Ein Faust­schlag und die Fol­gen

An­griff auf Po­li­zist: Be­ru­fungs­pro­zess star­tet

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Die Fol­gen der bru­ta­len Atta­cke ha­ben bei dem Po­li­zis­ten blei­ben­de Spu­ren hin­ter­las­sen. „Das ist ein kom­plett an­de­res Le­ben“, sag­te der 33-Jäh­ri­ge am Di­ens­tag vor dem Land­ge­richt Lü­ne­burg aus. Fast zwei Jah­re nach dem fol­gen­schwe­ren An­griff nach ei­nem Dorf­fest be­gann der Be­ru­fungs­pro­zess vor der 9. Klei­nen Straf­kam­mer. An­ge­klagt ist ein eben­falls 33 Jah­re al­ter Deut­scher. Das Amts­ge­richt Win­sen ver­ur­teil­te ihn im ver­gan­ge­nen März we­gen schwe­rer Kör­per­ver­let­zung mit Wi­der­stand ge­gen Voll­stre­ckungs­be­am­te zu vier Jah­ren Haft; da­ge­gen hat er Be­ru­fung ein­ge­legt.

Nun geht es al­so er­neut um den fol­gen­schwe­ren An­griff in Me­ckel­feld (Land­kreis Har­burg) am 29. Au­gust 2015. Vor ei­ner Kn­ei­pe hat­ten kurz nach Mit­ter­nacht meh­re­re jun­ge Män­ner zwei Se­cu­ri­ty-Mit­ar­bei­ter an­ge­grif­fen, sie wa­ren nicht ein­ge­las­sen wor­den. Ei­ne Grup­pe Po­li­zis­ten in der Nä­he wird ge­ru­fen. „Halt! Stopp! Po­li­zei!“, ruft der 33 Jah­re al­te Uni­for­mier­te. Plötz­lich be­kommt er ei­nen wuch­ti­gen Faust­schlag ge­gen den Kopf. Be­wusst­los

fällt er aufs Stra­ßen­pflas­ter. Er er­lei­det ein schwe­res Schä­del-Hirn-Trau­ma, nur ei­ne No­tope­ra­ti­on in ei­ner Ham­bur­ger Kli­nik ret­tet ihm das Le­ben. Rund zwei Wo­chen liegt er im Ko­ma, dann muss er wie­der spre­chen und lau­fen ler­nen.

Bis heu­te lei­det der Be­am­te an Sprach­stö­run­gen, im­mer wie­der feh­len ihm wich­ti­ge Wor­te. An­de­re Spra­chen kann er gar nicht mehr ab­ru­fen. Auch das Ita­lie­ni­sche be­herrscht er nicht mehr, ob­wohl er dort fa­mi­liä­re Wur­zeln hat. Lan­ge konn­te er den Na­men sei­ner An­ge­hö­ri­gen nicht nen­nen oder schrei­ben. Er be­kam epi­lep­ti­sche An­fäl­le, auch psy­chisch sei er ver­än­dert, sag­te der auch als Ne­ben­klä­ger auf­tre­ten­de Be­am­te am Di­ens­tag. Der­zeit wird ei­ne Wie­der­ein­glie­de­rung im In­nen­dienst ver­sucht, mit star­ken Ein­schrän­kun­gen: kein Te­le­fon, kei­ne Be­su­cher­kon­tak­te. Er darf kei­ne Waf­fe füh­ren und kein Au­to fah­ren, ei­ne Früh­pen­sio­nie­rung ist wei­ter­hin nicht aus­ge­schlos­sen.

Der An­ge­klag­te wol­le sich zu­nächst nicht ein­las­sen, sag­te sein Ver­tei­di­ger am Di­ens­tag. Spä­ter wer­de es ei­ne Er­klä­rung ge­ben, kün­dig­te er an. Ziel sei wei­ter ein Frei­spruch, heißt es. Zu Be­ginn des Pro­zes­ses in Win­sen hat­te sich der An­ge­klag­te auf Er­in­ne­rungs­lü­cken nach Al­ko­hol­kon­sum be­ru­fen.

„Schon seit Jah­ren stel­len wir ei­ne deut­li­che Stei­ge­rung der­ar­ti­ger Fäl­le fest“, sag­te Alex­an­der Zim­behl, Lan­des­vor­sit­zen­der der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft (DpolG). Der Re­spekt ha­be deut­lich nach­ge­las­sen. „Was wir brau­chen, ist ein kla­res ge­sell­schaft­li­ches Vo­tum ge­gen An­grif­fe auf Po­li­zis­ten und Po­li­zis­tin­nen“, for­der­te er. „Dar­über hin­aus er­hof­fen wir von der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft uns ein deut­li­ches Si­gnal sei­tens der Jus­tiz, dass sol­che Ta­ten dem­ent­spre­chend hart ab­ge­ur­teilt wer­den.“

Foto: dpa

Schwer ge­zeich­net: Der Po­li­zist nimmt als Ne­ben­klä­ger am Pro­zess teil.

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