Das Mär­chen von der Si­cher­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Marion Trim­born m.trim­born@noz.de

Woran er­kennt man, dass Wahl­kampf ist? Dar­an, dass ein In­nen­mi­nis­ter pu­bli­kums­wirk­sam ei­nen Mo­dell­ver­such zur Ge­sichts­er­ken­nung vor­stellt. Thomas de Mai­ziè­re ver­spricht pa­ra­die­si­sche Zei­ten für Fahn­der und gau­kelt Si­cher­heit all­über­all vor. Es wä­re ja so ein­fach. In­tel­li­gen­te Vi­deo­ka­me­ras fil­men an öf­fent­li­chen Plät­zen Pas­san­ten und fi­schen Ter­ro­ris­ten und ge­such­te Mör­der her­aus. Wie gut für den Mi­nis­ter, dass die Er­geb­nis­se erst lan­ge nach der Bun­des­tags­wahl vor­lie­gen. Denn in der Pra­xis wird der kri­mi­na-

lis­ti­sche Nut­zen klein sein.

Die Mär, dass ein ge­film­ter Ver­bre­cher im Hand­um­dre­hen ver­haf­tet wird, ist Un­sinn, weil nicht hin­ter je­der Vi­deo­ka­me­ra ei­ne Po­li­zei­staf­fel ste­hen kann. Kein Vi­deo kann ei­nen Ter­ror­an­schlag ver­hin­dern, denn der pas­siert in Se­kun­den oder Mi­nu­ten. Au­ßer­dem ist die Tech­nik nicht aus­ge­reift. Schaut je­mand per­ma­nent nach un­ten oder ist das Licht schlecht, be­kommt die Ka­me­ra kei­ne brauch­ba­ren Bil­der. Auch mit Bril­len, Hü­ten und Ma­ke-up kann man die Ka­me­ras nar­ren.

Um es klar zu sa­gen: Vi­deo­ka­me­ras ha­ben ei­nen Nut­zen. Et­wa um U-BahnSchub­ser zu iden­ti­fi­zie­ren und Bahn­hö­fe si­che­rer zu ma­chen. Doch wie war das noch mit Big Bro­ther? Der Bür­ger will nicht dau­er­ge­filmt wer­den, wenn er ei­nen Zug nimmt. Was ist aus der Frei­heit ge­wor­den, sich an­onym in der Öf­fent­lich­keit be­we­gen zu kön­nen?

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