Kein An­spruch auf Wunsch­ter­min

Ar­beit­neh­mer­rech­te rund um das The­ma Ur­laub

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen - Von Rolf Win­kel

Som­mer­zeit ist Ur­laubs­zeit. Doch was gilt, wenn der Chef den Ur­laub nicht ge­neh­mi­gen oder im Nach­hin­ein strei­chen möch­te? Müs­sen Ar­beit­neh­mer am Ur­laubs­ort er­reich­bar sein? Rech­te rund um die schöns­te Zeit des Jah­res:

Wunsch­ter­min: Je­dem Ar­beit­neh­mer steht zwar Ur­laub zu – doch nie­mand hat ei­nen An­spruch, zu ei­nem kon­kre­ten Ter­min in Ur­laub fah­ren zu kön­nen. Das Bun­des­ur­laubs­ge­setz re­gelt zwar, dass bei der zeit­li­chen Fest­le­gung des Ur­laubs „die Ur­laubs­wün­sche des Ar­beit­neh­mers zu be­rück­sich­ti­gen“sind. Doch dies gilt nur, wenn dem nicht ent­we­der „drin­gen­de be­trieb­li­che Be­lan­ge“oder „Ur­laubs­wün­sche an­de­rer Ar­beit­neh­mer, die un­ter so­zia­len Ge­sichts­punk­ten den Vor­rang ver­die­nen, ent­ge­gen­ste­hen“. So müs­sen et­wa El­tern von schul­pflich­ti­gen Kin­dern meist den Vor­rang be­kom­men, wenn es um Ur­laub in den Schul­fe­ri­en geht.

In vie­len Be­trie­ben gibt es Ur­laubs­ord­nun­gen. Dar­in kann auch ge­re­gelt wer­den, dass ein Ar­beit­neh­mer, der ei­ni­ge Ma­le sei­nen Wun­sch­ur­laubs­t­er­min nicht be­kom­men hat, beim drit­ten oder vier­ten An­trag zum Zu­ge kom­men muss.

Ge­neh­mig­ten Ur­laub strei­chen: Ein­ver­nehm­lich kann ein be­reits be­wil­lig­ter Ur­laub „ge­can­celt“wer­den. Doch grund­sätz­lich gilt: Ab­ge­macht ist ab­ge­macht. Nur ka­ta­stro­phen­ähn­li­che Si­tua­tio­nen kön­nen die Ver­schie­bung ei­nes be­reits ge­neh­mig­ten Ur­laubs be­grün­den – et­wa Hoch­was­ser, das Tei­le des Be­triebs­ge­län­des über­schwemmt.

Wenn der Chef an­ruft: Ar­beit­neh­mer sind nicht ver­pflich­tet, dem Ar­beit­ge­ber ih­re Ur­laubs­adres­se mit­zu­tei­len. Sie brau­chen auch nicht per Note­book oder Han­dy im Ur­laub er­reich­bar zu sein. Dies hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt am 20. Ju­ni 2000 ent­schie­den (Az: 9 AZR 405/99).

Auch ei­ne Ver­ein­ba­rung, dass ein ur­lau­ben­der Ar­beit­neh­mer je­der­zeit von sei­nem Chef ab­be­ru­fen wer­den kann, ist rechts­un­wirk­sam.

Mi­ni­job und Ur­laub: Auch Mi­nijob­bern steht der ge­setz­li­che Min­de­s­t­ur­laub nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz zu. Die­ser be­trägt min­des­tens 24 Werk­ta­ge, al­so vier Ka­len­der­wo­chen. Falls es im je­wei­li­gen Be­trieb hö­he­re ta­rif­li­che, be­trieb­li­che oder ar­beits­ver­trag­lich ge­re­gel­te Ur­laubs­an­sprü­che gibt, ste­hen die­se auch Mi­nijob­bern zu.

Krank­heit im Ur­laub: Wird ein Ar­beit­neh­mer im Ur­laub krank, hat er An­spruch auf die üb­li­che Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall. Der Ur­laubs­an­spruch wird dann nicht wei­ter „ver­braucht“. Die Ar­beits­un­fä­hig­keit muss al­ler­dings nach­ge­wie­sen wer­den – und zwar durch ein ärzt­li­ches At­test. Die­ses kann auch von ei­nem aus­län­di­schen Arzt aus­ge­stellt wer­den. Au­ßer­dem muss der Ar­beit­neh­mer sei­nen Chef um­ge­hend un­ter­rich­ten. Zeigt er die Krank­schrei­bung erst nach sei­ner Rück­kehr an, kann er im Nach­hin­ein kei­nen An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung oder Neu­ge­wäh­rung der ver­lo­ren ge­gan­ge­nen Ur­laubs­ta­ge gel­tend ma­chen.

Ver­hin­der­te Rück­kehr: Strei­ken­de Flug­lot­sen oder ein aus­ge­bro­che­ner Vul­kan – es gibt Um­stän­de, die ver­hin­dern, dass ein Ar­beit­neh­mer recht­zei­tig an sei­nen Ar­beits­platz zu­rück­kehrt. In ei­nem sol­chen Fall muss er dies so schnell wie mög­lich sei­nem Chef mit­tei­len. Mit Sank­tio­nen – et­wa ei­ner Ab­mah­nung – muss dann nie­mand rech­nen. Die un­frei­wil­lig ent­ste­hen­den Mehr­ur­laubs­ta­ge kön­nen auf dem Ur­laubs­zeit­kon­to des Ar­beit­neh­mers ver­bucht wer­den.

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