Scha­den lan­ge Ar­beits­we­ge der Pro­duk­ti­vi­tät?

Zahl der Pend­ler er­reicht neu­en Höchst­stand – Ex­per­ten stel­len mas­si­ve Be­las­tun­gen der Be­schäf­tig­ten fest

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

In Deutsch­land gibt es im­mer mehr Pend­ler. Der An­teil der Be­schäf­tig­ten, die zum Teil lan­ge We­ge zum Ar­beits­platz und zu­rück in Kauf neh­men, ist im ver­gan­ge­nen Jahr um 0,2 Pro­zent­punk­te auf ei­nen neu­en Re­kord­wert von 59,4 Pro­zent ge­stie­gen, wie das Bun­des­in­sti­tut für Bau-, Stadt- und Raum­for­schung mit­teil­te. Da­mit wuchs die Zahl der Pend­ler von knapp 18 auf 18,4 Mil­lio­nen. Kri­ti­ker se­hen im täg­li­chen Pen­deln ei­ne gro­ße Be­las­tung für die Be­schäf­tig­ten. Sie sa­gen: „Pen­deln scha­det der Pro­duk­ti­vi­tät“. Stimmt das?

In ei­ner von Re­gus – ein Un­ter­neh­men, das fle­xi­ble Bü­ro­lö­sun­gen an­bie­tet – in Auf­trag ge­ge­be­nen Stu­die heißt es, dass nur ei­ne klei­ne Min­der­heit von 17 Pro­zent der rund 40 000 be­frag­ten Ar­beit­neh­mer „den täg­li­chen Ar­beits­weg als sinn­vol­le Ar­beits­zeit für sich nutzt“. Für den Groß­teil be­deu­te das Pen­deln hin­ge­gen ei­ne „mas­si­ve Be­ein­träch­ti­gung der Pro­duk­ti­vi­tät“. Dem­nach ist laut Re­gus für die Mehr­heit der Be­frag­ten der Ar­beits­weg „we­der ef­fek­ti­ve Ar­beits­noch an­ge­neh­me Frei­zeit“.

Als Pend­ler wird je­der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Be­schäf­tig­te be­zeich­net, der die Stadt oder Ge­mein­de sei­nes Haupt­wohn­sit­zes ver­lässt, um zur Ar­beit zu ge­lan­gen. Si­mon Pfaff vom Bun­des­in­sti­tut für Be­völ­ke­rungs­for­schung (BiB) in Wies­ba­den sagt, „dass täg­li­che Pen­del­mo­bi­li­tät die kör­per­li­che und psy­chi­sche Ge­sund­heit der Er­werbs­tä­ti­gen ge­fähr­den kann“. Ne­ben Stress, Er­kran­kun­gen und ei­ner zu­neh­men­den Le­bensun­zu­frie­den­heit zählt dann auch ei­ne ver­min­der­te Pro­duk­ti­vi­tät der Ar­beit­neh­mer zu den Fol­gen.

An­ge­sichts der ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Pen­delns for­dert Lin­ken-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Sa­bi­ne Zim­mer­mann Ar­beit­ge­ber auf, „Ar­beits­zeit­mo­del­le zu fin­den, die den Be­schäf­tig­ten Fle­xi­bi­li­tät ein­räu­men und dem Pen­del­stress ent­ge­gen­wir­ken“.

Karl Bren­ke, Ar­beits­markt­ex­per­te am Deut­schen In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW), er­klärt, dass die Be­las­tun­gen der Ar­beit­neh­mer durch Heim­ar­beit re­du­ziert wer­den könn­ten. Nach ei­ner Un­ter­su­chung von Bren­ke kä­me Heim­ar­beit et­wa für 40 Pro­zent al­ler Be­schäf­tig­ten in­fra­ge, nur zwölf Pro­zent wür­den je­doch auch tat­säch­lich über­wie­gend oder teil­wei­se von zu Hau­se aus ar­bei­ten.

Das Po­ten­zi­al wer­de in Deutsch­land nicht aus­ge­schöpft, „weil vie­le Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che of­fen­bar im­mer noch starr an der Prä­senz­pflicht fest­hal­ten“, kri­ti­siert Bren­ke. Er for­dert, Heim­ar­beit stär­ker zu in­te­grie­ren: „Die Ar­beit­ge­ber soll­ten um­den­ken und die Leis­tung ei­nes Mit­ar­bei­ters nicht nach An­we­sen­heit, son­dern nach Out­put mes­sen.“

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