Rom be­schließt Ein­satz vor Li­by­en

Ita­li­ens Ma­ri­ne ope­riert künf­tig in Li­by­ens Zwölf-Mei­len-Zo­ne ge­gen Schleu­ser

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Das ita­lie­ni­sche Par­la­ment hat ges­tern ei­nen Ma­ri­ne­e­in­satz vor Li­by­en zur Ein­däm­mung der Mi­gra­ti­on ge­bil­ligt. Ita­lie­ni­sche Sol­da­ten sol­len der Küs­ten­wa­che künf­tig auch in den Ho­heits­ge­wäs­sern des Bür­ger­kriegs­lan­des bei­ste­hen.

Ita­li­ens Par­la­ments­kam­mern ha­ben ei­nem Mi­li­tär­ein­satz vor der li­by­schen Küs­te zu­ge­stimmt. Kommt nun die Wen­de in der Flücht­lings­kri­se?

Die Re­gie­rung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Pao­lo Gen­ti­lo­ni will durch die Ent­sen­dung ita­lie­ni­scher Mi­li­tär­boo­te die li­by­sche Ma­ri­ne in de­ren Ho­heits­ge­wäs­sern tech­nisch, lo­gis­tisch und ope­ra­tiv un­ter­stüt­zen. Am Mitt­woch er­hielt sie da­für das Okay des Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses und des Se­nats. Ita­li­en ver­steht sein Vor­ge­hen als Bei­trag zur Sta­bi­li­sie­rung des Bür­ger­kriegs­lan­des und zum Kampf ge­gen Men­schen­schmug­gel. Gen­ti­lo­ni sprach von ei­nem mög­li­chen Wen­de­punkt in der Flücht­lings­kri­se.

Der ist bit­ter nö­tig. In ita­lie­ni­schen Hä­fen lan­den der­zeit na­he­zu al­le Mi­gran­ten, die über Li­by­en nach Eu­ro­pa kom­men. Al­lein in die­sem Jahr wa­ren es rund 95000. Seit et­wa ei­nem Mo­nat wird der Ruf der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung nach mehr eu­ro­päi­scher So­li­da­ri­tät bei der Ver­tei­lung und Ver­sor­gung der Men­schen aus Afri­ka wie­der lau­ter. In Li­by­en kämp­fen

der­zeit drei Re­gie­run­gen um die Macht. Schlep­per nut­zen das Cha­os für ihr Ge­schäft mit den Flücht­lin­gen, die nach Eu­ro­pa wol­len.

Die Grü­nen ha­ben der Bun­des­re­gie­rung vor­ge­wor­fen, die Su­che nach Lö­sun­gen für die Flücht­lin­ge im Mit­tel­meer mit Blick auf die Bun­des­tags­wahl be­wusst zu ver­zö­gern. „Die Bun­des­re­gie­rung ver­sucht, das The­ma in

den Herbst zu ver­ta­gen und bis da­hin Ita­li­en mit ex­tra EU-Mit­teln zu ver­trös­ten“, sag­te die Vor­sit­zen­de des Bun­des­tags-Un­ter­aus­schus­ses für zi­vi­le Kri­sen­prä­ven­ti­on, Fran­zis­ka Brant­ner. Das sei un­ver­ant­wort­lich.

Ita­li­ens Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ro­ber­ta Pi­not­ti be­ton­te, der Ein­satz er­fol­ge auf Bit­ten von Li­by­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Fay­ez al-Ser­raj und „in engs­ter Ab­stim­mung“mit li­by­schen Be­hör­den. Ei­ne See­blo­cka­de sei „aus­ge­schlos­sen“. Kon­kret ge­he es um ge­mein­sa­me Pa­trouil­len­fahr­ten und Hil­fe bei der Mo­der­ni­sie­rung der li­by­schen Flot­te.

Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal kri­ti­siert das ita­lie­ni­sche Vor­ha­ben, weil es dar­auf aus­ge­legt sei, dass Kriegs­schif­fe Mi­gran­ten zu­rück­dräng­ten, statt die­se zu ret­ten und zu schüt­zen. Das UN-Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR teil­te mit, es sei un­klar, was der Be­schluss kon­kret be­deu­te. Ita­li­en ha­be zu­ge­si­chert, dass es kei­ne Rück­füh­rung von Flücht­lin­gen an Or­te ge­ben wer­de, an de­nen Fol­ter und un­wür­di­ge Be­hand­lung droh­ten.

Die EU hat wei­ter­hin kei­ne Er­laub­nis, auch in den li­by­schen Küs­ten­ge­wäs­sern ge­gen il­le­ga­le Mi­gra­ti­on vor­zu­ge­hen. Wie ei­ne Spre­che­rin mit­teil­te, ba­ten die li­by­schen Be­hör­den bei Ge­sprä­chen in Tri­po­lis nicht wie zu­nächst er­war­tet um eu­ro­päi­sche Un­ter­stüt­zung beim Vor­ge­hen ge­gen Schleu­ser­ban­den.

Schif­fe der Bun­des­wehr und an­de­rer eu­ro­päi­scher Streit­kräf­te sind im Rah­men der Ope­ra­ti­on Sophia seit 2015 im zen­tra­len Mit­tel­meer im Ein­satz, um den Men­schen­schmug­gel aus Li­by­en zu be­kämp­fen. Weil sie bis­lang nicht in den Küs­ten­ge­wäs­sern des vom Bür­ger­krieg zer­rüt­te­ten Lan­des ope­rie­ren dür­fen, konn­ten sie da­bei aber kaum Er­fol­ge er­zie­len.

Die Flücht­lings­kri­se: Mehr Be­rich­te, Hin­ter­grün­de und Ana­ly­sen auf noz.de/mi­gra­ti­on

Ein „Wen­de­punkt in der Flücht­lings­kri­se“? Die ita­lie­ni­sche Ma­ri­ne soll künf­tig auch in li­by­schen Ho­heits­ge­wäs­sern ope­rie­ren. Fo­to: ima­go/ZUMA Press

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.