Ei­gen­mäch­ti­ge Ma­ri­hua­na-The­ra­pie

Be­wäh­rungs­stra­fe für 35-Jäh­ri­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück Schützenfest Bad Iburg - Von Mar­kus Stroth­mann

Zu mild war das Ur­teil des Amts­ge­richts Os­na­brück ge­gen ei­nen 35-jäh­ri­gen Ma­ri­hua­na-Kon­su­men­ten aus­ge­fal­len – so sah es je­den­falls die Staats­an­walt­schaft. Sie ging in Be­ru­fung und hat­te nun Er­folg: Das Land­ge­richt kor­ri­gier­te die Stra­fe leicht nach oben.

Ei­ne fünf­mo­na­ti­ge Frei­heits­stra­fe zur Be­wäh­rung hat­te der 35-Jäh­ri­ge vor dem Amts­ge­richt kas­siert. Über 500 Gramm Ma­ri­hua­na, 1365 Eu­ro Bar­geld und zwei Fein­waa­gen hat­te die Po­li­zei im Rah­men ei­ner Haus­durch­su­chung im Sep­tem­ber 2015 bei ihm si­cher­ge­stellt. Ver­ur­teilt wur­de er we­gen un­er­laub­ten Han­del­trei­bens mit Be­täu­bungs­mit­teln in nicht ge­rin­ger Men­ge.

Die Stra­fe fiel ver­hält­nis­mä­ßig mil­de aus, weil das Amts­ge­richt von ei­nem min­der­schwe­ren Fall aus­ging. Denn der 35-jäh­ri­ge lei­det an star­ken Rü­cken­pro­ble­men – ge­nau ge­nom­men an ei­nem „schwe­ren Wir­bel­säu­len­schmerz­syn­drom mit re­zi­di­vie­ren­den Band­schei­ben­vor­fäl­len und de­ge­ne­ra­ti­ven Ve­rän­de­run­gen“, um es me­di­zi­nisch zu for­mu­lie­ren. Sei­nen er­lern­ten Be­ruf als In­for­ma­ti­ker muss­te er be­reits vor sechs Jah­ren auf­ge­ben, weil lan­ges Sit­zen am Schreib­tisch auf­grund sei­nes Lei­dens nicht mehr mög­lich ist. Mo­men­tan sei­en die Be­schwer­den so stark, dass er kaum lie­gen kön­ne, sag­te der An­ge­klag­te aus.

Nach­dem meh­re­re Ärz­te ab­lehn­ten, ihn zu ope­rie­ren, ha­be er sich da­zu ent­schie­den, ei­ne Schmerz­the­ra­pie mit Ma­ri­hua­na durch­zu­füh­ren – „ei­gen­stän­dig und be­wusst il­le­gal“, wie es vor dem Amts­ge­richt hieß. Dort hat­te der 35-jäh­ri­ge be­reits ein voll­um­fäng­li­ches Ge­ständ­nis ab­ge­legt.

Auf­ga­be des Land­ge­richts war es nun nicht, noch ein­mal zu prü­fen, ob der An­ge­klag­te schul­dig ist oder nicht. Es galt auf An­trag der Staats­an­walt­schaft le­dig­lich ab­zu­wä­gen, ob das ur­sprüng­li­che Ur­teil zu mil­de aus­ge­fal­len ist.

„Die Stra­fe ist un­an­ge­mes­sen ge­ring“, be­kräf­tig­te der Staats­an­walt nun vor dem Land­ge­richt und mach­te dies vor al­lem dar­an fest, dass der An­ge­klag­te mit den Dro­gen auch ge­han­delt hat­te – des­halb auch die in sei­ner Woh­nung ge­fun­de­nen Fein­waa­gen. „Wä­re es nur um Be­sitz ge­gan­gen, hät­te man an­ge­sichts der Er­kran­kung wohl so­gar noch groß­zü­gi­ger sein kön­nen“, be­ton­te der Staats­an­walt. Aber da sei nun ein­mal das Han­del­trei­ben ge­we­sen, das we­sent­lich här­ter be­straft wer­de als blo­ßer Kon­sum. Zu­dem wur­de die „ge­rin­ge Men­ge“Rausch­gift, bei der die Jus­tiz un­ter Um­stän­den durch­aus be­reit ist, auch mal ein Au­ge zu­zu­drü­cken, gleich um das Sie­ben­fa­che über­schrit­ten. Der Staats­an­walt for­der­te das Land­ge­richt da­zu auf, ei­ne Ge­samt­stra­fe von acht Mo­na­ten zu ver­hän­gen – selbst­ver­ständ­lich zur Be­wäh­rung.

Der Ver­tei­di­ger des 35-Jäh­ri­gen be­an­trag­te hin­ge­gen, die Be­ru­fung der Staats­an­walt­schaft zu ver­wer­fen und so­mit das Ur­teil des Amts­ge­richts zu be­stä­ti­gen – wo­für er in et­wa die­sel­ben Ar­gu­men­te an­führ­te wie zu­vor der Staats­an­walt­schaft für den ent­ge­gen­ge­setz­ten Standpunkt. „Er ist nicht der Typ Dro­gen­dea­ler oh­ne fes­te Ar­beit, aber mit gro­ßem Au­to. Vor dem Hin­ter­grund der Be­schwer­den ist das ur­sprüng­li­che Ur­teil so trag­bar.“

Das Ge­richt zog sich für ei­ne knap­pe Vier­tel­stun­de zu­rück und kam schließ­lich mit ei­nem leicht kor­ri­gier­ten Ur­teil zu­rück in den Saal: Statt fünf Mo­na­te be­trägt die Frei­heits­stra­fe nun sechs Mo­na­te und ei­ne Wo­che. Wenn der Ver­ur­teil­te nicht ins Ge­fäng­nis möch­te, darf er sich zwei Jahre lang nichts zu­schul­den kom­men las­sen. Mo­men­tan be­müht er sich nach ei­ge­nen An­ga­ben um ei­ne le­ga­le Can­na­bis­the­ra­pie un­ter ärzt­li­cher Auf­sicht.

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