Ta­xi­krieg geht vor Ge­richt

Land­ge­richt ur­teilt: Wa­gen dür­fen nur an aus­ge­wie­se­nen Ta­xi­stän­den hal­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Im Kampf um die Fahr­gäs­te hat ein Ta­xi­un­ter­neh­mer aus Os­na­brück meh­re­re sei­ner Kon­kur­ren­ten ver­klagt. Drei Ur­tei­le des Land­ge­richts zwin­gen die Fah­rer jetzt, nur noch an aus­ge­wie­se­nen Ta­xi­stän­den zu hal­ten.

Os­na­brü­cker Ta­xi­un­ter­neh­mer ste­hen der­zeit ei­ner Kla­ge­wel­le ge­gen­über. Ein Kon­kur­rent will sie da­zu zwin­gen, nur noch an aus­ge­wie­se­nen Ta­xi­stän­den zu hal­ten – und das Land­ge­richt gibt ihm recht.

Von Loui­sa Rie­pe

Die Nacht vom 6. auf den 7. April 2017 ist lu­kra­tiv für Ta­xi­fah­rer: We­gen des so­ge­nann­ten „Bier­di­ploms“wol­len mehr als 1000 Stu­den­ten und Fei­er­lus­ti­ge zwi­schen ver­schie­de­nen Kn­ei­pen hin und her ge­fah­ren wer­den. Doch die Ta­xi­fah­rer wer­den be­ob­ach­tet: Im Be­reich Loh­stra­ße war­tet ein Zeu­ge, ge­schickt vom Ta­xi­und Miet­wa­gen­un­ter­neh­men Sand­küh­ler/Lon­zer, no­tiert sich die Kenn­zei­chen und macht Fo­tos.

Nur zwei Wo­chen spä­ter be­kom­men nach ei­ge­nen An­ga­ben min­des­tens sechs Ta­xi­un­ter­neh­mer Ab­mah­nun­gen und Un­ter­las­sungs­er­klä­run­gen zu­ge­sandt. Ihnen wird vor­ge­wor­fen, sich „au­ßer­halb ge­kenn­zeich­ne­ter Stand­flä­chen bzw. be­hörd­lich zu­ge­las­se­ner Stel­len be­reit­ge­hal­ten“zu ha­ben. Nach dem Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz dür­fen Ta­xi­fah­rer nur an aus­ge­wie­se­nen Ta­xi­stän­den hal­ten und auf Kund­schaft war­ten. Das wä­re zum Bei­spiel am Thea­ter, Heger Tor, Dom­hof und Ne­u­markt. Die An­zahl ist an die­sen vier Stel­len auf ins­ge­samt 22 Wa­gen be­grenzt. Al­le an­de­ren müs­sen krei­sen und dür­fen höchs­tens kurz an­hal­ten, wenn sie Fahr­gäs­te auf­neh­men.

Die aus­ge­späh­ten Ta­xi­fah­rer ar­gu­men­tie­ren, dass sie

auch vor der Dis­ko­thek „Son­nen­deck“in der Loh­stra­ße nur auf Fahr­gäs­te ge­war­tet und sol­che dort­hin ge­bracht, die zu­vor an­ge­ru­fen hät­ten. So geht es aus den Pro­zess­ak­ten des Land­ge­richts Os­na­brück her­vor. Dort wur­den die Fäl­le ver­han­delt, weil die Ta­xi­un­ter­neh­mer sich wei­ger­ten, die Un­ter­las­sungs­er­klä­run­gen von Pe­ter Lon­zer und Ti­mo Sand­küh­ler zu un­ter­schrei­ben. Die Rich­ter ka­men in al­len drei Fäl­len zu dem glei­chen Ur­teil: Die Ta­xi­fah­rer dür­fen künf­tig nicht mehr au­ßer­halb der aus­ge­wie­se­nen Stän­de hal­ten. Bei Zu­wi­der­hand­lung droht ihnen ei­ne Stra­fe von bis zu 5000 Eu­ro.

Das Ge­richt be­ruft sich in den Ur­teils­be­grün­dun­gen auf Zeu­gen­aus­sa­gen und Fo­tos. Die­se zeig­ten, dass die Ta­xi­schil­der auf den Au­to­dä­chern er­leuch­tet wa­ren – ein

Zei­chen für ein frei­es Ta­xi. Für das Ge­richt ein In­diz da­für, dass die Wa­gen nicht, wie von den Fah­rern an­ge­ge­ben, vor­be­stellt wa­ren. An der Stra­ße auf Lauf­kund­schaft zu war­ten ist aber nicht er­laubt.

Die Re­gel gilt schon lan­ge, durch­ge­setzt wur­de sie nach Ein­schät­zung der Os­na­brü­cker Ta­xi­fah­rer aber nie. Selbst die Po­li­zei ha­be über­vol­le Ta­xi­stän­de und war­ten­de Wa­gen im­mer ge­dul­det. Die Un­ter­neh­mer fürch­ten nun, dass ihr Kon­kur­rent ei­nen Prä­ze­denz­fall ge­schaf­fen hat. „Nach die­sem Ur­teil könn­te er nachts durch die Stadt fah­ren und 30 bis 40 Au­tos auf­schrei­ben, die sich nach dem Ge­setz falsch ver­hal­ten“, sagt ei­ner der ver­klag­ten Ta­xi­un­ter­neh­mer (Na­me ist der Re­dak­ti­on be­kannt). Er will sein Ge­richts­ur­teil an­fech­ten. „Wenn wir

nicht mehr hal­ten dür­fen, kön­nen wir kei­ne Be­stell­fahr­ten mehr ma­chen“, sagt er. Das und die an­ge­droh­ten Buß­gel­der könn­ten ihn und vie­le Kol­le­gen an­geb­lich in den Ru­in trei­ben.

Die Klä­ger se­hen das na­tur­ge­mäß an­ders. „Wir wol­len nie­man­dem et­was Bö­ses, wir wol­len nur, dass sich al­le an die Re­geln hal­ten“, sagt Ti­mo Sand­küh­ler. Sein Un­ter­neh­men be­kam An­fang des Jah­res eben­falls Un­ter­las­sungs­er­klä­run­gen: Die Miet­wa­gen soll­ten kei­ne Ein­stei­ger auf­neh­men, ver­lang­te ein Ta­xi­un­ter­neh­mer, denn das ist laut Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz ein al­lei­ni­ges Vor­recht der Ta­xen. Sand­küh­ler und Lon­zer ha­ben un­ter­schrie­ben, for­dern aber nun glei­ches Recht für al­le. „Wir ha­ben nicht den ers­ten St­ein ge­wor­fen“, sagt Sand­küh­ler.

Es ist tat­säch­lich nicht die ers­te Aus­ein­an­der­set­zung in der Bran­che: Seit mehr als zehn Jah­ren strei­ten sich Ta­xi­un­ter­neh­men und Miet­wa­gen­be­trei­ber in Os­na­brück. 2007 be­klag­ten die ört­li­chen Ta­xi­un­ter­neh­men ei­ne „rui­nö­se Kon­kur­renz“durch die güns­ti­ge­ren Miet­wa­gen. Die­se dür­fen nach dem Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz nur auf te­le­fo­ni­sche Be­stel­lung fah­ren, kei­ne Fahr­gäs­te un­ter­wegs auf­le­sen und müs­sen nach je­der Fuh­re zu ih­rem Be­triebs­stand­ort zu­rück­keh­ren. Ta­xi­fah­rer be­haup­te­ten da­mals: Wenn ein Miet­wa­gen-Un­ter­neh­mer das ein­hal­ten wür­de, könn­te er un­mög­lich wirt­schaft­lich ar­bei­ten. Ei­ner der nun ver­klag­ten Ta­xi­fah­rer for­mu­liert es so: „Die Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer ha­ben wie­der ei­ne Mög­lich­keit ge­fun­den, uns eins aus­zu­wi­schen.“

Fo­to: Ti­mo Sand­küh­ler

Die Nacht vom 4. auf den 5. April 2017 war lu­kra­tiv für Os­na­brü­cker Ta­xi­fah­rer, doch ei­ni­ge wur­den vor dem Son­nen­deck an der Loh­stra­ße aus­ge­späht und ver­klagt.

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