Flücht­ling be­läs­tig­te Frau­en am Rub­ben­bruch­see

Op­fer en­ga­gier­te sich bis­lang für Asyl­be­wer­ber und zeigt sich nun er­schüt­tert – Po­li­zei: Tat ver­mut­lich eher kul­tu­rell be­dingt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Nach den Be­läs­ti­gun­gen von Frau­en am Rub­ben­bruch­see hat sich ein Op­fer an un­se­re Re­dak­ti­on ge­wandt. Die Frau sieht sich in ih­rem Bild von Flücht­lin­gen er­schüt­tert. Bis­lang en­ga­gier­te sie sich für Asyl­be­wer­ber, jetzt ist sie ver­ängs­tigt, weil ein 21-jähriger Flücht­ling sie be­dräng­te.

Un­se­re Re­dak­ti­on hat­te be­rich­tet, dass am Sams­tag­abend zwei Frau­en von ei­nem 21-Jäh­ri­gen am Rub­ben­bruch­see in Os­na­brück be­läs­tigt wur­den. Es gab ei­ne An­zei­ge we­gen se­xu­el­ler Be­läs­ti­gung und ei­ne An­zei­ge we­gen ver­such­ter Kör­per­ver­let­zung. Die Po­li­zei hat­te auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on zu­dem be­rich­tet, dass von der­sel­ben Per­son be­reits zwei Ta­ge zu­vor Frau­en am Rub­ben­bruch­see be­läs­tigt wor­den wa­ren.

Weil die Tat­vor­wür­fe sich laut Po­li­zei nur auf ei­ne ver­such­te Kör­per­ver­let­zung und ei­ne se­xu­el­le Be­läs­ti­gung be­schränk­ten, lä­gen kei­ne Haft­grün­de vor, und die Be­am­ten hät­ten den 21-Jäh­ri­gen Don­ners­tag und Sams­tag nur kurz in Ge­wahr­sam neh­men kön­nen.

Be­stürzt be­rich­tet die Frau, die ih­ren Na­men hier nicht ge­nannt wis­sen will, dass es sich bei dem Be­schul­dig­ten um ei­nen Asyl­be­wer­ber aus dem Flücht­lings­haus am Na­tru­per Holz ge­han­delt hat, das in der Nä­he des Rub­ben­bruch­sees liegt. Das Op­fer be­geg­ne Flücht­lin­gen sonst im­mer po­si­tiv: „Ich kam so­gar schon mal zu spät zur Ar­beit, nur um noch schnell zu hel­fen, ei­nen Asyl­an­trag aus­zu­fül­len, doch das hat sich nun schlag­ar­tig ge­än­dert.“Durch den Über­griff hät­ten sich aber Ängs­te ent­wi­ckelt: „Wenn ich jetzt mit dem Fahr­rad in die Stadt fah­re, neh­me ich ein Mes­ser mit.“

Als der 1,75 Me­ter gro­ße, dun­kel ge­klei­de­te afro­ame­ri­ka­ni­sche Mann sie im Wald am Rub­ben­bruch­see in ge­bro­che­nem Deutsch an­ge­spro­chen ha­be, sei sie von ih­rem Fahr­rad ab­ge­stie­gen. Weil sie dach­te, er woll­te sie nach dem Weg fra­gen, ha­be sie ver­sucht, mit ihm zu spre­chen. Doch die­ser Asyl­be­wer­ber sei an­ders als die vie­len an­de­ren Flücht­lin­ge ge­we­sen, die sie bis­lang ken­nen­ge­lernt ha­be: „Er wirk­te auf­ge­regt und hoch­ag­gres­siv. Er dräng­te mich mit sei­nem Fahr­rad in die Ecke und woll­te mich schla­gen. Ich bin den Schlä­gen aus­ge­wi­chen und konn­te Gott sei Dank flie­hen, ob­wohl er mich ver­folgt hat.“Nach dem Vor­fall las sie in un­se­rer Zei­tung, dass der 21-Jäh­ri­ge an der Mi­ni­golf­an­la­ge am Rub­ben­bruch­see auch noch ei­ne an­de­re Frau be­läs­tig­te, un­sitt­lich be­rühr­te und kurz da­nach in der Nä­he der Mi­ni­golf­an­la­ge fest­ge­nom­men wur­de.

Die Frau, die nach dem Über­griff we­gen des Trau­mas krank­ge­schrie­ben wur­de, kri­ti­siert: „Es är­gert mich, dass ich nach den Be­läs­ti­gun­gen am Don­ners­tag nicht schon ge­warnt wur­de. War­um wur­de dar­über nicht schon vor­her be­rich­tet?“

Die Po­li­zei hat bis heu­te kei­ne Pres­se­mit­tei­lung zu den Be­läs­ti­gun­gen am Rub­ben­bruch­see ver­fasst. Un­se­re Re­dak­ti­on hat­te am Sonn­tag erst zu­fäl­lig in ei­ner Face­boo­kG­rup­pe von ei­ner se­xu­el­len Be­läs­ti­gung am Rub­ben­bruch­see er­fah­ren. Dar­auf­hin kon­fron­tier­te un­se­re Re­dak­ti­on die Po­li­zei mit den Vor­fäl­len. Die Pres­se­spre­che­rin Ma­rei­ke Ko­car sagt, dass es sich bei dem Ge­sche­hen am Don­ners­tag um ein De­likt ge­han­delt ha­be, bei dem der Tä­ter na­ment­lich fest­ge­stan­den ha­be: „Da­her war ei­ne Pres­se­mel­dung zum Ge­sche­hen am Don­ners­tag ent­behr­lich.“Zur se­xu­el­len Be­läs­ti­gung am Sams­tag sei kei­ne Pres­se­mit­tei­lung her­aus­ge­ge­ben wor­den, weil es am Sams­tag ei­ne An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on da­zu ge­ge­ben ha­be. Die ent­spre­chen­de Aus­kunft sei er­teilt wor­den. Da­her sei ei­ne Pres­se­mit­tei­lung auch nach die­sem Vor­fall nicht er­for­der­lich ge­we­sen.

Auf Nach­fra­ge, ob es not­wen­dig sei, den Flücht­ling de­tail­liert zu be­schrei­ben, da­mit sich ge­ge­be­nen­falls wei­te­re Frau­en mel­de­ten, die even­tu­ell von dem Flücht­ling be­läs­tigt wor­den sei­en, sagt Ko­car: „Für die wei­te­ren Er­mitt­lun­gen ist ei­ne de­tail­lier­te Be­schrei­bung des Tä­ters nicht er­for­der­lich.“

Zur Angst des Op­fers, das sich an un­se­re Re­dak­ti­on wand­te, der Flücht­ling kön­ne auch in die­ser Wo­che er­neut Frau­en se­xu­ell be­läs­ti­gen, sagt die Po­li­zei­spre­che­rin: „Als So­fort­maß­nah­men füh­ren So­zi­al­ar­bei­ter der Dia­ko­nie ein er­neu­tes Ein­zel­ge­spräch über die Si­tua­ti­on vom Wo­che­n­en­de und ma­chen noch­mals die Rol­le der Frau und Ver­hal­tens­re­geln in Deutsch­land deut­lich.“Al­le Be­woh­ner der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung für Asyl­be­wer­ber sei­en durch den So­zi­al­dienst der Dia­ko­nie bei ih­rer An­kunft über die Sit­ten und Re­geln in Deutsch­land, und so auch über die Rol­le der Frau und das Ver­hal­ten ge­gen­über Frau­en in ih­rer Hei­mat­spra­che auf­ge­klärt wor­den, „auch der be­schul­dig­te 21-Jäh­ri­ge“. Den­noch: „Ein er­neu­tes Er­eig­nis kann nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen wer­den.“Ko­car fügt hin­zu: „Nach Ein­schät­zung der Er­mitt­ler und Rück­spra­che mit den So­zi­al­ar­bei­tern ist die Tat ver­mut­lich eher kul­tu­rell be­dingt. Die Tat scheint eher aus die­sem An­trieb her­aus be­gan­gen wor­den zu sein und nicht aus ei­nem in­ne­ren Se­xu­al­trieb her­aus.“

Se­xu­el­le Be­läs­ti­gun­gen trä­ten in der Nä­he der Flücht­lings­un­ter­kunft nicht ver­mehrt auf. „Der Rub­ben­bruch­see ist kein Kri­mi­na­li­täts­brenn­punkt“, be­tont Ko­car. Die Po­li­zei wer­de an dem be­lieb­ten Aus­flugs­ziel in die­ser Wo­che ver­mehrt auch in Zi­vil­fahr­zeu­gen Strei­fe fah­ren, um ei­ne Wie­der­ho­lung sol­cher Vor­fäl­le zu un­ter­bin­den. Dar­über hin­aus prü­fe die Lan­des­auf­nah­me­be­hör­de Nie­der­sach­sen der­zeit Maß­nah­men des Asyl- und Auf­ent­halts­rechts so­wie der Un­ter­brin­gung des Be­schul­dig­ten. Ei­ne fach­ärzt­li­che Prü­fung der Un­ter­brin­gung des Flücht­lings in ei­nem psych­ia­tri­schen Fach­kran­ken­haus sei ak­tu­ell nicht an­ge­zeigt. Die Er­mitt­lun­gen zum Vor­fall dau­ern an und die Zeu­gen wer­den von der Po­li­zei noch ver­nom­men.

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