Klei­ne Mümm­ler, gro­ße Sprün­ge

Wes­ter­kap­pel­ner Ka­nin-Hop-Grup­pe bei Deut­schen Meis­ter­schaf­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost - Von Kat­ja Nie­mey­er

Ein klei­ner Rest­hof weit drau­ßen, in Sees­te: Vor dem Diel­en­tor ste­hen in Reih und Glied klei­ne, bun­te Hin­der­nis­se. Vor der ers­ten Hür­de hat Ka­tie Creed an die­sem son­ni­gen Vor­mit­tag So­cke in Po­si­ti­on ge­bracht.

So­cke ist ein Zwerg­wid­der-Ka­nin­chen, schwarz-weiß ge­fleckt und, wie ih­re Be­sit­ze­rin un­um­wun­den ein­räumt, „recht fett“. Die über­flüs­si­gen Pfun­de sind aber of­fen­bar kein Han­di­cap für So­cke. Im Ge­gen­teil: Nach­dem sie die klei­nen Stan­gen des ers­ten Hin­der­nis­ses ein­mal kurz be­schnup­pert hat, setzt sie aus dem Stand zum Sprung an und lan­det ga­lant auf der an­de­ren Sei­te. Ein paar Hop­pel­sprün­ge wei­ter, und So­cke er­reicht die nächs­te Hür­de. In nur we­ni­gen Mi­nu­ten hat das Ka­nin­chen den ge­sam­ten Par­cours be­wäl­tigt, der an ei­nen Spring-Par­cours für Pfer­de in Mi­ni-For­mat er­in­nert. Ka­tie Creed nimmt So­cke auf den Arm und strei­chelt sie zur Be­loh­nung.

Star­ke Kon­kur­renz

Das Duo ge­hört zur Ka­nin-Hop-Grup­pe des Ka­nin­chen­zucht­ver­eins Met­tin­gen W 817. Für die Vier­bei­ner ging es am ver­gan­ge­nen Sams­tag we­ni­ger um Möh­ren als viel­mehr um Me­dail­len: Mit ih­rer Lei­te­rin Kers­tin Creed sind die Mäd­chen mit ih­ren Ka­nin­chen zu den Deut­schen Meis­ter­schaf­ten im Ka­nin-Hop des Zen­tral­ver­ban­des der Deut­schen

Ras­se-Ka­nin­chen­züch­ter in Bre­men ge­fah­ren. Mit ei­ner Me­dail­le ka­men sie lei­der nicht nach Hau­se. „Die Kon­kur­renz ist ein­fach zu stark“, er­klärt Kers­tin Creed.

Mit flie­gen­den Oh­ren

Am Start war auch Ali­na Creed mit ih­rem Zwerg­wid­der-Ka­nin­chen Lol­ly. An­ders

als So­cke hat Lol­ly ei­ne gu­te Fi­gur. Sie ist fit, ver­harrt beim Trai­ning in Sees­te nur we­ni­ge Se­kun­den – wie in Ge­dan­ken ver­sun­ken und müm­melnd – vor der ers­ten Hür­de. Dann hopst sie mit flie­gen­den Oh­ren los. Ali­na Creed, die das Ka­nin­chen lo­cker an der Lei­ne führt, muss sich spu­ten, um hin­ter­her­zu­kom­men.

Die 17-Jäh­ri­ge ge­hört zu­sam­men mit Mai­ra Bey­er zu den er­folg­reichs­ten Ka­nin­Hop-Sport­le­rin­nen in der Grup­pe. Die bei­den Mäd­chen hat­ten sich bei ver­schie­de­nen Tur­nie­ren im Vor­feld für die Deut­schen Meis­ter­schaf­ten qua­li­fi­ziert.

„Bei dem Sport kön­nen sich die Mäd­chen sehr gut mit ih­ren Ka­nin­chen be­schäf­ti­gen“, er­läu­tert Kers­tin Creed.

Stren­ge Re­geln

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind zahl­rei­che Ka­nin­Hop-Grup­pen in den Ka­nin­chen­zucht­ver­ei­nen des Lan­des

ent­stan­den. Bei den Wett­be­wer­ben gibt es un­ter­schied­li­che Schwie­rig­keits­gra­de. Die Hin­der­nis­se sind zwi­schen 25 und 45 Zen­ti­me­ter hoch und bis zu 70 Zen­ti­me­ter weit. Wer sein Tier drei­mal an­stup­sen muss, um es aufs Hin­der­nis zu füh­ren, be­kommt ei­nen Punkt­ab­zug. Und na­tür­lich geht es in den Wett­be­wer­ben auch um die be­nö­tig­te Zeit. Dreht sich ei­ner der Mümm­ler um und läuft in Rich­tung Start­punkt oder ver­lässt er den mar­kier­ten Par­cours­be­reich, wer­de er dis­qua­li­fi­ziert, er­läu­tert Kers­tin Creed, die selbst bei Ka­nin-Hop-Wett­be­wer­ben als Schieds­rich­te­rin im Ein­satz ist.

Bloß kein Zwang

Zu den Deut­schen Meis­ter­schaf­ten war sie mit John­ny ge­reist. Das Ha­sen­ka­nin­chen ist hoch ge­wach­sen und könn­te, wenn es woll­te, die Hür­den mü­he­los über­win­den. Aber John­ny scheint ein eher läs­si­ger Typ zu sein mit

al­ler­lei Flau­sen im Kopf. Je­den­falls reißt er ei­ne Hür­de nach der nächs­ten, wohl aus Un­auf­merk­sam­keit, wie sei­ne Be­sit­ze­rin Kers­tin Creed ver­mu­tet.

Zwin­gen las­se sich ein Tier aber auch nicht, ist die Ka­nin­chen­züch­te­rin über­zeugt. „Ent­we­der es macht ihm Spaß oder nicht.“Und man­che Ka­nin­chen sei­en eben sport­li­cher als an­de­re. Über­trie­be­ner Ehr­geiz sei oh­ne­hin nicht an­ge­bracht: „Das Ka­nin­chen springt nur, wenn es sprin­gen will, und nicht, wenn es der Mensch möch­te.“

Ka­nin-Hop gilt in Deutsch­land noch als exo­tisch, ob­wohl es bun­des­weit be­reits meh­re­re Ver­ei­ne gibt, die sich re­gel­mä­ßig mit­ein­an­der mes­sen. Er­fun­den wur­de die Sport­art vor über 25 Jah­ren in Dä­ne­mark und Schwe­den.

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So­cke, Ole, Lol­ly und Co.: Die Hin­der­nis­se, über die die Ka­nin­chen hop­sen, sind zwi­schen 25 und 45 Zen­ti­me­ter hoch. Die Vier­bei­ner sprin­gen frei­wil­lig, sagt Trai­ne­rin Kers­tin Creed. Fo­tos: Kat­ja Nie­mey­er

Hopp­ler an der Hür­de: Zwi­schen 25 und 45 Zen­ti­me­ter hoch sind die Hin­der­nis­se beim Ka­nin-Hop.

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