Axt­an­griff auf Os­na­brü­cker Floh­markt?

Fa­mi­li­en­va­ter in Un­ter­su­chungs­haft – Staats­an­walt­schaft un­ter­sucht Ta­ther­gang

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Ein Fa­mi­li­en­va­ter aus dem Ko­so­vo sitzt der­zeit in Un­ter­su­chungs­haft. Er soll ei­nen an­de­ren Mann mit ei­ner Sta­baxt ver­letzt ha­ben.

Von Andrea Pärsch­ke

Da­mit soll er dem mut­maß­li­chen Op­fer ei­ne et­wa fünf Zen­ti­me­ter lan­ge Schnitt­wun­de „auf der rech­ten Wan­ge zum Ohr“zu­ge­fügt ha­ben, wie Alex­an­der Re­te­mey­er, Pres­se­spre­cher der Staats­an­walt­schaft Os­na­brück, auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on be­rich­tet. Ei­ne Ver­let­zung, die ei­ne sicht­ba­re Nar­be hin­ter­las­sen wird. Mit­te Ju­li ist der Tat­ver­däch­ti­ge aus dem Süd­kreis nun ver­haf­tet wor­den. Seit­dem sitzt er we­gen des Ver­dachts auf ver­such­ten Tot­schlag in Un­ter­su­chungs­haft. Die Er­mitt­lun­gen lau­fen der­zeit noch. „Wir war­ten noch auf ein psy­cho­lo­gi­sches Gut­ach­ten“, so Re­te­mey­er. Dann wer­de ent­schie­den, ob es zu ei­ner An­kla­ge kom­me.

Das ei­gent­li­che Er­eig­nis fand be­reits am 4. März die­ses Jah­res auf ei­nem Floh­markt an der Hal­le Gart­la­ge in Os­na­brück statt. Ge­mein­sam mit ei­nem Be­kann­ten schlen­der­te der mut­maß­li­che Tä­ter am Stand ei­nes Händ­lers vor­bei, der „ver­schie­de­ne Wa­ren“an­bot, wie der Pres­se­spre­cher wei­ter be­rich­tet – im „We­sent­li­chen je­doch Äx­te“. Dort soll der in nun in Un­ter­su­chungs­haft sit­zen­de Mann zu ei­ner Stiel­axt ge­grif­fen ha­ben. Im Wort­wech­sel mit sei­nem Be­glei­ter ha­be er dann ge­sagt: „Da­mit könn­te man gut Al­ba­ner schlach­ten.“

Der al­ba­ni­sche Be­sit­zer des Stan­des ha­be den Ko­so­va­ren dar­auf­hin ge­be­ten, die Axt zu­rück­zu­le­gen und wei­ter­zu­ge­hen. Dar­auf­hin sei es zu ei­nem Streit auf Al­ba­nisch ge­kom­men, bei dem der mut­maß­li­che Tä­ter auch Al­ba­ner im All­ge­mei­nen be­lei­digt ha­ben soll. Der Tat­ver­däch­ti­ge ha­be die Axt da­bei wei­ter­hin in der Hand ge­hal­ten.

Im Lau­fe der Aus­ein­an­der­set­zung ver­letz­te der mut­maß­li­che Tä­ter den Stand­be­sit­zer schließ­lich mit der Axt im Ge­sicht. Noch ist un­klar, wie es da­zu kam. Der 39-jäh­ri­ge Fa­mi­li­en­va­ter be­ton­te bei Ver­neh­mun­gen, dem an­de­ren in Not­wehr die Axt „ins Ge­sicht ge­drückt“zu ha­ben. „Die Hand­lung kam auf kei­nen Fall aus dem Nichts“, sagt sein Straf­ver­tei­di­ger.

Tö­tungs­ab­sicht oder nicht?

Der Ver­letz­te selbst spricht da­ge­gen von „ei­nem Schlag“ins Ge­sicht. „Der woll­te mich ein­deu­tig tö­ten“, ha­be er laut Staats­an­walt­schaft zu Pro­to­koll ge­ge­ben. Die kör­per­li­che Aus­ein­an­der­set­zung sei schließ­lich erst durch den Ein­griff ei­ni­ger Zeu­gen be­en­det wor­den.

„Aber ist das ver­such­ter Tot­schlag?“, fragt der Ver­tei­di­ger auf An­fra­ge der Re­dak­ti­on. Er selbst sieht das kri­tisch. „Ich möch­te die Ver­let­zung auf kei­nen Fall klein­re­den“, be­tont er. Ei­nen Tö­tungs­ver­such ha­be sein Man­dant je­doch kei­nes­falls un­ter­nom­men.

Zu der Ver­haf­tung kam es erst vier Mo­na­te spä­ter. En­de Ju­ni wur­de der Haft­be­fehl aus­ge­stellt. Am 12. Ju­li er­schien die Po­li­zei schließ­lich bei dem Fa­mi­li­en­va­ter zu Hau­se – und traf ihn dort nicht an. „Er ist am nächs­ten Tag al­ler­dings so­fort zur Po­li­zei­sta­ti­on ge­gan­gen“, be­rich­tet der An­walt, der ge­gen den Haft­be­fehl Be­schwer­de ein­rei­chen wird. Vor al­lem die Be­grün­dung des Ge­richts ir­ri­tiert den An­walt: „Weil er schon ein­mal mit der gan­zen Fa­mi­lie ge­flo­hen ist, ist es na­he­lie­gend, dass er noch ein­mal mit al­len flie­hen wür­de“, fasst er zu­sam­men und weist dar­auf hin, dass sich sein Man­dant selbst ge­stellt ha­be. Er hofft, dass der Be­schwer­de statt­ge­ge­ben wird und der Va­ter bis zur Ver­hand­lung wie­der zu sei­ner Fa­mi­lie kann.

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