Com­merz­bank in den ro­ten Zah­len

Jo­bab­bau ver­schlingt viel Geld

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Mehr auf noz.de/wirt­schaft

Der um­fang­rei­che Um­bau hat die Com­merz­bank im zwei­ten Quar­tal in die ro­ten Zah­len rut­schen las­sen. Von April bis Ju­ni mach­te die zweit­größ­te deut­sche Bank ei­nen Ver­lust von 637 Mil­lio­nen Eu­ro, wie sie am Mitt­woch mit­teil­te.

Die Com­merz­bank will die Kos­ten sen­ken. Tau­sen­de Stel­len wer­den ge­stri­chen. Das kos­tet zu­nächst ein­mal viel Geld. Das In­sti­tut ist trotz ro­ter Zah­len zu­ver­sicht­lich.

FRANK­FURT. Der Ab­bau Tau­sen­der Stel­len und Kos­ten für die An­wer­bung neu­er Kun­den ha­ben ein tie­fes Loch in die Quar­tals­bi­lanz der Com­merz­bank ge­ris­sen. Weit mehr als ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Eu­ro be­trug der Ver­lust im zwei­ten Quar­tal. Das Mi­nus fiel noch grö­ßer aus als er­war­tet. Den­noch ist die Bank­füh­rung über­zeugt, den rich­ti­gen Weg ein­ge­schla­gen zu ha­ben. Die Com­merz­bank sei „ei­nen wei­te­ren wich­ti­gen Schritt bei der Um­set­zung un­se­rer Stra­te­gie vor­an­ge­kom­men“, er­klär­te Vor­stands­chef Martin Ziel­ke am Mitt­woch in Frank­furt.

Die Com­merz­bank will durch den Ab­bau von 9600 Voll­zeit­stel­len bis 2020 die Kos­ten lang­fris­tig sen­ken. 2300 neue Jobs wer­den par­al­lel auf­ge­baut, et­wa um die Di­gi­ta­li­sie­rung der Bank vor­an­zu­trei­ben.

Kost­spie­li­ge Neu­kun­den

En­de Ju­ni gab es noch 41 500 Voll­zeit­stel­len im Haus. Bis zum Jahr 2020 plant das In­sti­tut mit ei­nem Stamm­per­so­nal von rund 36 000 Voll­zeit­stel­len. Am Fi­li­al­netz will die Com­merz­bank an­ders als et­wa der Kon­kur­rent Deut­sche Bank nicht rüt­teln.

Wie das zwei­te Quar­tal lief, hat­te das Geld­haus be­reits an­ge­deu­tet, als es jüngst die Rech­nung für den Stel­len­ab­bau prä­sen­tier­te: 807 Mil­lio­nen Eu­ro stell­te die Com­merz­bank im zwei­ten Quar­tal für Ab­fin­dun­gen und an­de­re Kos­ten zu­rück. Das sorg­te für ei­nen Ver­lust von un­ter dem Strich 637 Mil­lio­nen Eu­ro – nach ei­nem Ge­winn von 215 Mil­lio­nen Eu­ro im Vor­jah­res­zeit­raum. Im Ge­samt­jahr rech­net die Bank aber wei­ter mit ei­nem leicht po­si­ti­ven Er­geb­nis.

Der Um­bau soll das Geld­haus, das in der Fi­nanz­kri­se vom Staat ge­stützt wer­den muss­te, zu­kunfts­si­cher ma­chen. Die Com­merz­bank lei­det wie vie­le an­de­re Ban­ken un­ter den nied­ri­gen Zin­sen, die die Ein­nah­men schmä­lern. Hin­zu kom­men haus­ge­mach­te Pro­ble­me wie fau­le Schiffs­kre­di­te an­ge­sichts der Kri­se der Con­tai­ner­bran­che.

Die Zahl der Kun­den soll bis 2020 um zwei Mil­lio­nen stei­gen – al­lein 385000 ka­men im ers­ten Halb­jahr hin­zu. Da­bei half auch die Über­nah­me des Fi­nanz­por­tals On­vis­ta durch die Com­merz­bank-On­li­ne­toch­ter Com­di­rect. Je­der neue Kun­de kos­tet al­ler­dings zu­nächst 150 bis 250 Eu­ro. „Das ist ei­ne In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft“, sag­te Fi­nanz­chef Ste­phan En­gels. Es daue­re im Schnitt an­dert­halb Jahre, bis ein Kun­de pro­fi­ta­bel wer­de.

Doch nicht nur der Stel­len­ab­bau und die An­wer­bung der Neu­kun­den be­las­te­ten die Bi­lanz. Im Fir­men­kun­den­ge­schäft lit­ten die Frank­fur­ter wie die Kon­kur­renz un­ter dem mau­en Han­del an den Fi­nanz­märk­ten, wo­durch den Ban­ken Ge­büh­ren ent­ge­hen. Die Er­trä­ge – die ge­sam­ten Ein­nah­men – gin­gen kon­zern­weit von 2,24 Mil­li­ar­den auf 2,07 Mrd. Eu­ro zu­rück. Der ope­ra­ti­ve Ge­winn sank von 351 Mil­lio­nen auf 183 Mil­lio­nen Eu­ro.

Ban­ken­land­schaft in Eu­ro­pa:

Fo­to: dpa

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