Wo­hin geht der Weg?

Jo­nes bit­tet nach EM-Aus um Zeit für Ana­ly­se – Ma­roz­san mit Plä­doy­er für Trai­ne­rin

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Su­san­ne Fet­ter

Bloß schnell weg hier: Be­reits um neun Uhr reis­ten die deut­schen Fuß­bal­le­ri­nen am Mon­tag aus ih­rem Te­am­quar­tier in Sint-Mi­chiels­ge­s­tel ab, nach­dem die Mis­si­on Eu­ro­pa­meis­ter­schaft mit dem Aus im Vier­tel­fi­na­le ge­gen Dä­ne­mark be­en­det war. Die Fra­ge ist nun: Geht der Weg, den St­ef­fi Jo­nes ein­ge­schla­gen hat, wei­ter? Es war wie auf dem Spiel­feld. Ba­bett Pe­ter ging mal wie­der vor­an. Die In­nen­ver­tei­di­ge­rin, von Bun­des­trai­ne­rin St­ef­fi Jo­nes wäh­rend des Tur­niers als „Fels in der Bran­dung“be­zeich­net, trat am Mon­tag­mor­gen als Ers­te vor die Mi­kro­fo­ne. Ganz so en­er­gisch wie in den Spie­len ge­gen Ita­li­en und Russ­land, als sie zwei Elf­me­ter ver­senk­te, schritt sie kurz vor der Ab­fahrt aus den Nie­der­lan­den al­ler­dings nicht vor­an. „Mei­ne Nacht war kurz“, be­rich­te­te sie. Lan­ge ha­be man zu­sam­men­ge­ses­sen und ge­re­det, um Grün­de für das Aus­schei­den zu er­ör­tern. „Es gab un­ter­schied­li­che An­satz­punk­te. Wir ha­ben noch kei­ne rich­ti­ge Er­klä­rung ge­fun­den, war­um wir kol­lek­tiv ver­sagt ha­ben“, füg­te Pe­ters an.

Wäh­rend sie sprach, scho­ben die ers­ten Team­kol­le­gin­nen ih­re Roll­kof­fer Rich­tung Mann­schafts­bus. Nicht al­le stie­gen zu. Nur die, für die es zum Flug­ha­fen ging. Der Rest reis­te mit der Bahn oder dem Au­to ab. Bun­des­trai­ne­rin St­ef­fi Jo­nes wur­de von ih­rer Frau ab­ge­holt.

Vor­her stell­te auch sie sich noch den Jour­na­lis­ten. Und auch ihr stand die Ent­täu­schung noch ins Ge­sicht ge­schrie­ben. „Das ist schon ein har­ter Bro­cken. Na­tür­lich ist die Ent­täu­schung noch nicht weg“, be­ton­te die 44-Jäh­ri­ge, die sonst so ger­ne und oft lacht, mit ver­stei­ner­ter Mie­ne.

Sie weiß, es geht jetzt vor al­lem um ih­re Per­son. Jo­nes, die 2007 den Trai­ner­lehr­gang ab­sol­vier­te, aber bis letz­tes Jahr noch kein Team coach­te, hat­te ein gro­ßes Er­be an­ge­tre­ten. Sechs­mal in Fol­ge hat­te die DFB-Aus­wahl den EMTi­tel ge­holt. Da ist das erst­ma­li­ge Aus im Vier­tel­fi­na­le doch et­was früh.

Noch am Abend ha­be sie mit DFB-Prä­si­dent Rein­hard Gr­in­del te­le­fo­niert, er­klär­te sie. Bis 2018 läuft Jo­nes’ Ver­trag beim Deut­schen Fuß­ball-Bund. Ob er ihr ei­ne Ar­beits­platz­ga­ran­tie ge­ge­ben hat, wur­de sie ge­fragt. Die Ant­wort war aus­wei­chend: „Dar­um geht es nicht.“

Sie selbst will ger­ne wei­ter­ma­chen und ih­ren Weg der Er­neue­rung ge­hen. „Das ist ein Pro­zess, der noch längst nicht ab­ge­schlos­sen ist“, be­tont sie: „Und der DFB will ihn auch ge­hen.“

Das gilt auch für die Spie­le­rin­nen. Das be­ton­te Dz­se­ni­fer Ma­roz­san. „Mir tut es am meis­ten leid für sie. Wir ha­ben sie im Stich ge­las­sen. Sie hat so viel in­ves­tiert. Sie muss über­haupt nicht um ih­ren Job zit­tern. Die Mann­schaft steht voll hin­ter ihr“, gab die Ka­pi­tä­nin ein Plä­doy­er für die Bun­des­trai­ne­rin ab. Mit ei­nem kurz­ärm­li­gen Shirt, die Hän­de in die Ho­sen­ta­schen ge­steckt und den Kopf zu Bo­den ge­senkt, war sie eben­falls vor die Ka­me­ras, Mi­kro­fo­ne und Auf­nah­me­ge­rä­te ge­tre­ten. Die 25-Jäh­ri­ge spricht nie be­son­ders laut. Aber nach dem EM-Aus wirk­te sie be­son­ders an­ge­schla­gen.

Ja, es sei auch ei­ne „per­sön­li­che Nie­der­la­ge“, ge­stand Ma­roz­san. „Die Art und Wei­se, wie wir ver­lo­ren ha­ben, das hat mich am meis­ten ver­letzt. Das ist als Sport­ler schwer zu ak­zep­tie­ren.“Für sie war klar, die Ein­stel­lung hat ge­fehlt. „Da sind wir uns al­le ei­nig.“Nur in der Fra­ge nach dem War­um, da müs­se man noch for­schen.

Ob es dar­an lag, dass die Mann­schaft nach dem 1:0 be­gann nach­zu­den­ken und des­halb eher ver­such­te, kein Ge­gen­tor mehr zu kas­sie­ren? „Das kann sein“, sag­te Jo­nes und ver­wies er­neut auf die erst zu leis­ten­de Aus­wer­tung des Tur­niers.

Ob sie da­für die Zeit be­kommt? Aus den Rei­hen der Bun­des­li­gis­ten ka­men bis­her eher un­ter­stüt­zen­de Si­gna­le. Nur we­ni­ge – dar­un­ter na­tur­ge­mäß Ex-Tur­bi­ne-Trai­ner Bernd Schö­der – äu­ße­ren har­te Kri­tik an Jo­nes.

Doch wie­so zö­gert der DFB dann? Auch hier wol­le man erst ein­mal ih­re Ana­ly­se ab­war­ten, er­klär­te Jo­nes. Ihr Ar­beit­ge­ber wol­le wis­sen: „Wo­hin soll der Weg ge­hen? Wie kom­men wir wie­der in die Er­folgs­spur?“, er­klär­te sie: „Da­für ha­be ich volls­tes Ver­ständ­nis.“Es deu­tet vie­les dar­auf hin, dass die Mann­schaft, die am Mon­tag in al­le Him­mels­rich­tun­gen ver­schwand, ih­ren Weg wei­ter geht – mit Jo­nes.

Im­mer noch ent­täuscht: St­ef­fi Jo­nes stellt sich vor der Ab­fahrt von der EM den Fra­gen der Jour­na­lis­ten. Foto: dpa

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