Sol­da­ten be­kämp­fen Mü­cken

Mehr als 300 Den­gue-To­te in Sri Lan­ka – Rei­se­war­nun­gen aus­ge­spro­chen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel - Gelb­fie­ber­mü­cke.

Zwei bis drei Pa­ti­en­ten pro Kran­ken­haus­bett: Bei dem schlimms­ten Aus­bruch in der Ge­schich­te Sri Lan­kas sind be­reits mehr als 100 000 Men­schen an Den­gue-Fie­ber er­krankt.

CO­LOM­BO. Es ist ei­ner der größ­ten Ein­sät­ze für Sri Lan­kas Mi­li­tär seit En­de des Bür­ger­kriegs vor acht Jah­ren: Zu­sam­men mit der Po­li­zei ge­hen Sol­da­ten in der Haupt­stadt Co­lom­bo von Haus zu Haus, um Brut­stät­ten für Mü­cken zu be­sei­ti­gen. Auch Schul­kin­der hel­fen mit. Be­woh­ner, auf de­ren Grund­stück ste­hen­des Was­ser ent­deckt wird, in dem Mü­cken brü­ten, müs­sen ei­ne Stra­fe zah­len. Der Grund für die Ak­ti­on: Sri Lan­ka er­lebt der­zeit den laut Ro­tem Kreuz schlimms­ten Aus­bruch von Den­gue-Fie­ber sei­ner Ge­schich­te.

„Wir brau­chen die Mit­ar­beit der Öf­fent­lich­keit, um die Aus­brei­tung von Den­gue un­ter Kon­trol­le zu brin­gen“, sagt Ge­sund­heits­mi­nis­ter Ra­ji­tha Sen­arat­ne. „Die Re­gie­rung steckt all ih­re An­stren­gun­gen in die Ein­däm­mung der Krank­heit.“

Mehr als 114 000 Men­schen sind in die­sem Jahr nach of­fi­zi­el­len Zah­len in dem In­sel­staat im In­di­schen Oze­an an dem Vi­rus er­krankt, 315 sind ge­stor­ben. Das sind be­reits mehr als dop­pelt so vie­le In­fek­tio­nen und fast drei­mal so vie­le To­te wie im gan­zen ver­gan­ge­nen Jahr.

Das Den­gue-Fie­ber ist ei­ne in den Tro­pen und Sub­tro­pen weit­ver­brei­te­te Vi­ren­krank­heit, die von vor­wie­gend tagak­ti­ven Stech­mü­cken über­tra­gen wird. Die In­fek­ti­on ver­ur­sacht Fie­ber, Kopf und Glie­der­schmer­zen. In schwe­ren Fäl­len kommt es zu Ge­fäß­schä­den und in­ne­ren Blu­tun­gen. Welt­weit er­kran­ken nach An­ga­ben der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) je­des Jahr fast 400 Mil­lio­nen Men­schen an Den­gue-Fie­ber. Ei­ne schüt­zen­de Imp­fung gibt es bis­lang nicht – ein um­strit­te­ner neu­er Impf­stoff ist bis­her nur in we­ni­gen Län­dern zu­ge­las­sen.

Co­lom­bos Kran­ken­häu­ser sind der­zeit völ­lig über­füllt: Oft müs­sen sich zwei oder drei Pa­ti­en­ten ein Bett tei­len. Man­che Kli­ni­ken wei­sen Kran­ke ab. Be­trof­fen sind zu­dem nicht nur die Pa­ti­en­ten. „Mei­ne Schwes­ter Ano­ma ar­bei­te­te Über­trä­ger der Vi­ren: in ei­nem Kran­ken­haus am Emp­fang. Sie hat Fie­ber be­kom­men und ist nach nur zwei Ta­gen ge­stor­ben“, er­zählt Anu­ra Dis­s­ana­ya­ke, ein Be­woh­ner von Co­lom­bo.

In Sri Lan­ka und an­de­ren Län­dern Süd­asi­ens brin­gen die Re­gen­fäl­le der Monsun­zeit Brut­stät­ten für Mü­cken mit sich – und da­mit die von den In­sek­ten über­tra­ge­nen Krank­hei­ten. Da­zu ge­hö­ren auch Mala­ria und Chikun­gun­ya-Fie­ber. Schlim­mer als sonst ist es nun auch we­gen der sich sta­peln­den Müll­hau­fen an den Stra­ßen­rän­dern der Haupt­stadt. Im April stürz­te ei­ne Müll­de­po­nie in ei­nem Vo­r­ort von Co­lom­bo ein und be­grub Dut­zen­de Häu­ser un­ter sich. Min­des­tens 30 Men­schen star­ben. Seit­dem fehlt es an ei­nem Ort für den Ab­fall der Stadt. „Das hat di­rekt mit der Den­gue-Si­tua­ti­on zu tun, denn die Mü­cken brü­ten in den ver­stopf­ten Ab­flüs­sen“, er­klärt der Um­welt­ak­ti­vist Su­pun La­hiru.

Auch Ge­gen­den des Lan­des wie die bei Tou­ris­ten be­lieb­te Süd­küs­te sind nicht ver­schont ge­blie­ben. Meh­re­re Län­der ha­ben Rei­se­war­nun­gen aus­ge­spro­chen. Deutsch­land ge­hört bis­lang nicht da­zu.

ei­ne Foto: dpa

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