Saf­ti­ge Buß­gel­der für Schul­schwän­zer

Wenn Fa­mi­li­en ei­gen­mäch­tig die Fe­ri­en ver­län­gern, kennt das Ord­nungs­amt kei­nen Spaß

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von Loui­sa Rie­pe

Wenn es um ei­nen ver­län­ger­ten Ur­laub geht, neh­men es ei­ni­ge El­tern of­fen­bar nicht ganz so ge­nau mit der Schul­pflicht ih­rer Kin­der. In den letz­ten bei­den Jah­ren hat das Os­na­brü­cker Ord­nungs­amt des­halb ins­ge­samt 26 Buß­gel­der kas­siert.

In der Schu­le ist doch eh nichts mehr los, und die Flug­ver­bin­dung nach Mallor­ca ist ein paar Ta­ge vor­her deut­lich güns­ti­ger als am ers­ten Fe­ri­en­tag – Ben­no Scho­ma­ker kennt sol­che Ar­gu­men­te von Os­na­brü­cker El­tern, die ih­re Kin­der ger­ne vor oder nach den Fe­ri­en aus der Schu­le neh­men möch­ten. Er­fül­len kann der Rek­tor der Schu­le an der Ro­lands­mau­er ih­nen die­sen Wunsch aber nicht. „Das Schul­ge­setz sagt ganz ein­deu­tig: Wir dür­fen die Schul­fe­ri­en nicht ver­län­gern.“

Wenn El­tern ih­re Kin­der ei­gen­mäch­tig zu Hau­se be­hal­ten, „stellt dies ei­ne Schul­pflicht­ver­let­zung dar, die nach § 176 Nie­der­säch­si­sches Schul­ge­setz als Ord­nungs­wid­rig­keit mit ei­ner Geld­bu­ße ge­ahn­det wer­den kann“, heißt es auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on aus der Lan­des­schul­be­hör­de. Tat­säch­lich kom­men sol­che Fäl­le ge­ra­de vor und nach den Fe­ri­en im­mer mal wie­der vor. Im Schul­jahr 2015/16 hat das zu­stän­di­ge Ord­nungs­amt ins­ge­samt

18 Buß­gel­der ge­gen Fa­mi­li­en aus Os­na­brück aus­ge­spro­chen, acht wa­ren es bis­her im Schul­jahr 2016/17. Die Zahl könn­te aber noch stei­gen, wenn der Schul­be­trieb mor­gen wie­der auf­ge­nom­men wird, sag­te ein Spre­cher auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on. Von den Land­krei­sen Os­na­brück und Ems­land wa­ren kei­ne ent­spre­chen­den Da­ten zu er­hal­ten.

In der Stadt gel­ten stren­ge Re­geln für den Fall, dass ein Schü­ler un­mit­tel­bar vor Fe­ri­en­be­ginn oder kurz nach Fe­ri­en­en­de im Un­ter­richt fehlt. Dar­auf ha­ben sich die Schu­len, die Kom­mu­ne und die Lan­des­schul­be­hör­de ge­ei­nigt. Ei­ne ein­fa­che Ent­schul­di­gung der El­tern reicht nicht aus, ge­for­dert wird ein ärzt­li­ches At­test als Be­leg für ei­ne mög­li­che Krank­heit.

Liegt das nicht vor, mel­det die Schu­le den feh­len­den Schü­ler per Stan­dard­for­mu­lar an den kom­mu­na­len Fach­be­reich Ju­gend­hil­fe. Der sucht zu­nächst den Kon­takt zu der be­tref­fen­den Fa­mi­lie und klärt sie über die Schul­pflicht­ver­let­zung auf. Die El­tern ha­ben dann ei­ne Wo­che Zeit, sich zu der An­ge­le­gen­heit zu äu­ßern. Blei­ben sie un­ein­sich­tig oder las­sen die Frist ver­strei­chen, ver­hängt das Ord­nungs­amt ein Buß­geld: 50 Eu­ro sind es im Fal­le ei­ner ei­gen­mäch­ti­gen Fe­ri­en­ver­län­ge­rung – und zwar für je­den Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten pro Kind und Fehl­tag. Wenn al­so ei­ne Fa­mi­lie mit zwei Kin­dern drei Ta­ge zu früh in den Ur­laub fährt, sind ins­ge­samt 600 Eu­ro Buß­geld fäl­lig. Schü­ler ab 14 Jah­ren müs­sen die Stra­fe selbst be­zah­len. An ei­nem nor­ma­len Schul­tag au­ßer­halb der Fe­ri­en­rand­ter­mi­ne kos­tet Schul­schwän­zen üb­ri­gens „nur“10 Eu­ro Stra­fe.

Die Sum­me des Buß­gel­des kön­nen die Kom­mu­nen in Nie­der­sach­sen frei fest­le­gen, so die Lan­des­schul­be­hör­de. Zwi­schen 5 und 1000 Eu­ro sind dem­nach mög­lich. Im Land­kreis Os­na­brück ver­fah­ren die Ord­nungs­äm­ter bei der Fest­set­zung ganz ähn­lich

wie in der Stadt. An­ders der Land­kreis Ems­land: Hier wird zwi­schen „nor­ma­lem“Schwän­zen und dem Feh­len vor den Fe­ri­en kein Un­ter­schied ge­macht: Bei­des wird mit 10 Eu­ro Buß­geld ge­ahn­det.

Egal, um wel­che Sum­me es geht: Wird nicht ge­zahlt, geht das Ver­fah­ren an die Staats­an­walt­schaft, und ein

Mahn­ver­fah­ren wird in Gang ge­setzt. Bleibt auch die­ses er­folg­los, kann schlimms­ten­falls Er­zwin­gungs­haft an­ge­ord­net wer­den. Die­se Maß­nah­me kommt al­ler­dings nur für die Er­zie­hungs­be­rech­ti­gen in­fra­ge. Zah­lungs­pflich­ti­ge Min­der­jäh­ri­ge müs­sen mit So­zi­al­stun­den rech­nen.

Hin­ter den stren­gen Re­ge­lun­gen steht auch der Stadt­el­tern­rat. „Oh­ne Sank­tio­nen wür­de in den letz­ten Ta­gen vor den Fe­ri­en ir­gend­wann kein Schü­ler mehr er­schei­nen“, sagt der Vor­sit­zen­de Wolf­gang Schae­fer. Er hat we­nig Ver­ständ­nis für El­tern, die ih­re Kin­der vor­zei­tig aus der Schu­le neh­men, um ei­ne güns­ti­ge­re Flug­ver­bin­dung bu­chen zu kön­nen oder beim Ho­tel­preis zu spa­ren. Al­ler­dings weist der Schul­el­tern­rat auch auf Grenz­fäl­le hin: „Si­cher­lich kann es Aus­nah­men ge­ben, zum Bei­spiel bei ei­ner län­ge­ren USA-Rei­se, bei der die Kin­der ja auch viel ler­nen.“In sol­chen Fäl­len rät Schae­fer El­tern, sich früh­zei­tig mit der je­wei­li­gen Schul­lei­tung in Ver­bin­dung zu set­zen und die Fe­ri­en­ver­län­ge­rung gut zu be­grün­den. „Dann zei­gen sich Schul­lei­ter manch­mal ku­lant.“

Das be­stä­tigt auch Ben­no Scho­ma­ker von der Schu­le an der Ro­lands­mau­er. In Ab­spra­che mit der Lan­des­schul­be­hör­de hat er schon häu­fi­ger Fe­ri­en­ver­län­ge­run­gen ge­neh­migt, wenn bei­spiels­wei­se ei­ne Fa­mi­li­en­fei­er im Aus­land an­stand. Nicht ver­ste­hen kann er da­ge­gen, wenn El­tern ar­gu­men­tie­ren, dass in den letz­ten Ta­gen vor den Fe­ri­en doch so­wie­so kei­ne wich­ti­gen Lern­in­hal­te mehr ver­mit­telt wür­den.

Er be­stä­tigt zwar: Wenn die letz­ten Klas­sen­ar­bei­ten ge­schrie­ben sind und die Zeug­nis­no­ten fest­ste­hen, „ist so ein biss­chen die Luft raus“. Die letz­ten Ta­ge vor den Fe­ri­en wür­den aber häu­fig an­der­wei­tig ge­nutzt, et­wa für Aus­flü­ge oder Pro­jekt­ta­ge. „Das wird zwar als Frei­zeit­ge­stal­tung wahr­ge­nom­men, wir ver­fol­gen da­mit aber ei­nen kla­ren schu­li­schen Auf­trag“, so Scho­ma­ker: Die So­zi­al­kom­pe­tenz stär­ken, die Um­welt er­le­ben und Er­fah­run­gen sam­meln – all das ge­hört für den Päd­ago­gen zum Schul­all­tag da­zu und sei eben auch Un­ter­richt, auch wenn die­ser au­ßer­halb des Klas­sen­raums statt­fin­de. Die meis­ten El­tern, mit de­nen er das Ge­spräch su­che, ver­stün­den das aber auch.

Doch es gibt auch Un­ein­sich­ti­ge, und die fin­den sich dann in der Buß­geld-Sta­tis­tik des Ord­nungs­am­tes. Üb­ri­gens hat es Scho­ma­ker in sei­ner 20-jäh­ri­gen Lauf­bahn noch nie er­lebt, dass ein Schü­ler nur am al­ler­letz­ten Tag vor den Som­mer­fe­ri­en ge­schwänzt hat. Es gibt eben doch noch et­was At­trak­ti­ve­res als den vor­ge­zo­ge­nen Ur­laub: das Zeug­nis.

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„Oh­ne Sank­tio­nen wür­de kein Schü­ler mehr er­schei­nen“Wolf­gang Schae­fer, Stadt­el­tern­rat Os­na­brück

Foto: imago/Wes­tend61

Statt in der Schu­le auf dem Flug­ha­fen? Für so man­che El­tern ei­ne at­trak­ti­ve Vor­stel­lung, denn Flü­ge kos­ten au­ßer­halb der Fe­ri­en­zei­ten oft nur ei­nen Bruch­teil. Ver­bo­ten ist es trotz­dem – und wird durch­aus auch ge­ahn­det.

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