Kind dem Ziel wie­der ein Stück nä­her

Auf­sichts­rat von Han­no­ver 96 ge­neh­migt Mehr­heits­über­nah­me – Pro­tes­te der Fans

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Nur die Vor­stands­mit­glie­der der Deut­schen Fuß­ball-Li­ga kön­nen Mar­tin Kind noch stop­pen – oder ein Ge­richt. Ge­gen den Wi­der­stand der ver­eins­in­ter­nen Op­po­si­ti­on hat der Un­ter­neh­mer den vor­letz­ten Schritt zur Über­nah­me des Fuß­ball-Bun­des­li­gis­ten Han­no­ver 96 ge­schafft.

Von Michael Rossmann

Mit 3:2 stimm­te der Auf­sichts­rat des Stamm­ver­eins zu, dass Kind 51 Pro­zent an der Han­no­ver 96 Ma­nage­ment Gm­bH über­neh­men kann. Kos­ten­punkt: 12 750 Eu­ro.

Das hört sich nach ei­nem Schnäpp­chen­preis an. Nicht nur des­halb kün­dig­te die Op­po­si­ti­on ju­ris­ti­sche Schrit­te an. In der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem 73-Jäh­ri­gen, der in dem schwer durch­schau­ba­ren 96-Kon­strukt Ver­eins­vor­sit­zen­der und Ge­schäfts­füh­rer ist, pral­len Wel­ten auf­ein­an­der. Mit sei­nem Un­ter­neh­mer-Den­ken und dem Wirt­schafts­Deutsch kön­nen vie­le An­hän­ger nichts an­fan­gen.

Am Mon­tag­abend pro­tes­tier­ten meh­re­re Hun­dert Fans, wäh­rend der Auf­sichts­rat tag­te und so ab­stimm­te, wie Kind es sich wünsch­te. „Vor­stand raus“und „Kind muss weg“, lau­te­ten die Pa­ro­len, die si­cher auch in den ers­ten Bun­des­li­ga­spie­len zu hören sein wer­den.

Kind kämpft seit Jah­ren ge­gen die 50+1-Re­ge­lung. Die in den Sta­tu­ten der DFL ver­an­ker­te Re­ge­lung soll ver­hin­dern, dass In­ves­to­ren die Mehr­heit an den als Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten or­ga­ni­sier­ten Seit 20 Jah­ren bei Han­no­ver 96 en­ga­giert: Mar­tin Kind. Clubs er­lan­gen. Aus­nah­men gibt es – wie im Fal­le von Bay­er Leverkusen oder dem VfL Wolfs­burg –, wenn ein Kon­zern „seit mehr als 20 Jah­ren den Fuß­ball­sport des Ver­eins un­un­ter­bro­chen und er­heb­lich ge­för­dert hat“.

Der eher um Sach­lich­keit be­müh­te Teil der Op­po­si­ti­on hat es in­zwi­schen schon in den Auf­sichts­rat des Stamm­ver­eins ge­schafft, ist aber in der Min­der­heit und schei­ter­te bei der Ab­stim­mung mit sei­nen zwei Nein-Stim­men. Er be­klagt den Aus­ver­kauf. Der Wert der An­tei­le lie­ge eher im sie­ben-, acht- oder neun­stel­li­gen Eu­ro-Be­reich, meint Auf­sichts­rats­mit­glied Ralf Nest­ler. Kind sagt, dass der Wert der Ma­nage­ment Gm­bH mit 25 000 Eu­ro fest­ge­schrie­ben sei.

Der Ver­ein hat nach sei­ner Darstel­lung be­reits auf an­de­rem We­ge Geld er­hal­ten, et­wa beim Ver­kauf der Mar­ken­rech­te. Auch hier be­klagt die Op­po­si­ti­on, dass der Ver­ein un­ter Füh­rung von Kind die­se Rech­te viel zu bil­lig an ei­ne von Kind kon­trol­lier­te Ge­sell­schaft ver­kauft ha­be.

Im letz­ten Schritt zur Über­nah­me will Kind als Ein­zel­per­son ei­nen An­trag bei der DFL stel­len, ge­mein­sam mit dem Stamm­ver­ein und der Han­no­ver 96 Gm­bH & Co. KGaA. Die­ses Un­ter­neh­men ist das ent­schei­den­de. Die Gm­bH & Co. KGaA er­hält von der DFL die Li­zenz für den Pro­fi­fuß­ball.

Die Op­po­si­ti­on meint, Kind kön­ne gar kei­nen An­trag bei der DFL stel­len. „Es gibt ei­nen Be­schluss der Mit­glie­der­ver­samm­lung, der dies un­ter­sagt“, schreibt die In­ter­es­sen­ge­mein­schaft Pro Ver­ein 1896. Sie will das durch or­dent­li­che Ge­rich­te klä­ren las­sen.

Kind hält da­ge­gen, dass es sich nur um „ei­ne Emp­feh­lung“han­de­le. Al­lein der Vor­stand ent­schei­de. Der Ver­kauf sei durch die Sat­zung ge­deckt, die für ei­ne Sat­zungs­än­de­rung, die den Ver­kauf ver­bo­ten hät­te, er­for­der­li­che Mehr­heit ha­be es bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung nicht ge­ge­ben.

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