Nur Ku­gel­sto­ßen geht nicht

Top-Lauf­ta­lent Klos­ter­hal­fen trau­en vie­le bei der WM ei­ne Über­ra­schung zu

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Wie läuft man nicht nur hin­ter­her auf Welt­klas­se­Ni­veau? Die 20 Jahre al­te Kon­stan­ze Klos­ter­hal­fen vom TSV Bay­er 04 Le­ver­ku­sen lernt es gera­de – viel schnel­ler als vie­le Ta­len­te vor ihr.

Von Ul­ri­ke John und Andre­as Schir­mer

Ei­nen Ein­gangs­test an der Sport­hoch­schu­le Köln muss­te Kon­stan­ze Klos­ter­hal­fen gleich drei­mal ab­sol­vie­ren. 6,70 Me­ter wa­ren ge­for­dert – im Ku­gel­sto­ßen. Wer die schlak­si­ge Ath­le­tin ren­nen sieht mit ih­ren 47 Ki­lo und 1,74 Me­tern, der kann sich gut vor­stel­len, dass die Kraft­dis­zi­plin nicht ih­re ist. In Sa­chen Aus­dau­er aber ist die 20-Jäh­ri­ge ein Ass. Sie gilt als das größ­te deut­sche Lauf­ta­lent. Bei der WM in Lon­don fei­ert Klos­ter­hal­fen am Frei­tag nun ihr De­büt.

Klar, die As­se aus Afri­ka sind „ein gan­zes Stück“weg. Aber: „Ich bin über 1500 Me­ter schon et­was nä­her und un­ter vier Mi­nu­ten ge­kom­men“, sagt Klos­ter­hal­fen. „Mein Ziel ist es, im­mer nä­her dran­zu­kom­men und mehr mit­lau­fen zu kön­nen.“

Die Best­mar­ke der Le­ver­ku­se­ne­rin steht bei 3:59,30 Mi­nu­ten, die Jah­res­schnells­te Si­fan Has­san (Nie­der­lan­de) hat 3:56,14 vor­zu­wei­sen. Bei ei­ner WM gibt es aber schon auch mal tak­ti­sche Ren­nen, und es wird nicht nur von An­fang an Tem­po ge­bolzt. „Ich ha­be in die­ser Sai­son so ei­ni­ges aus­pro­biert, wie es geht“, er­klärt Klos­ter­hal­fen, die in Rio de Janei­ro im olym­pi­schen Halb­fi­na­le ge­stan­den hat­te.

Der Sport­jour­na­lis­tik-Stu­den­tin trau­en vie­le ei­ne Über­ra­schung zu – vor al­lem nach die­ser so er­folg­rei­chen Sai­son. Zu­letzt wur­de Klos­ter­hal­fen U-23-Eu­ro­pa­meis­te­rin. Bei der Hal­len-EM in Bel­grad hat­te sie be­reits Sil­ber hin­ter der Bri­tin Lau­ra Muir ge­holt. Und bei ih­rem Dia­mond-Le­ague-Mee­tin­gDe­büt

in Rom kam die Mit­tel­streck­le­rin auf Rang drei hin­ter der Has­san und Win­ny Che­bet aus Ke­nia. Im deut­schen Ju­nio­ren-Be­reich hält sie längst al­le Re­kor­de.

Klos­ter­hal­fen mag „das Lauf­ge­fühl, den Flow, wenn man al­les um sich her­um ver­gisst“. Sie ha­be sich wei­ter­ent­wi­ckelt, neue Rei­ze ge­setzt

mit den Trai­nings­la­gern im Ja­nu­ar in Süd­afri­ka und im März in Flag­staff/USA. Zu Hau­se ab­sol­viert sie neun Ein­hei­ten mit zwei St­un­den pro Wo­che. „Oh­ne Spaß könn­te man es nicht ma­chen, sonst wür­de man dar­an ka­putt ge­hen“, be­tont sie.

Wenn Klos­ter­hal­fen als Kind in­ter­na­tio­na­le Lauf­wett­be­wer­be im Fern­se­hen ge­schaut hat, „dann wa­ren da nie vie­le Deut­sche“. Das hat sich zu­min­dest bei den Frau­en et­was ge­än­dert – dank ih­res Vor­bilds Ge­sa Fe­li­ci­tas Krau­se, der Hin­der­nis-Eu­ro­pa­meis­te­rin. Und mitt­ler­wei­le auch dank „Ko­ko“selbst.

Für den Deut­schen Leicht­ath­le­tik-Ver­band ist Klos­ter­hal­fen schon jetzt ein Glücks­fall. „Ich traue ihr et­was Be­son­de­res in den nächs­ten drei Jah­ren bis Olym­pia in To­kio zu. Sie hat viel Lust, schnell zu lau­fen. Ich hof­fe, dass sie viel lernt“, sagt Chef­trai­ner Id­riss Gon­sch­in­s­ka. „Jetzt soll sie sich lang­sam an die Welt­spit­ze her­an­tas­ten und ih­re Freu­de am Lau­fen er­hal­ten.“

Vor­lauf, Halb­fi­na­le, Fi­na­le – das ist Klos­ter­hal­fens Prü­fungs­plan für die WM. „Drei Ren­nen hat­te ich noch nicht. Um­so we­ni­ger man denkt, des­to bes­ser. Ein­fach lau­fen.“Zwi­schen­drin hät­te sie theo­re­tisch auch noch Zeit, ein biss­chen Ku­gel­sto­ßen zu schau­en.

Fo­to: dpa

Gro­ßes deut­sches Lauf­ta­lent: Kon­stan­ze Klos­ter­hal­fen hat sich für die WM viel vor­ge­nom­men.

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