In­tak­ter Mär­chen­wald un­ter Was­ser

Bü­re­ner tau­chen vor Atau­ro

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost - Von An­ge­li­ka Hitz­ke und Udo Kef­rig (Fo­tos) Hin­kom­men: mit Aqua­ven­ture (www.aqua­ven­ture-tauch­rei­sen.de).

„Wahn­sinn. Der Ham­mer!“Ro­se Kef­rig, Ehe­frau des Bü­re­ner Un­ter­was­ser­fo­to­gra­fen Udo Kef­rig, Über­set­ze­rin und für die re­gel­mä­ßig in ein­schlä­gi­gen Tau­cher­ma­ga­zi­nen er­schei­nen­den Tex­te der ge­mein­sa­men Tauch­re­por­ta­gen ver­ant­wort­lich, ge­rät ins Schwär­men, wenn sie von der Rei­se nach Atau­ro im Ok­to­ber 2016 er­zählt.

LOT­TE. Sie­ben Ta­ge lang tes­te­te das Paar aus dem Lot­ter Orts­teil auf der zu Ost­ti­mor ge­hö­ren­den, nur rund 23 Ki­lo­me­ter lan­gen und bis zu neun Ki­lo­me­ter brei­ten In­sel in der Ban­da-See das „Atau­ro Di­ve Re­sort“in Be­loi Vil­la­ge und die Tauch­grün­de dort.

„Das Tau­chen war sen­sa­tio­nell“, sagt die aus En­g­land stam­men­de Bü­re­ne­rin und be­rich­tet von rie­si­gen in­tak­ten Koral­len­rif­fen, ei­ner „un­glaub­li­chen“Ar­ten­viel­falt un­ter Was­ser und kris­tall­kla­rem Was­ser mit Sicht­wei­ten von 40, 50 Me­tern. Laut ei­ner Ver­öf­fent­li­chung von 2016 sind die Rif­fe Atau­ros die ar­ten­reichs­ten welt­weit.

Zur­zeit schreibt Ro­se dar­über ei­ne Re­por­ta­ge. Die Un­ter­was­ser-Fo­tos da­zu hat na­he­zu aus­schließ­lich Ehe­mann Udo Kef­rig ge­schos­sen.

Öko-Re­sort ge­tes­tet

„Von dem Öko-Re­sort ha­ben wir auf dem Se­gel­schiff Ami­ra ge­hört“, er­zählt Ro­se Kef­rig. Mit dem wa­ren sie und ihr Mann in In­do­ne­si­en un­ter­wegs – auf Tauch­rei­se, ver­steht sich. Da Atau­ro als das ur­sprüng­lichs­te und ei­nes der bes­ten Tauch­ge­bie­te in Ost­ti­mor gilt, von der Koral­len­blei­che noch ver­schont ge­blie­ben und Ziel ins­be­son­de­re aus­tra­li­scher For­scher und Tau­cher ist, ent­schlos­sen sich die Bü­re­ner, die klei­ne Ba­sis dort für an­de­re Tauch­tou­ris­ten zu tes­ten.

Ei­ne Wo­che war viel zu we­nig, um al­le Tauch­plät­ze zu se­hen. Sie hät­ten sich zu­nächst auf die Koral­len und die Koral­len­fi­sche be­schränkt und müss­ten un­be­dingt noch ein­mal dort­hin, um auch die Hots­pots mit den Groß­fi­schen, Schild­krö­ten, Hai­en, Wa­len und Del­fi­nen zu se­hen, er­klärt Ro­se und be­rich­tet: „Ich dach­te, was glit­zert das Was­ser da drau­ßen vorm Strand so? Das wa­ren gan­ze Schu­len von Del­fi­nen und Wa­len, die da vor­bei­zo­gen!“Von der Veran­da ih­rer Hüt­te hat­ten die Bü­re­ner den di­rek­ten Blick aufs nur we­ni­ge Me­ter ent­fern­te Meer.

Von Di­li, der Haupt­stadt Ost­ti­mors, setz­ten die Kef­rigs statt mit der gro­ßen Fäh­re, die et­wa zwei St­un­den braucht, mit ei­nem Ein­hei­mi­schen in ei­nem klei­nen Boot nach Atau­ro über. Schon das war ein Aben­teu­er, wie die Bü­re­ne­rin er­zählt: Auf hal­ber Stre­cke setz­te der Mo­tor aus. „Er hat dann ei­nen Ham­mer raus­ge­holt und ein paar Mal drauf­ge­hau­en. Dann lief der Mo­tor wie­der.“Ein Stück vorm Ufer stopp­te der Boots­füh­rer, und es hieß aus­stei­gen: „Wir muss­ten mit dem Kof­fer auf dem Kopf zum Strand wa­ten. Ich stand bis zur Hüf­te im Was­ser“, lacht Ro­se Kef­rig bei der Er­in­ne­rung.

Am Ufer wur­den sie vom Re­sort-In­ha­ber Vol­ker Kat­zung, ei­nem Deut­schen, der mit sei­ner aus Ke­nia stam­men­den Ehe­frau Sa­fi auf Atau­ro hän­gen ge­blie­ben ist, be­grüßt und mit ei­nem Pick­up zur Un­ter­kunft ge­fah­ren: „Udo muss­te hin­ten auf die La­de­flä­che und das Ge­päck fest­hal­ten.“

Das Re­sort be­steht aus drei Gäs­te-Bun­ga­lows, ei­ner Koch­hüt­te und ei­ner Hüt­te mit zwei Toi­let­ten. „Flie­ßend Was­ser gibt es nicht, die Toi­let­ten sind Plumps­klos. Aber es gibt Strom und In­ter­net, das so­gar schnel­ler ist als hier zu Hau­se. Und es ist al­les su­per sau­ber“, so Ro­se.

Da sie ins­ge­samt 48 St­un­den un­ter­wegs ge­we­sen wa­ren und es um die 30 Grad heiß war, ha­be sie du­schen wol­len: „Ei­ne Du­sche gibt es auch. Aber we­gen der Tro­cken­heit durf­te man aus dem gro­ßen Bot­tich nur zwei Schöpf­kel­len Was­ser am Tag pro Na­se zum Wa­schen ver­brau­chen.“Zum Zäh­ne­put­zen und Ko­chen wird Trink­was­ser ver­wen­det, das man in Ka­nis­tern im La­den kau­fen kann: „ Es gibt nur ei­ne ein­zi­ge Süß­was­ser­quel­le auf der In­sel; Bä­che und Flüs­se trock­nen von Mai bis Ok­to­ber aus. Das Was­ser kommt aus Zis­ter­nen oder wird mit dem Schiff aus Di­li ge­bracht.“

In­tak­te Rif­fe

Zu den Be­son­der­hei­ten der Ba­sis ge­hö­re, dass man mit ei­nem Tauch­gui­de im Aus­le­ger­ka­nu nicht nur zu traum­haf­ten Tauch­plät­zen mit ba­de­wan­nen­war­mem Was­ser fah­ren und ei­ne in­tak­te, far­ben­fro­he Un­ter­was­ser­welt ent­de­cken, son­dern auch schon di­rekt von der Hüt­te aus mit den Fla­schen auf dem Rü­cken die we­ni­gen Me­ter über den Strand ins Was­ser ge­hen kön­ne. „Ins­ge­samt ist die Ba­sis schön ge­le­gen, hat neue Aus­rüs­tung, sehr net­te und hilfs­be­rei­te Be­sit­zer und Mit­ar­bei­ter, zwei Hun­de und ei­ne lus­ti­ge Zie­ge als Haus­tier. Emp­feh­lens­wert für Aben­teu­rer, die auf Kom­fort ver­zich­ten kön­nen“, so Ro­se Kef­rigs Fa­zit.

Sa­fi Kat­zung ko­che nicht nur her­vor­ra­gend und zau­be­re auf Wunsch so­gar Eis­bein mit Sau­er­kraut, son­dern ma­che ganz her­vor­ra­gen­des Eis selbst: „Bes­ser als ita­lie­ni­sches Eis“, schwärmt Ro­se.

Nur ge­gen die Mü­cken soll­te man mit tro­pen­ge­eig­ne­ten Re­pellents ge­wapp­net sein – und mit tie­ri­schen Über­ra­schun­gen rech­nen: In der Hän­ge­mat­te macht es sich schon mal die Zie­ge des Hau­ses be­quem. Im Fass mit dem Du­sch­was­ser tum­meln sich Mü­cken­lar­ven. Auf den Stra­ßen lau­fen Schwei­ne und Hüh­ner zwi­schen den TukTuks her­um. Und als Ro­se Kef­rig ei­nes Abends ihr Mos­ki­to­netz her­un­ter­ließ, er­starr­te sie vor Schreck, weil ei­ne „tel­ler­gro­ße Spin­ne“, die wohl un­term Palm­stroh­dach ge­ses­sen hat­te, aufs Bett plumps­te. Vol­ker be­för­der­te die Vo­gel­spin­ne mit ei­nem Ke­scher nach drau­ßen.

Rei­ner Ge­nuss wa­ren hin­ge­gen die Tauch­gän­ge zwi­schen Schwär­men von Fi­schen, Se­pi­en, Kal­ma­ren, Mee­res­schne­cken, Gar­ne­len, Kreb­sen, über­di­men­sio­na­len Schwäm­men und rie­si­gen Koral­len in al­len Far­ben und For­men: „Ich kam mir vor wie ei­ne Fee im Mär­chen­wald!“ Bil­der­ga­le­rie von der Atau­ro-Rei­se und mehr aus Lot­te un­ter www.noz.de/lot­te

Gast­ge­ber Sa­fi und Vol­ker Kat­zung schnor­cheln am Strand vor ih­rem Atau­ro Di­ve Re­sort.. Fo­tos: Udo Kef­rig/An­ge­li­ka Hitz­ke

Ne­mos Bru­der lugt aus dem Ver­steck.

Krus­ten­a­ne­mo­ne. Ro­se Kef­rig schreibt ih­ren Ar­ti­kel (klei­nes Foto).

Tin­ten­fisch der Ord­nung Se­pia.

Koral­len in al­len Far­ben und For­men und Schwär­me von Fi­schen.

Ein­fach, aber sau­ber: die drei Stroh­dach-Bun­ga­lows.

Ein Kai­ser­fisch.

Ge­le­ge der Spa­ni­schen Tän­ze­rin, ei­ner Mee­res­schne­cke.

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