Uni­on for­dert mehr Ab­schie­be­haft­plät­ze

We­ni­ger frei­wil­li­ge Aus­rei­sen – Neu­er Höchst­stand bei Ein­woh­nern mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Knapp acht Wo­chen vor der Bun­des­tags­wahl dis­ku­tie­ren die Par­tei­en zu­neh­mend über We­ge zur Be­gren­zung der Flücht­lings­zah­len. Wäh­rend die Uni­on mehr Plät­ze in Ab­schie­be­ge­fäng­nis­sen for­dert, plä­diert Nie­der­sach­sens In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) für Auf­fang­la­ger in Li­by­en.

Knapp zwei Mo­na­te vor der Bun­des­tags­wahl dau­ert die Dis­kus­si­on über den Um­gang mit ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­bern an. Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um spricht sich für ei­ne deut­li­che Stei­ge­rung der Ab­schie­be­haft­plät­ze aus.

„Im­mer wie­der kön­nen sich aus­rei­se­pflich­ti­ge Aus­län­der ih­rer Ab­schie­bung ent­zie­hen, weil in vie­len Bun­des­län­dern kei­ne oder nicht aus­rei­chend Ab­schie­bungs­haft­plät­ze vor­han­den sind“, sag­te die Ex­per­tin der Uni­ons­frak­ti­on für Asyl- und Rück­kehr­po­li­tik, Ni­na War­ken (CDU). „Mit­un­ter wer­den so­gar An­trä­ge auf Ab­schie­bungs­haft

we­gen feh­len­der Haft­plät­ze gar nicht erst ge­stellt. Die­ser Zu­stand ist un­halt­bar.“

Nach An­ga­ben des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums gibt es der­zeit et­wa 226 000 aus­rei­se­pflich­ti­ge Aus­län­der in Deutsch­land. Das von dem CDU-Po­li­ti­ker Thomas de Mai­ziè­re ge­führ­te Mi­nis­te­ri­um sieht nach An­ga­ben ei­ner Spre­che­rin ei­nen „Be­darf an Ab­schie­bungs­haft­plät­zen in vier­stel­li­ger Hö­he“. Nach Re­che­re­chen

der „Welt“gibt es in Deutsch­land der­zeit 400 Plät­ze in sechs Ab­schie­be­haft­an­stal­ten. War­ken warf den Län­dern mit SPD-Re­gie­run­gen Ver­säum­nis­se vor.

Die SPD macht sich in der De­bat­te über die Flücht­lings­po­li­tik für Auf­fang­la­ger auch in dem nord­afri­ka­ni­schen Kri­sen­staat Li­by­en stark. Der nie­der­säch­si­sche In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) sag­te der „Süd­deut­schen Zei­tung“,

Flücht­lin­ge soll­ten „nicht in Ita­li­en sit­zen“, son­dern „mög­lichst schon au­ßer­halb der EU An­sprech­part­ner fin­den, in Auf­fang­la­gern“.

Er hält auch im Bür­ger­kriegs­land Li­by­en sol­che La­ger für mög­lich. Sie soll­ten von den Eu­ro­pä­ern oder den Ver­ein­ten Na­tio­nen be­trie­ben wer­den, sag­te er. Falls es Vor­be­hal­te der Li­by­er da­ge­gen ge­be, könn­ten die­se durch Geld aus­ge­räumt wer­den.

Die Grü­nen lehn­ten das ab. „In Li­by­en ste­hen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen auf der Ta­ges­ord­nung“, sag­te Par­tei­che­fin Si­mo­ne Pe­ter. Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen be­rich­te­ten, dass in den Flücht­lings­camps Men­schen in­ter­niert, ge­fol­tert, ver­sklavt und ver­ge­wal­tigt wür­den. „Li­by­sche La­ger sind kei­ne Schutz­räu­me, es sind Flucht­grün­de.“

Die De­bat­te über We­ge, die Zahl der Flücht­lin­ge in Deutsch­land zu ver­rin­gern, dürf­te bis zur Bun­des­tags­wahl an­hal­ten. Wie die „Bild“un­ter Be­ru­fung auf Zah­len des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums be­rich­te­te, ist die Zahl der frei­wil­li­gen Aus­rei­sen von Asyl­be­wer­bern rück­läu­fig. Bis En­de Ju­ni kehr­ten dem­nach in die­sem Jahr 16645 Men­schen un­ter Nut­zung der von Bund und Län­dern be­reit­ge­stell­ten Fi­nanz­hil­fen wie­der in ih­re Hei­mat zu­rück. Im ge­sam­ten ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren es 54 006 Aus­rei­sen­de.

Auch we­gen ei­ner ho­hen Zu­wan­de­rung von Aus­län­dern ein­schließ­lich der Schutz­su­chen­den 2015 und 2016 er­reich­te der An­teil von Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund in Deutsch­land im ver­gan­ge­nen Jahr laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt zum fünf­ten Mal in Fol­ge ei­nen Höchst­stand. Dem­nach hat­ten 2016 rund 18,6 Mil­lio­nen Men­schen aus­län­di­sche Wur­zeln, ein Plus von 8,5 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr.

Die Flücht­lings­kri­se: Hin­ter­grün­de, Ana­ly­sen und Kommentare auf noz.de/mi­gra­ti­on

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