Ja­pa­ner fa­bri­ziert Eis, das nicht schmilzt

Wir­kung wird durch Erd­bee­ren er­reicht – Er­fin­der sieht Chan­cen für me­di­zi­ni­sche For­schung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel - Von Su­san­ne Stef­fen

Es sieht aus wie ein ganz ge­wöhn­li­ches Eis am Sti­el. Der neue ja­pa­ni­sche Som­mer­hit schmeckt auch ganz ge­nau­so wie ge­wöhn­li­ches Scho­ko- oder Erd­beerEis­kon­fekt. Aber: Er schmilzt nicht. Auch nach drei St­un­den in der glü­hen­den To­kio­ter Som­mer­hit­ze von weit über 30 Grad im Schat­ten be­hielt das Eis sei­ne Form, kom­men­tier­te ein Lo­kal­re­por­ter, als er die Eis­neu­heit tes­te­te. Le­dig­lich die Kon­sis­tenz sei ein biss­chen mous­sig ge­wor­den, schrieb er.

„Un­ser Eis wür­de nicht ein­mal schmel­zen, wenn man es di­rekt un­ter ei­nen hei­ßen Fön hal­ten wür­de“, protz­te Ta­ke­shi To­yo­da, der Prä­si­dent der Her­stel­ler­fir­ma Bio­the­ra­py De­ve­lop­ment Re­se­arch Cen­ter, zum Ver­kaufs­start vor we­ni­gen Wo­chen in der ja­pa­ni­schen Haupt­stadt.

Wer jetzt an ge­sund­heits­schäd­li­che Che­mie­keu­len denkt, hat weit ge­fehlt. Schlich­te Erd­bee­ren sind ver­ant­wort­lich für die Wun­der­wir­kung. Ge­nau ist es ein Po­ly­phe­nol, das in den Früch­ten ent­hal­ten ist. Es gibt Dut­zen­de ver­schie­de­ne Po­ly­phe­n­o­le in den un­ter­schied­lichs­ten Früch­ten, in Tee und an­de­ren Pflan­zen. Die­sen Pflan­zen­stof­fen wer­den di­ver­se ge­sund­heits­för­dern­de Wir­kun­gen zu­ge­schrie­ben – un­ter an­de­rem auch ei­ne krebs­hem­men­de Wir­kung.

Die An­tischmelz­wir­kung in Eis am Sti­el war ein Zu­falls­fund. Ei­gent­lich hat­te die Her­stel­ler­fir­ma ei­nen Pa­tis­sier be­auf­tragt, ein neu­es Kon­fekt zu ent­wi­ckeln. Da­für soll­te er Po­ly­phe­nol aus Erd­bee­ren nut­zen, um neue Mar­ke­ting­we­ge für die lo­ka­le Erd­beer­pro­duk­ti­on zu fin­den, die seit der Tsu­na­mi­ka­ta­stro­phe vor mehr als sechs Jah­ren star­ke Qua­li­täts­ver­lus­te hin­neh­men muss­te.

Doch das Ex­pe­ri­ment miss­lang. Der Meis­ter be­schwer­te sich, dass al­le Milch­pro­duk­te so­fort fest wur­den, so­bald er das Erd­beerp­o­ly­phe­nol hin­zu­tat. Das miss­glück­te Ex­pe­ri­ment in­spi­rier­te dann To­mi­hi­sa Ota, ei­nen eme­ri­tier­ten Phar­ma­zie­pro­fes­sor der Ka­na­za­wa-Uni­ver­si­tät, ein nicht schmel­zen­des Eis zu ent­wi­ckeln. „Das Erd­beer-Po­ly­phe­nol sorgt da­für, dass sich Was­ser und Fett nicht so leicht tren­nen kön­nen“, er­klärt Ota den Mecha­nis­mus.

„Ich möch­te Des­serts für Kran­ke ent­wi­ckeln, die nicht so schnell es­sen kön­nen wie Ge­sun­de und künst­li­che Zu­satz­stof­fe schlecht ver­tra­gen“, er­klärt Ota sein nächs­tes Ziel in hei­mi­schen Me­di­en. In der Me­di­zin sieht Ota al­ler­dings die größ­ten Chan­cen für den Erd­bee­r­ex­trakt. Sei­ne For­schun­gen ha­ben ge­zeigt, dass das Erd­beer-Po­ly­phe­nol nicht nur Eis vor dem Schmel­zen schützt, son­dern auch die Wir­kung von Krebs­me­di­ka­men­ten un­ter­stützt.

Som­mer­hit: Eis für lang­sa­me Es­ser. Foto: dpa

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