Wenn Gren­zen ver­schwim­men

Ju­gend­li­che kön­nen Pro­dukt­plat­zie­run­gen in so­zia­len Me­di­en häu­fig nicht er­ken­nen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen - Von Mar­cel Ka­wen­tel

Im­mer wie­der be­leuch­tet die Me­di­en­päd­ago­gik die Nut­zung neu­er Me­di­en durch Kin­der und Ju­gend­li­che. Die Lan­des­me­di­en­an­stal­ten und die Initia­ti­ve „Schau hin!“wid­men sich nun dem The­ma Schleich­wer­bung und Pro­dukt­plat­zie­rung in den so­zia­len Netz­wer­ken.

Ob Kos­me­tik­ar­ti­kel, PC-Spie­le oder Elek­tro­nik­wa­re – das Tes­ten, Be­wer­ten oder auch nur Nut­zen von Pro­duk­ten durch be­lieb­te Youtuber oder Ins­ta­gram-Nut­zer ist für Her­stel­ler längst ei­ne ech­te Al­ter­na­ti­ve zur her­kömm­li­chen Wer­bung ge­wor­den. Die durch Ver­trau­en und Au­then­ti­zi­tät be­stimm­te Be­zie­hung zwi­schen den so­ge­nann­ten In­flu­en­cern („Be­ein­flus­s­ern“) und ih­ren Abon­nen­ten, Fans und Fol­lo­wern ist für Wer­be­trei­ben­de von un­schätz­ba­rem Wert. Um­so stär­ker ver­schwim­men auf den In­ter­net-Platt­for­men die Gren­zen zwi­schen re­dak­tio­nel­lem In­halt und Wer­bung.

„Kin­der und Ju­gend­li­che sind emp­fäng­lich da­für, wenn ih­re Ido­le Pro­duk­te emp­feh­len“, er­klärt Me­dien­coach Kris­tin Lan­ger von der Initia­ti­ve „Schau hin! Was Dein Kind mit Me­di­en macht“des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums mit den Sen­dern Das Ers­te und ZDF so­wie TV Spiel­film. „Da­bei mer­ken sie oft nicht, dass dies be­zahl­te Wer­bung ist. Des­halb ist es wich­tig, dass El­tern dar­über auf­klä­ren und zu ei­ner ge­sun­den Skep­sis

er­mu­ti­gen“, so Lan­ger. Die­se Auf­klä­rung setzt al­ler­dings vor­aus, dass die El­tern Schleich­wer­bung oder Pro­dukt­plat­zie­rung er­ken­nen kön­nen.

Sind Pro­duk­te in die re­dak­tio­nel­len In­hal­te ei­nes Vi­de­os ein­ge­bet­tet, han­delt es sich um Pro­dukt­plat­zie­rung. Bei ei­nem Pro­dukt­wert von über 1000 Eu­ro muss die­se als sol­che ge­kenn­zeich­net wer­den, wie ei­ne Hand­rei­chung der Lan­des­me­di­en­an­stal­ten

aus­führt. Schleich­wer­bung liegt vor, wenn ei­ne sol­che Kenn­zeich­nung von Wer­bung nicht statt­fin­det. So muss­te sich das er­folg­rei­che Youtu­be-Trio Y-Tit­ty 2014 Vor­wür­fen des SWR stel­len, Pro­duk­te von Co­ca-Co­la, McDo­nald’ s oder Samsung prä­sen­tiert zu ha­ben, oh­ne dies aus­rei­chend als kom­mer­zi­el­le Zu­sam­men­ar­beit mit den Fir­men zu kenn­zeich­nen. Der Youtuber „Fly­ing Uwe“wur­de jüngst so­gar zu ei­nem

Buß­geld von 10 500 Eu­ro ver­don­nert, weil er Vi­de­os, in de­nen er Pro­duk­te als po­si­tiv be­wer­tet, nicht als Dau­er­wer­be­sen­dung ge­kenn­zeich­net hat.

Für Youtuber ist das Spon­so­ring ei­ne wich­ti­ge Ein­nah­me­quel­le, da die Be­tei­li­gung an den Klick­zah­len durch Youtu­be al­lein für ei­ne Fi­nan­zie­rung der Tä­tig­kei­ten mit­un­ter nicht aus­reicht. Das führt et­wa der Ga­mes-Ex­per­te Fa­bi­an Sie­gis­mund in ei­nem Vi­deo aus, das er in Ko­ope­ra­ti­on mit „Schau hin!“in der For­mat­rei­he „The Wal­king Dad“er­stellt hat. „Schau hin!“zeigt da­mit selbst, wie ef­fi­zi­ent die Mecha­nik ist, ei­ge­ne In­hal­te über Ido­le an die Ziel­grup­pe zu brin­gen.

Doch Kin­der und Ju­gend­li­che sind nicht mehr nur Emp­fän­ger di­gi­ta­ler Me­di­en, son­dern auch Ma­cher. So wen­det sich der Leit­fa­den zu Wer­bung in den so­zia­len Me­di­en der Lan­des­me­di­en­an­stal­ten di­rekt an die Her­an­wach­sen­den und nimmt sie als Me­di­en­pro­du­zen­ten in die Ver­ant­wor­tung. Der Fly­er er­klärt schritt­wei­se und leicht ver­ständ­lich, was zu tun ist, wenn man auf Youtu­be, Ins­ta­gram oder Face­book Pro­duk­te in sei­ne Bei­trä­ge ein­bet­tet. Youtu­be selbst bie­tet da­zu ei­ne An­lei­tung, die kürz­lich um ein wei­te­res Tool zur Kennt­lich­ma­chung von werb­li­chen In­hal­ten er­wei­tert wur­de. Auch Ins­ta­gram will nach­zie­hen und künf­tig Wer­be-Posts als „be­zahl­te Part­ner­schaft“kennt­lich ma­chen.

Trotz­dem liegt die Ver­ant­wor­tung für die Kenn­zeich­nung letzt­lich beim Pro­du­zen­ten der In­hal­te. Und ob ein Spon­so­ring zwangs­läu­fig zu ei­ner ten­den­ziö­sen Darstel­lung ei­nes Pro­duk­tes führt, stellt Fa­bi­an Sie­gis­mund zu­recht in­fra­ge.

Wer Schleich­wer­bung ent­deckt, kann das di­rekt dem Platt­form­be­trei­ber, den Lan­des­me­di­en­an­stal­ten oder auf in­ter­net-be­schwer­de­stel­le.de mel­den.

Ju­gend­me­di­en­schutz im In­ter­net: Mehr da­zu le­sen Sie auf noz.de/me­di­en

Feh­len­de Skep­sis: Kin­der und Ju­gend­li­che sind emp­fäng­lich da­für, wenn ih­re Ido­le auf Youtu­be Pro­duk­te emp­feh­len. Foto: dpa

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