„Beim Ma­len über die Schul­ter ge­schaut“

Bad Ro­then­fel­der be­geg­ne­te Fe­lix Nuss­baum als Kind – Künst­ler zeich­ne­te An­sich­ten vom Ku­r­ort

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Tom Bull­mann auf noz.de/kul­tur-re­gio­nal

Er ist ein Sohn Os­na­brücks, hier auf­ge­wach­sen und spä­ter aus der Stadt ge­flo­hen: der Ma­ler Fe­lix Nuss­baum. Sein wohl be­rühm­tes­tes Werk ist das „Selbst­bild­nis mit Ju­den­pass“, das er um das Jahr 1943 ge­malt hat. Aber er hat ge­ra­de in sei­ner frü­hen Pha­se als Künst­ler Or­te in und um Os­na­brück ge­zeich­net. In der Se­rie „Nuss­baums Os­na­brück“geht es um sol­che Wer­ke. Heu­te stel­len wir das Bild „Häu­ser in Ro­then­fel­de“vor.

Ei­ke Schom­borg staun­te nicht schlecht. Als der Ma­ler Fe­lix Nuss­baum vor Jah­ren zum Me­dien­the­ma wur­de, weil der welt­be­rühm­te Ar­chi­tekt Da­ni­el Li­bes­kind in Os­na­brück ein Mu­se­um mit dem Na­men des Künst­lers bau­en soll­te, mein­te Va­ter Mar­tin Schom­borg: „Nuss­baum? Den Mann ken­ne ich. Dem ha­be ich als Kind beim Ma­len über die Schul­ter ge­schaut.“

Die Be­mer­kung ließ den Bad Ro­then­fel­der nicht ru­hen, und er be­gann zu re­cher­chie­ren. Bei ei­nem Ge­spräch mit In­ge Ja­eh­ner, der da­ma­li­gen Di­rek­to­rin des Fe­lix-Nuss­baum-Hau­ses, stell­te sich her­aus, dass der Künst­ler tat­säch­lich in dem Ku­r­ort ge­ar­bei­tet hat. „Häu­ser in Ro­then­fel­de“heißt ein Bild, das 1972 of­fen­bar aus ei­ner Aus­stel­lung in Berlin-Wil­mers­dorf ge­stoh­len wur­de und seit­her ver­schol­len ist.

Glück­li­cher­wei­se gibt es Ab­bil­dun­gen des Öl­ge­mäl­des in Schwarz-Weiß: Zu se­hen ist ein klei­nes Ge­höft an ei­ner Stra­ße. Das Haupt­haus hat ein gro­ßes Tor, zwei Ka­mi­ne und we­nig Fens­ter. Nur an der Gie­bel­wand be­fin­den sich zwei klei­ne Fens­ter­öff­nun­gen, an der Wand un­ter der Dach­trau­fe gibt es nur An­deu­tun­gen von Fens­tern. Ein ge­mau­er­ter Schup­pen mit To­ren an bei­den sicht­ba­ren Sei­ten steht im rech­ten

Win­kel zum Haupt­haus. Dar­an schließt ein wei­te­res Ge­bäu­de an, das Nuss­baum an­ge­schnit­ten hat. Mar­kant ist der gro­ße Strom- oder Te­le­gra­fen­mast im Vor­der­grund. Au­ßer­dem sorg­te der Künst­ler durch die Ab­bil­dung ei­nes Hahns auf dem Bür­ger­steig, ei­nes über die Stra­ße ge­hen­den Man­nes und ei­ner Per­son, die vor dem Schup­pen­tor steht, für Le­ben.

„Es muss sich um das Ah­ring’ sche Haus han­deln, das Nuss­baum ge­malt hat“, sagt Schom­borg. Es steht heu­te noch an der Frank­fur­ter Stra­ße, trägt die Num­mer 59 und sieht tat­säch­lich ähn­lich aus wie frü­her. „Mei­ne Fa­mi­lie hat schräg ge­gen­über ge­wohnt, und mein Va­ter muss wohl noch sehr jung ge­we­sen sein, als er dem Ma­ler zu­ge­schaut hat“, er­klärt Schom­borg. Das Bild war auf das Jahr 1926 da­tiert. Doch da war Mar­tin Schom­borg erst zwei Jah­re alt. Die Schom­borg’ sche Pen­si­on ge­gen­über wur­de erst 1927 ge­baut, da­her könn­te das Öl­bild auch ein paar Jah­re spä­ter ent­stan­den sein.

Mit 1928 ist ein an­de­res Bild da­tiert, das den schlich­ten Ti­tel „Bad Ro­then­fel­de“trägt und des­sen Ver­bleib auch un­be­kannt ist. Es zeigt ein Ge­bäu­de, das of­fen­bar als Ga­ra­ge für ein Aus­flugs­lo­kal ge­nutzt wur­de. „Au­to-Park“steht auf ei­ner Gie­bel­wand, dar­un­ter „West­fä­li­scher Hof, F. Le­on­hard“. Im Vor­der­grund fährt ei­ne gro­ße Li­mou­si­ne ei­ne ab­schüs­si­ge Stra­ße hin­un­ter, der­weil aus ei­nem ar­ka­den­ar­ti­gen Durch­bruch in dem Ge­bäu­de ei­ne Frau hin­aus­schaut. „Die­se Ga­ra­gen und das Lokal hat es tat­säch­lich ge­ge­ben. Nur der blau-wei­ße Kirch­turm, der im Hin­ter­grund über ei­ner Haus­fas­sa­de zu se­hen ist, scheint mir der Fan­ta­sie des Künst­lers ent­sprun­gen zu sein“, sagt Ei­ke Schom­borg.

War­um Fe­lix Nuss­baum sei­ner­zeit of­fen­bar häu­fi­ger nach Ro­then­fel­de ge­fah­ren ist, wird wohl nicht mehr auf­ge­deckt wer­den.

Al­le Tei­le der Se­rie

Wer die Frank­fur­ter Stra­ße in Bad Ro­then­fel­de ent­lang­geht, kann die Ge­bäu­de aus Fe­lix Nuss­baums „Häu­ser in Ro­then­fel­de“leicht wie­der­er­ken­nen. Foto: Bull­mann/Fe­lix-Nuss­baum-Haus Os­na­brück

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