Mo­ses der Pri­ma­ten

„Sur­vi­val“von Re­gis­seur Ree­ves ist bes­ter Film der Rei­he „Pla­net der Af­fen“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Da­ni­el Be­ne­dict

„Sur­vi­val“ist der drit­te Teil des „Pla­net der Af­fen“-Re­boots, der zwei­te von Re­gis­seur Matt Ree­ves – und der bes­te von al­len drei­en. In ei­nem Kriegs­epos mit An­lei­hen bei „Apo­ca­lyp­se Now“und Bi­bel­film spielt An­dy Ser­kis ei­nen in­ner­lich zer­ris­se­nen Mo­ses der Pri­ma­ten.

BERLIN. Zwei Af­fen, ein Ge­dan­ke: Ge­ra­de erst hat „Kong: Skull Is­land“den Mo­tiv­schatz von Cop­po­las „Apo­ca­lyp­se Now“(1979) ge­plün­dert, schon kommt der nächs­te Af­fen­film mit der­sel­ben Idee. In Matt Ree­ves „Pla­net der Af­fen: Sur­vi­val“ist das na­he­lie­gen­de Wort­spiel jetzt so­gar an ei­ne Fels­wand ge­pin­selt: „Ape­ca­lyp­se Now“– al­so „Af­fo­ka­lyp­se Now“. Aber wäh­rend „Kong“beim Klas­si­ker nur die schöns­ten Bild­ide­en klau­te, lässt Ree­ves sich ernst­haft auf des­sen Ide­en ein.

Sein Film ist Teil 3 der Re­boot-Rei­he und fußt nur noch sehr lo­se auf dem Stoff, den Pier­re Boule 1963 für sei­nen düs­te­ren Sci-Fi-Ro­man er­fand. Die Af­fo­ka­lyp­se ist in „Sur­vi­val“seit Jah­ren Ge­schich­te, der Kriegs­zu­stand zwi­schen Mensch und Tier aber im­mer noch akut. Und nach­dem der Schim­pan­se Ca­e­sar im letz­ten Film die Kriegs­trei­be­rei des Bo­no­bos Ko­ba über­wun­den hat­te, kämpft er nun ge­gen die ei­ge­nen Dä­mo­nen. Als Men­schen sei­nen Sohn tö­ten, droht Ca­e­sar dem Ra­che­durst zu er­lie­gen;

von ei­nem Stoß­trupp be­glei­tet, sucht er die Kon­fron­ta­ti­on mit dem für den Mord ver­ant­wort­li­chen Co­lo­nel der US-Ar­mee. Und wie Co­lo­nel Kurtz in Cop­po­las „Apo­ca­lyp­se Now“führt der ab­trün­ni­ge Sol­dat sei­nen ei­ge­nen Krieg, mit ei­ner Ar­mee von An­hän­gern, die ihn wie ei­nen re­li­giö­sen Füh­rer ver­eh­ren.

Mit An­dy Ser­kis als Schau­spie­ler hin­ter dem ani­mier­ten Ca­e­sar und Woo­dy Har­rel­son als Co­lo­nel wird „Sur­vi­val“zur gro­ßen Kon­fron­ta­ti­on zwei­er tra­gi­scher Va­ter­fi­gu­ren; und es bleibt be­ein­dru­ckend, wie Ser­kis über den Um­weg des Com­pu­ters sei­nen Mix aus Hass und Ver­letz­lich­keit

in ein Af­fen­ge­sicht bringt. Mit der Fi­gur des ver­wahr­los­ten Zoo-Af­fen Bad Ape be­kom­men die zen­tra­len Ge­gen­spie­ler ei­nen lus­ti­gen Si­de­kick, die den düs­te­ren Ton der rest­li­chen Ge­schich­te nur um­so deut­li­cher macht: In ei­ner win­ter­li­chen Wes­tern­land­schaft in­sze­niert Ree­ves ein ge­tra­ge­nes Kriegs­epos um ver­elen­de­te Flücht­lings­trecks und fins­te­re Straf­la­ger, tra­gi­sche Ver­wick­lun­gen und ein­sa­me Ent­schei­dun­gen. So­gar beim Bi­bel­film macht die Re­gie da­bei deut­li­che An­lei­hen: Das Elend ver­sklav­ter Af­fen deckt Je­su Lei­dens­weg von der Gei­ße­lung bis zum Kreuz ab, im

Schluss­bild wird Ca­e­sar zum Mo­ses der Pri­ma­ten.

Noch mehr als in den bis­he­ri­gen Tei­len der Rei­he (von de­nen Ree­ves auch den letz­ten schon dreh­te) ver­wei­gert „Pla­net der Af­fen: Sur­vi­val“kla­re Kampf­li­ni­en: Af­fen kämp­fen ge­gen Af­fen, Men­schen tö­ten ih­re ei­ge­nen Leu­te. Um­ge­kehrt kommt es im­mer wie­der zu ei­nem Ar­ten über­grei­fen­den Mit­ein­an­der: Im Bö­sen prak­ti­zie­ren es die Über­läu­fer der Kriegs­par­tei­en, im Gu­ten zeigt Ree­ves Mo­men­te ech­ter Em­pa­thie zwi­schen Mensch und Af­fe. Be­weg­grund für die uto­pi­sche Ge­mein­schaft ist die ge­mein­sa­me Lie­be al­ler Säu­ge­tie­re

zu ih­ren Kin­dern. Ge­nau bei ihr setzt auch die Kon­zep­ti­on des Erz­schur­ken der Epi­so­de an: Die Bos­heit von Woo­dy Har­rel­sons Co­lo­nel er­klärt sich ge­ra­de aus ei­ner trau­ma­ti­schen Va­ter­schaft, de­ren Ge­schich­te zu den gro­ßen Schock­mo­men­ten von „Sur­vi­val“ge­hört.

Das er­zäh­le­ri­sche Ping­pong zwi­schen den Spe­zi­es greift auch eins der Pro­ble­me des ers­ten Teils wie­der auf. Ru­pert Wyatts „Pla­net der Af­fen: Pre­vo­lu­ti­on“(2011) kon­fron­tier­te de­men­te Men­schen mit in­tel­li­gen­ten Af­fen – wo­mit das Be­wusst­sein als Grund­la­ge der Hier­ar­chie von Mensch und Tier aufs Schöns­te ins Wa­ckeln ge­riet. Dies­mal über­nimmt ein seu­chen­be­ding­ter Ver­lust der Spra­che die­sel­be Funk­ti­on. Am En­de von „Sur­vi­val“fragt ein ver­stumm­tes Kind, ob es ein Af­fe ist. Es ge­hört zu Matt Ree­ves’ Stär­ken, dass er dar­auf kei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort mehr gibt.

„Pla­net der Af­fen: Sur­vi­val“. USA 2017. R: Matt Ree­ves. D: An­dy Ser­kis, Woo­dy Har­rel­son, Amiah Mil­ler, Ju­dith Gre­er. 140 Mi­nu­ten. Ab 12 Jah­ren.

Ei­ne Bil­der­ga­le­rie zum Film so­wie wei­te­re Kri­ti­ken auf noz.de/kino

In ei­ner düs­te­ren Land­schaft in­sze­niert Matt Ree­ves mit „Sur­vi­val“ein ge­tra­ge­nes Kriegs­epos. Foto: Twentieth Cen­tu­ry Fox

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