Hell­mann macht wie­der Ge­win­ne

Neue Ge­sell­schaf­ter­struk­tur, neue Zu­ver­sicht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von Wil­fried Hin­richs

Hell­mann World­wi­de Lo­gis­tics hat nach zwei Kri­sen­jah­ren wie­der die Ge­winn­zo­ne er­reicht. Das Jahr 2016 schloss der Kon­zern mit ei­nem Ge­winn von 16,2 Mil­lio­nen Eu­ro ab.

OS­NA­BRÜCK. Auf dem Ge­län­de der Kon­zern­zen­tra­le an der El­be­stra­ße in Os­na­brück zap­pel­ten am Di­ens­tag mas­sen­wei­se blaue und wei­ße Luft­bal­lons mit dem neu­en, leicht ver­än­der­ten Hell­mann-Lo­go im Wind. Die­ser 1. Au­gust 2017 mar­kiert ei­ne tief grei­fen­de Ve­rän­de­rung in der 146-jäh­ri­gen Fir­men­ge­schich­te. Die Un­ter­neh­mens­grup­pe hat ei­ne neue Un­ter­neh­mens­struk­tur. Sie be­steht ab jetzt aus ei­ner über­ge­ord­ne­ten Hol­ding und den drei Spar­ten­ge­sell­schaf­ten Luft- und See­fracht, Stra­ße und Zug­ver­keh­re so­wie Kon­trakt­lo­gis­tik (Lo­gis­tik­dienst­leis­tung für an­de­re Un­ter­neh­men). Die drei Spar­ten agie­ren als recht­lich un­ab­hän­gi­ge Teil­kon­zer­ne. „Wir ver­spre­chen uns da­von vor al­lem mehr Trans­pa­renz und kla­re Ver­ant­wort­lich­kei­ten in­ner­halb der ein­zel­nen Ge­schäfts­be­rei­che“, sagt Thomas Knecht, Spre­cher der Ge­schäfts­füh­rung der Hell­mann World­wi­de Lo­gis­tics Gm­bH & Co. KG. Knecht führt den Kon­zern zu­sam­men mit Ge­sell­schaf­ter Jost Hell­mann.

13 371 Mit­ar­bei­ter welt­weit, Kon­zern­um­satz von 2,3 Mil­li­ar­den Eu­ro: Das welt­um­span­nen­de Un­ter­neh­men war nicht mehr ef­fek­tiv in Struk­tu­ren zu füh­ren, in de­nen al­les auf die ge­schäfts­füh­ren­den Ge­sell­schaf­ter Klaus und Jost Hell­mann zu­lief. Die Vet­tern hat­ten je­weils ih­re Ge­schäfts­be­rei­che, wa­ren sich in stra­te­gi­schen Fra­gen aber nicht im­mer ei­nig. 2014 mel­de­te der Kon­zern laut den im Bun­des­an­zei­ger ver­öf­fent­lich­ten Zah­len ei­nen Jah­res­fehl­be­trag von 14,6 Mil­lio­nen Eu­ro bei ei­nem Um­satz von 2,3 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Ban­ken wur­den ner­vös, weil Hell­mann so­ge­nann­te Co­ven­ants nicht ein­hielt, das sind zu­sätz­li­che Ver­ein­ba­run­gen bei Kre­dit­ver­trä­gen.

16,2 Mil­lio­nen Eu­ro

2015 kam Thomas Knecht. Der 43-Jäh­ri­ge wech­sel­te vom Un­ter­neh­mens­be­ra­ter Ro­land Ber­ger in die ihm eher frem­de Lo­gis­tik­bran­che. Sei­ne Auf­ga­be: die Hell­mann-Grup­pe im In­nern neu auf­stel­len und pro­fi­ta­bler ma­chen.

Die Wen­de scheint ge­schafft. Nach ei­nem Mi­nus von 4,8 Mil­lio­nen in 2015 ver­dien­te der Kon­zern 2016 wie­der Geld. Un­term Strich steht für das ver­gan­ge­ne Jahr ein Rein­ge­winn von 16,2 Mil­lio­nen Eu­ro. Der Roh­er­trag stieg nach Un­ter­neh­mens­an­ga­ben um 75,6 Mil­lio­nen Eu­ro auf 607,9 Eu­ro, das ent­spricht ei­ner Stei­ge­rung um 14 Pro­zent. Im ope­ra­ti­ven Ge­schäft schaff­te der Kon­zern ein po­si­ti­ves Er­geb­nis vor Zin­sen und Steu­ern (Ebit) von 46,5 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Ebit-Mar­ge liegt bei zwei Pro­zent. „Wir wol­len in die­sem Jahr ei­ne Zwei vor­ne ha­ben und stra­te­gisch ei­ne Vier“, sag­te Thomas Knecht am Di­ens­tag in ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on.

Hell­mann hat zum ers­ten Mal ak­tiv die Ge­schäfts­da­ten pu­bli­ziert, um Ver­trau­en zu­rück­zu­ge­win­nen. Und Knecht strahlt Zu­ver­sicht aus. Das Un­ter­neh­men hat nach sei­nen An­ga­ben „an vie­len klei­nen Räd­chen ge­dreht“, um ope­ra­tiv in die schwar­zen Zah­len zu kom­men. Knecht führ­te neue, ein­heit­li­che Re­porting­struk­tu­ren ein, die mehr Trans­pa­renz und Klar­heit schaf­fen, in wel­chen Be­rei­chen wie viel ver­dient wird – oder eben nicht. Die Per­so­nal­kos­ten sol­len durch Re­du­zie­rung des Over­heads (Ge­mein­kos­ten für Ver­wal­tung) schritt­wei­se wei­ter ver­rin­gert wer­den. Das Leis­tungs­an­ge­bot wur­de ge­strafft, Stand­or­te zum Bei­spiel in den USA wur­den ge­schlos­sen und un­pro­fi­ta­ble Kun­den­be­zie­hun­gen be­en­det.

Eu­ro­päi­sche Ge­sell­schaft

Der nächs­te Schritt in der Neu­struk­tu­rie­rung des Kon­zerns steht am 30. Ok­to­ber 2017 an. Aus der Gm­bH & Co. KG wird ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft eu­ro­päi­schen Rechts – ei­ne SE. Die Ab­kür­zung SE steht für das Latei­ni­sche „So­cie­t­as Eu­ro­paea“(Eu­ro­päi­sche Ge­sell­schaft). Die künf­ti­ge Hell­mann World­wi­de Lo­gis­tics SE wird von ei­nem Vor­stand ge­führt, dem auch Knecht an­ge­hö­ren wird. Wei­te­re Na­men woll­te er noch nicht nen­nen. Klaus Hell­mann, der sich 2016 aus der Ge­schäfts­füh­rung zu­rück­ge­zo­gen hat, soll Mit­glied des Auf­sichts­ra­tes wer­den.

Carl Hein­rich Hell­mann leg­te 1871 mit ei­nem Pfer­de­fuhr­werk den Grund­stein des welt­weit agie­ren­den Lo­gis­tik­kon­zerns, der in 56 Län­dern 250 Stand­or­te un­ter­hält und 13 371 Men­schen be­schäf­tigt. Ein­schließ­lich al­ler Part­ner­un­ter­neh­men sind es über 19000 Mit­ar­bei­ter. Das Un­ter­neh­men bleibt auch nach der Um­fir­mie­rung in Fa­mi­li­en­be­sitz.

Spei­cher III, die Zen­tra­le von Hell­mann World­wi­de Lo­gis­tics im Os­na­brü­cker Ha­fen. Foto: Jörn Mar­tens

Thomas Knecht, Ge­schäfts­füh­rer. Foto: hwl

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