Dia­ko­nie hilft, Ar­beit und Pfle­ge zu ver­ein­ba­ren

Be­trieb­li­che So­zi­al­be­ra­tung in Stadt und Land­kreis er­wei­tert

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Wenn ein Mensch plötz­lich pfle­ge­be­dürf­tig wird, ist es häu­fig an den An­ge­hö­ri­gen, sich in The­men wie Pfle­ge­stu­fen und Be­treu­ungs­mög­lich­kei­ten ein­zu­ar­bei­ten. Zu­sätz­lich zum ei­ge­nen Job kann das zum Kraft­akt wer­den. Die Dia­ko­nie in Stadt und Land­kreis Os­na­brück hat da­her ih­re be­trieb­li­che So­zi­al­be­ra­tung er­wei­tert und als neu­en Baustein ein Kon­zept er­ar­bei­tet, bei dem es spe­zi­ell um die Ver­ein­bar­keit von Pfle­ge und Beruf geht.

37 Be­trie­be be­rät die Dia­ko­nie in Stadt und Land­kreis, dar­un­ter te­tra, Schöl­ler und Be­hör­den. Es geht um Suchtberatung, Fi­nanz­coa­ching oder Kri­sen­in­ter­ven­ti­on. Der Ar­beit­ge­ber zahlt die Be­ra­tung. Die Rech­nung ist ein­fach: Wenn ein Mit­ar­bei­ter pri­va­te Pro­ble­me hat, ist es ef­fek­ti­ver und spart da­mit Geld, wenn der An­ge­stell­te pro­fes­sio­nel­le Be­ra­tung in An­spruch nimmt.

Rund drei Mil­lio­nen Men­schen sind ak­tu­ell in Deutsch­land pfle­ge­be­dürf­tig. Ten­denz stark stei­gend. Den Be­darf spü­ren auch die Be­ra­ter des Dia­ko­ni­schen Wer­kes. „Die An­fra­gen im Be­reich Pfle­ge ha­ben zu­ge­nom­men“, sagt Hei­ko Chris­ti­an Gru­be, Ge­schäfts­füh­rer des Dia­ko­ni­schen Wer­kes in Stadt und Land­kreis Os­na­brück. „Die Leu­te ha­ben kei­ne Lust, ins Al­ten­heim zu ge­hen. Sie wol­len zu Hau­se blei­ben.“ Dann stell­ten sich je­doch Fra­gen: Wie be­kom­me ich ei­nen Haus­not­ruf? Wie be­kom­me ich Es­sen auf Rä­dern? Wie stel­le ich An­trä­ge?

Mitt­ler­wei­le gibt es An­sprü­che auf Frei­stel­lun­gen und Un­ter­stüt­zungs­gel­der, wenn An­ge­hö­ri­ge ge­pflegt wer­den müs­sen. „Ich glau­be, dass wir ein über­wie­gend funk­tio­nie­ren­des So­zi­al­sys­tem ha­ben, aber es be­steht die Ge­fahr, dass man sich im An­ge­bots­dschun­gel ver­läuft“, sagt Gru­be. Als Weg­wei­ser durch den Dschun­gel hat die Dia­ko­nie ein Kon­zept er­ar­bei­tet, mit dem sie ih­re Be­ra­tung in Un­ter­neh­men er­wei­tert. „PIA“heißt das Pro­gramm. Das steht für „Pfle­ge in der Ar­beits­welt“. Da­zu ge­hört die Ver­mitt­lung von Haus­not­ruf­diens­ten, die am­bu­lan­te Ver­sor­gung Pfle­ge­be­dürf­ti­ger, Ta­ges­pfle­ge oder auch die dau­er­haf­te Auf­nah­me in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen. „Wir sind Ver­mitt­lungs­lot­se“, sagt Gru­be.

Die Dia­ko­nie hilft auch, wenn ein Mit­ar­bei­ter selbst er­krankt oder nicht mehr ar­bei­ten kann. Ein Mit­ar­bei­ter ei­nes Os­na­brü­cker Un­ter­neh­mens, der an­onym blei­ben möch­te, hat die­se Er­fah­rung ge­macht. Nach ei­ner schwe­ren Er­kran­kung hat er über die be­trieb­li­che So­zi­al­be­ra­tung die Hil­fe der Dia­ko­nie in An­spruch ge­nom­men. Der Be­ra­ter half bei den The­men Ren­te und Re­ha. „Ich hät­te nicht ge­wusst, wie ich da vor­ge­hen soll“, sagt der Mann. „Es ist su­per, wenn man je­man­den hat, der weiß, wie das funk­tio­niert.“

Auch das nie­der­säch­si­sche Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um ist auf das Kon­zept der Dia­ko­nie auf­merk­sam ge­wor­den. Es sei ein Gewinn für Ar­beit­neh­mer und Un­ter­neh­men und leis­te ei­nen „wich­ti­gen Bei­trag, um Beruf und Pfle­ge bes­ser zu ver­ein­ba­ren“, sag­te ein Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher. „Das Pro­jekt ent­las­tet die Be­schäf­tig­ten von In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung und ge­währ­leis­tet, dass sie an ih­ren Ar­beits­plät­zen ver­blei­ben kön­nen und Aus­fall­zei­ten in den Be­trie­ben mi­ni­miert wer­den.“

Beruf und die Pfle­ge An­ge­hö­ri­ger sol­len Ar­beit­neh­mer künf­tig bes­ser ver­ein­ba­ren kön­nen.

Sym­bol­bild: dpa

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