Nie­der­sach­sen sucht zum Schul­start drin­gend Leh­rer

Streit um Un­ter­richts­ver­sor­gung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Im In­ter­net un­ter noz.de/nie­der­sach­sen

Nie­der­sach­sens Schu­len lei­den auch im heu­te be­gin­nen­den neu­en Schul­jahr un­ter dem Lehrer­man­gel: Nach An­ga­ben des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums sind rund 280 aus­ge­schrie­be­ne Stel­len noch im­mer un­be­setzt.

Der­zeit ge­be es aber noch Ein­stel­lun­gen, be­ton­te Kul­tus­mi­nis­te­rin Frau­ke Hei­li­gen­stadt am Mitt­woch in Han­no­ver. Für die­ses Schul­jahr er­war­tet die SPD-Po­li­ti­ke­rin ein Ab­sin­ken der sta­tis­ti­schen Un­ter­richts­ver­sor­gung von 98,9 auf 98 Pro­zent. Der Pflicht­un­ter­richt sei al­ler­dings ge­si­chert. „Die Ge­samt­la­ge ist nicht ge­eig­net, Hor­ror­sze­na­ri­en an die Wand zu ma­len“, be­ton­te die Mi­nis­te­rin. CDU, FDP und Leh­rer­ver­bän­de kri­ti­sier­ten Hei­li­gen­stadt. Nie­der­sach­sens Schu­len rech­nen in die­sem Schul­jahr mit 837 000 Schü­lern, 71500 da­von sind Schul­an­fän­ger.

Zum heu­ti­gen Schul­jah­res­start hat SPD-Kul­tus­mi­nis­te­rin Hei­li­gen­stadt ih­ren Kurs be­kräf­tigt. Die Op­po­si­ti­on sieht Nie­der­sach­sens Schu­len im Cha­os ver­sin­ken.

Von Klaus Wie­sche­mey­er

HAN­NO­VER. Kul­tus­mi­nis­te­rin Frau­ke Hei­li­gen­stadt (SPD) hat die kurz­fris­ti­ge Ab­ord­nung vor­nehm­lich von Gym­na­si­al­leh­rern an Grund­schu­len ver­tei­digt. Die ge­schätzt 7000 Leh­rer­ver­set­zun­gen pro Jahr sei­en nor­mal, sag­te Hei­li­gen­stadt am Mitt­woch bei ei­ner Pres­se­kon­fe­renz zum Schul­jah­res­be­ginn in Han­no­ver. Kri­ti­ker er­in­ner­te sie dar­an, dass es in frü­he­ren Zei­ten auch Ab­ord­nun­gen von Grund­schu­len zu Gym­na­si­en ge­ge­ben ha­be. „So­li­da­ri­tät ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße“, sag­te Hei­li­gen­stadt.

Auch im neu­en Schul­jahr bleibt der Lehrer­man­gel ein drän­gen­des The­ma: Von 1800 aus­ge­schrie­be­nen Stel­len wa­ren zum 1. Au­gust nach An­ga­ben Hei­li­gen­stadts et­wa 1550 be­setzt. Die Un­ter­richts­ver­sor­gung dürf­te nach Be­rech­nun­gen des Mi­nis­te­ri­ums von zu­letzt 98,9 Pro­zent auf 98 Pro­zent sin­ken. Ob das Land bis zur Land­tags­wahl am 14. Ja­nu­ar die kon­kre­te Zahl vor­le­gen kann, ließ die SPD-Po­li­ti­ke­rin of­fen. „Hell­se­hen kann ich nicht“, sag­te sie.

Mi­nis­te­rin will noch mal

Die Mi­nis­te­rin be­ton­te, dass sie ei­ne wei­te­re Amts­zeit an­strebt und dann auch die Un­ter­richts­ver­sor­gung im Land wie­der über 100 Pro­zent brin­gen wol­le. Al­ler­dings sei die­se an­ge­sichts der vie­len zu­sätz­li­chen Auf­ga­ben der Schu­len wie der In­klu­si­on oder dem wei­te­ren Aus­bau des Ganz­tags nur ei­ne Richt­grö­ße: Nie zu­vor ha­be es so vie­le Leh­rer in Nie­der­sach­sen ge­ge­ben wie heu­te, be­ton­te Hei­li­gen­stadt. Im Schnitt ma­che der Pflicht­un­ter­richt zu­dem nur noch vier Fünf­tel der Ge­samt­stun­den aus. Ein wei­te­res Fünf­tel wer­de für Zu­satz­be­dar­fe und Pool­stun­den ver­wen­det. Dar­an wol­le sie nicht rüt­teln.

Rea­li­täts­be­zug ver­lo­ren?

Die Op­po­si­ti­on re­agier­te mit Kri­tik auf Hei­li­gen­stadts An­kün­di­gung: Cha­os und Ve­r­un­si­che­rung an den Schu­len wüch­sen im fünf­ten Jahr in Fol­ge, sag­te CDU-Bil­dungs­ex­per­te Kai See­fried. Hei­li­gen­stadt ha­be je­den Über­blick ver­lo­ren. „Vie­le Lehr­kräf­te wis­sen heu­te nicht, an wel­cher Schu­le sie mor­gen un­ter­rich­ten wer­den“, sag­te er. Der schul­po­li­ti­sche Spre­cher der FDPFrak­ti­on, Björn Förs­ter­ling, hält die er­war­te­ten 98 Pro­zent Un­ter­richts­ver­sor­gung für zu hoch ge­grif­fen. „Die Mi­nis­te­rin tä­te gut dar­an, sich statt der ge­schön­ten Sta­tis­tik ein­mal die Rea­li­tät vor Ort an­zu­schau­en“, so Förs­ter­ling.

Auch Leh­rer­ver­tre­ter be­zwei­feln die vor­aus­ge­sag­ten 98 Pro­zent: Im Be­reich der Ober-, Re­al- und Haupt­schu­len müs­se die Zahl „stark an­ge­zwei­felt wer­den“, er­klär­te Man­fred Busch vom Ver­band Nie­der­säch­si­scher Lehr­kräf­te. Hei­li­gen­stadt fehl­ten „jeg­li­cher Rea­li­täts­be­zug und jeg­li­che Sach­kun­de“, ur­teil­te Phi­lo­lo­gen­ver­bands­chef Horst Au­dritz. Dar­um ha­be sie sich in ein „Wol­ken­ku­ckucks­heim“be­ge­ben. Die kurz­fris­ti­gen Ab­ord­nun­gen von den Gym­na­si­en sei­en ein „Akt der Hilf­lo­sig­keit“.

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