­amt (KBA), das für Zu­las­sun­gen zu­stän­dig ist und dem Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um un­ter­steht. „Do­brindt muss öf­fent­lich dar­stel­len, was er, sein Mi­nis­te­ri­um und das Kraft­fahrt-Bun­des­amt wuss­ten“, for­der­te Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Bri­git­te Zy­pries (SPD). SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz sprach sich da­für aus, dem KBA Auf­ga­ben zu ent­zie­hen, da­mit Typ­zu­las­sung und Kon­trol­len nicht mehr in der Hand ei­ner Be­hör­de lie­gen. Die Op­po­si­ti­on im Bun­des­tag und Um­welt­schüt­zer be­kla­gen seit Jah­ren ei­ne zu gro­ße Nä­he von Au­to­bran­che und Po­li­tik.

Bran­che im Fo­kus: Wei­te­re Au­to-Nach­rich­ten le­sen Sie auf noz.de/vw

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