Wer hat wel­che Er­war­tun­gen an den Gip­fel?

Heu­te wird über Die­sel­an­trieb, Ab­gas­nor­men, Fahr­ver­bo­te und Kfz-Steu­er ver­han­delt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Antje Mül­ler

Au­to­fah­rer war­ten ge­spannt auf den Die­sel­gip­fel. Dro­hen in gro­ßen Städ­ten Fahr­ver­bo­te? Und wer zahlt da­für, dass die Luft bes­ser wird? Heu­te ver­han­deln Ver­tre­ter der Au­to­bran­che, der Bun­des­re­gie­rung und der be­trof­fe­nen Län­der über Nach­rüs­tun­gen für Die­sel­au­tos. Die Er­war­tun­gen an den Gip­fel:

Die Au­to­bran­che: Sie hält Soft­ware­up­dates für die bes­te Lö­sung. Be­triebs­rä­te der gro­ßen Au­to­fir­men hal­ten den Die­sel­an­trieb noch auf Jah­re für un­ver­zicht­bar. Fahr­zeu­ge mit der Ab­gas­norm Eu­ro 5 und zum Teil auch Eu­ro 6 soll­ten des­halb flä­chen­de­ckend nach­ge­bes­sert, Die­sel­fahr­zeu­ge der Schad­stoff­klas­sen Eu­ro 1 bis 4 mit­hil­fe ei­ner „Öko-Prä­mie“be­schleu­nigt aus­ge­tauscht wer­den, sag­te der Prä­si­dent des Bran­chen­ver­ban­des VDA, Mat­thi­as Wiss­mann.

Um­welt- und Ver­brau­cher­schüt­zer: Sie for­dern Rück­ru­fe und Pflicht­nach­rüs­tun­gen für al­le Die­sel der Ab­gas-Nor­men Eu­ro 5 und 6. Die­se Fahr­zeu­ge müss­ten am Mo­tor nach­ge­rüs­tet wer­den, sag­te der Ge­schäfts­füh­rer der Deut­schen Um­welt­hil­fe, Jür­gen Resch, am Mon­tag in Berlin. Die bis­her ge­plan­ten „Up­dates“der Mo­tor-Soft­ware hält Resch we­der für aus­rei­chend noch für rech­tens.

Die Bun­des­re­gie­rung: Sie ringt noch um ei­ne ge­mein­sa­me Po­si­ti­on. Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) wirft der Uni­on ei­nen Zick­zack­kurs vor. Ei­ne Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge, an der sich meh­re­re Ver­brau­cher ge­mein­sam be­tei­li­gen kön­nen, „könn­te den Au­to­käu­fern in Deutsch­land be­reits of­fen­ste­hen, wenn CDU/CSU sie nicht in der lau­fen­den Wahl­pe­ri­ode blo­ckiert hät­ten“, kri­ti­sier­te er. Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) will, „dass die Fahr­zeu­ge schnells­tens auf Kos­ten der Her­stel­ler op­ti­miert wer­den“. Er er­war­te beim Gip­fel ein „ak­zep­ta­bles An­ge­bot“der Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Für Um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) ist ei­ne Soft­ware-Nach­rüs­tung nur ein ers­ter Schritt. In ei­nem zwei­ten Schritt müss­ten die Au­to­bau­er dann die Hard­ware der Fahr­zeu­ge nach­rüs­ten, „und zwar auf ih­re Kos­ten“.

Au­to-Bun­des­län­der: Ei­ni­ge von ih­nen schla­gen vor, die Kri­se auch mit öf­fent­li­chem Geld an­zu­ge­hen. Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil brach­te „steu­er­li­che An­rei­ze oder ei­ne Art Kli­ma­prä­mie“für den Um­stieg von al­ten Die­sel- auf Eu­ro-6und Elek­tro­au­tos ins Ge­spräch. Weils baye­ri­scher Kol­le­ge Horst See­ho­fer (CSU) will ei­ne ge­rin­ge­re Kfz-Steu­er als An­reiz zum Kauf neu­er, emis­si­ons­ar­mer Eu­ro-6-Die­sel. Ba­den-Würt­tem­bergs Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) geht da­von aus, „dass es beim Die­sel­gip­fel die Zu­sa­ge für wirk­sa­me und nach­prüf­ba­re Schad­stoff­sen­kun­gen zü­gig für die ge­sam­te Eu­ro-5- und Eu­ro-6-Flot­te gibt – und dass die In­dus­trie die Kos­ten für die Nach­rüs­tung trägt“.

FDP und Grü­ne: Im Bund sto­ßen Steu­er­an­rei­ze bei ih­nen auf Wi­der­spruch: „Schon jetzt flie­ßen Mil­li­ar­den an Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen in den Die­sel, oh­ne dass es da­für ei­ne um­welt- oder kli­ma­po­li­ti­sche Be­grün­dung gibt“, sag­te der Grü­nen-Ver­kehrs­ex­per­te Oli­ver Kri­scher. FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner sag­te: „Die Kon­zer­ne sind selbst ge­for­dert und in der Pflicht, die Ab­gas­pro­ble­me zu lö­sen und die not­wen­di­gen tech­ni­schen Nach­rüs­tun­gen bei Die­sel­fahr­zeu­gen schnell vor­zu­neh­men. Das ist kei­ne Auf­ga­be der Steu­er­zah­ler.“

Der Steu­er­zah­ler­bund: Auch er hat sich ge­gen staat­li­che Prä­mi­en oder Steu­er­nach­läs­se für neue Die­sel­fahr­zeu­ge aus­ge­spro­chen. Prä­si­dent Rei­ner Holz­na­gel sieht die Au­to­mo­bil­in­dus­trie in der Pflicht, nicht die Po­li­tik, wie er am Mon­tag im Deutsch­land­funk sag­te.

Die Ge­werk­schaf­ten: Sie he­ben die be­schäf­ti­gungs­po­li­ti­sche Be­deu­tung des Die­sels her­vor. Die IG Me­tall setzt sich für ei­ne bes­se­re di­gi­ta­le Ver­kehrs­steue­rung, ei­nen Aus­bau des öf­fent­li­chen Nah­ver­kehrs so­wie der Erd­gas-In­fra­struk­tur als So­fort­maß­nah­men ein.

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